Benedikt und die Muslime: Ahmadinedschad nimmt Papst in Schutz

Im Streit über die Islam-Äußerungen des Papstes hat Irans Präsident Ahmadinedschad die Klarstellung von Benedikt XVI. akzeptiert. Er schlug damit einen anderen Ton als Irans geistliches Oberhaupt Ajatollah Chamenei an. US-Präsident Bush bezeichnete das Bedauern des Heiligen Vaters als aufrichtig.

New York/Caracas/London - Der Papst habe seine Aussagen "abgeändert", sagte Mahmud Ahmadinedschad zum Abschluss eines zweitägigen Besuchs in Venezuela. "Wir respektieren den Papst und all jene, die für Frieden und Gerechtigkeit sind", sagte der iranische Präsident. Damit schlug er einen anderen Ton an als das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei. Dieser hatte den Papst scharf kritisiert und die umstrittene Regensburger Papst-Rede als "letztes Glied eines Komplotts für einen Kreuzzug" bezeichnet.

Ahmadinedschad: "Wir respektieren den Papst"
AFP

Ahmadinedschad: "Wir respektieren den Papst"

Benedikt XVI. hatte am Sonntag erstmals persönlich Bedauern über die Missverständnisse nach seinen Äußerungen bekundet. George W. Bush bezeichnete dies als aufrichtig. Der US-Präsident diskutierte das Thema bei einem Treffen mit dem malaysischen Ministerpräsidenten Abdullah Ahmad Badawi. "Der Präsident verwies darauf, dass der Papst sich für seine Bemerkungen entschuldigt hat, und der Präsident glaubt, dass der Papst dies aufrichtig gemeint hat", sagte ein Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats, Dennis Wilder, vor Beginn der Uno-Vollversammlung in New York.

Der malaysische Regierungschef sagte, er akzeptiere die Entschuldigung des Papstes. In Zukunft müsse Benedikt jedoch Bemerkungen vermeiden, die Muslime beleidigen könnten. Der Papst hatte in einer Vorlesung an der Regensburger Universität einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe nur Schlechtes und Inhumanes gebracht, indem er für die Verbreitung des Glaubens mit dem Schwert eingetreten sei.

Wegen der Auseinandersetzungen um die Papst- Äußerungen hat die britische Polizei Schutzvorkehrungen für Hunderte Kirchen und Moscheen verstärkt. An die Verantwortlichen in religiösen Stätten im Großraum London und einigen anderen Gegenden des Landes seien insgeheim Notrufnummern für den Fall von Angriffen ausgegeben worden, berichtete der "Daily Telegraph".

Scotland Yard hat inzwischen Ermittlungen gegen mehrere muslimische Extremisten aufgenommen, die in den vergangenen Tagen bei Demonstrationen zu Gewalttaten gegen die katholische Kirche und den Papst aufgerufen hatten. Londons stellvertretender Polizeichef Tarique Ghaffur betonte, die Sicherheitskräfte würden nicht zulassen, "dass Leute an Demonstrationen teilnehmen, um dabei Gesetze zu brechen".

In britischen Kirchenkreisen wird nach Angaben der Zeitung befürchtet, dass eine erhöhte Polizeipräsenz vor Gotteshäusern die gespannte Lage nach den Papst-Äußerungen noch anheizen könnte.

als/AP/AFP/dpa

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