Gewalt in Bengasi Regierungstreue Libyer stürmen Islamisten-Lager

Libysche Bürger rebellieren gegen die Macht der Extremisten: In Bengasi hat eine aufgebrachte Menge Stützpunkte zweier islamistischer Milizen gestürmt. Eine davon soll hinter dem tödlichen Angriff auf die US-Botschaft in der Stadt stecken.


Bengasi - Sie schrien "Libyen, Libyen" und "Nein zu Milizen": Hunderte Demonstranten haben am Freitagabend in Bengasi den Stützpunkt einer radikalislamischen Miliz gestürmt. Die Mitglieder der Gruppierung Ansar al-Scharia feuerten Schüsse in die Luft ab, bevor sie sich aus der Kaserne zurückzogen. Demonstranten steckten das Gebäude in Brand.

Danach griffen die Demonstranten den Stützpunkt einer weiteren Miliz, Rafallah Sahati, an. Deren Kämpfer schossen in die Menge. Dabei wurden nach Angaben eines Krankenhausarztes mindestens drei Menschen getötet und 20 verletzt. Die Kämpfe mit Raketen und Gewehren in Hawari, 15 Kilometer vom Stadtzentrum von Bengasi entfernt, dauerten laut einer Reporterin der Nachrichtenagentur AFP zwei Stunden. Dann gab die Miliz ihre Stellung auf.

Hintergrund der Auseinandersetzungen ist ein Angriff auf das US-Konsulat in der Stadt am 12. September, der aus Protest gegen einen in den USA produzierten islamfeindlichen Film erfolgte. Dabei waren der amerikanische Botschafter und drei weitere US-Bürger getötet worden.

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Kämpfe in Bengasi: Demonstranten vertreiben Milizen
Ansar al-Scharia gilt als treibende Kraft hinter der Erstürmung. Die Kommandeure der Miliz bestreiten allerdings jede Beteiligung an dem Angriff. Die Miliz soll Verbindungen zu al-Qaida haben. Wegen des Videos gibt es seit Tagen in vielen muslimischen Ländern Demonstrationen und gewaltsame Ausschreitungen, am Freitag etwa in Pakistan.

Vor den Kämpfen mit den Milizen hatten in Bengasi Zehntausende Menschen gegen Ansar al-Scharia demonstriert. "Nein, nein zu den Milizen", riefen sie. "Nach dem, was im amerikanischen Konsulat geschehen ist, haben wir genug von den Extremisten", sagte ein Mann dem TV-Sender al-Dschasira. Einige Demonstranten brachten auch ihre Trauer um die getöteten Amerikaner zum Ausdruck. Sie trugen Schilder mit der Aufschrift: "Der Botschafter war Libyens Freund" und "Libyen hat einen Freund verloren".

Die schwer bewaffneten Milizen sind im nachrevolutionären Libyen zu einem der schwierigsten Probleme geworden. Teils sind sie besser bewaffnet als die offiziellen Sicherheitskräfte. Viele Bürger werfen den Milizen vor, die Zivilbevölkerung nach ihren radikalen Vorstellungen zu gängeln. "Ich will nicht, dass Männer in afghanisch aussehender Kleidung mich auf der Straße anhalten und mir Befehle erteilen, ich will nur Leute in Uniform sehen", sagte der Student Omar Mohammed, der an der Erstürmung des Camps von Ansar al-Scharia beteiligt war.

ulz/dpa/AFP/dapd

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 228 Beiträge
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firestarter111 22.09.2012
1.
Die Menschen leiden selbst unter den faschistisch ausgelegeten Islam der Radikalen. Ich finde das sollte nie vergessen werden. Ebenso wie nur ein winziger Bruchteil der Bevölkerung in Pakistan gegen die angeblichen Schmähungen wirklich militant demsonstriert hat. Da sollte man sich nicht von spektakulären Meldungen blenden lassen... .
Surgeon_ 22.09.2012
2. Gute Sache !
Alles sollte sich gegen Islamisten drehen, egal aus welchem Lager !
sietian 22.09.2012
3. Ein Lichtblick:-)
Ich hoffe wirklich es ist genau so, wie es scheint!
6bb6 22.09.2012
4. Eine Nachricht, die Hoffnung macht
Die Libyer scheinen sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen wollen. Gut so!
siliconsidewinder 22.09.2012
5. Augen Links: sollte da nicht Lybien
im LänderLexikon stehen?
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