Frankreich Präsident Macron nimmt in Prügel-Affäre Verantwortung auf sich

Lange schwieg Emmanuel Macron in der Affäre um einen mutmaßlich gewalttätigen Leibwächter - jetzt hat er sich offenbar klar geäußert: Er allein sei verantwortlich, sagte Frankreichs Präsident Abgeordneten zufolge.

Alexandre Benalla (l.), Emmanuel Macron
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Alexandre Benalla (l.), Emmanuel Macron


In der Affäre um seinen Leibwächter Alexandre Benalla soll sich der französische Präsidenten Emmanuel Macron zu Wort gemeldet haben. "Der Verantwortliche, der einzige Verantwortliche, das bin ich und ich allein", soll er gesagt haben. Abgeordnete erklärten auf Twitter, Macron habe sich unerwartet bei einem Treffen mit Parlamentariern seiner Partei En Marche geäußert.

"Ich bin es, der Alexandre Benalla vertraut hat. Ich bin es, der die Strafe bestätigt hat", soll Macron außerdem gesagt haben. Benalla war nach Angaben des Leiters von Macrons engstem Mitarbeiterstab ab dem 4. Mai für 15 Tage beurlaubt und dazu dauerhaft von seinen ursprünglichen Aufgaben entbunden worden.

Bei einem Polizeieinsatz am 1. Mai in Paris soll Benalla brutal gegen einen Demonstranten vorgegangen sein. Er soll dabei einen Polizeihelm und eine Polizeiarmbinde getragen haben, obwohl er nicht als Ordnungshüter im Dienst gewesen war. Erst im Juli waren die Vorfälle der Öffentlichkeit durch Medienberichte bekannt geworden. Gegen den ehemaligen Leibwächter läuft seit Sonntag ein Ermittlungsverfahren.

Opposition kritisiert Macrons Schweigen

Für Macron gehört die Affäre zu den schwierigsten Krisen seiner Amtszeit. Die konservative Oppositionspartei Les Républicains hatte ihn für sein Schweigen scharf kritisiert. Sie vermutet einen Vertuschungsskandal und hält die Strafe gegen Benalla für zu gering. Sie kündigten außerdem einen Misstrauenantrag gegen die Regierung an.

Noch am Dienstagabend hatte sich Frankreichs Regierung gegen die Vorwürfe der Opposition gewehrt. "Das individuelle Fehlverhalten dieses Mitarbeiters macht noch keine Staatskrise", sagte Premierminister Edouard Philippe vor der Nationalversammlung. Die Behörden hätten schnell reagiert und eine Strafe gegen den Sicherheitsmitarbeiter Macrons verhängt, als Vorwürfe gegen ihn bekannt geworden seien.

eaz/Reuters



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