Auftritt im US-Kongress So reagiert die Welt auf Netanyahus Rede

"Ich war den Tränen nahe": Die demokratische Spitzenpolitikerin Pelosi zeigt sich nach dem Netanyahu-Auftritt im US-Kongress tief besorgt. Die wichtigsten Reaktionen im Überblick.

Israelischer Ministerpräsident Netanyahu: Von Republikanern begeistert empfangen
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Israelischer Ministerpräsident Netanyahu: Von Republikanern begeistert empfangen


Washington - Mit seinem umstrittenen Auftritt vor dem US-Kongress hat der israelische Ministerpräsident teils heftige Reaktionen provoziert: Benjamin Netanyahu hatte eindringlich vor dem Abschluss des Atomabkommens mit Iran gewarnt. Die Vereinbarung in ihrer jetzigen Form würde der Regierung in Teheran den Weg zu Atomwaffen ebnen, sagte er. Der Besuch fand auf direkte Einladung der US-Republikaner statt - und hat die ohnehin schwierige Beziehung zu Präsident Barack Obama weiter belastet.

Nancy Pelosi im US-Kongress: Betrübte Stimmung
AFP

Nancy Pelosi im US-Kongress: Betrübte Stimmung

"Als jemand, der die Beziehungen zwischen den USA und Israel schätzt und Israel liebt, war ich während der gesamten Rede des Premierministers den Tränen nahe", sagte die demokratische Minderheitsführerin Nancy Pelosi . Sie sei betrübt über die Beleidigung der Intelligenz der Vereinigten Staaten als Teil der "P5+1"-Nationen und über die "herablassende Haltung gegenüber unserem Wissen zur Bedrohung durch den Iran sowie unserer Verpflichtung, die Verbreitung von Nuklearwaffen zu verhindern". Dutzende von Obamas Demokraten waren der Rede fern geblieben.

Netanyahu bezeichnete den von den fünf Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrates - USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und China - sowie Deutschland ausgehandelten Einigungsentwurf als "einen Countdown zu einem potenziellen atomaren Albtraum". Das Abkommen in der jetzigen Form würde "praktisch garantieren, dass Iran Atomwaffen bekommt, viele davon", sagte er in seiner etwa 40-minütigen Rede.

John Boehner im Kongress: Beifall von den Republikanern
DPA

John Boehner im Kongress: Beifall von den Republikanern

Der republikanische Vorsitzende der Kammer, John Boehner, lobte Netanyahu dagegen. Dieser habe demonstriert, "warum es eine solch tiefsitzende - und überparteiliche - Sorge über den Deal" gebe.

US-Präsident Barack Obama: Hat die Rede nicht einmal im TV verfolgt
AP/dpa

US-Präsident Barack Obama: Hat die Rede nicht einmal im TV verfolgt

Viele Republikaner fordern ein Festhalten an den Sanktionen gegen den Iran oder neue Strafmaßnahmen. Netanyahus Besuch war nicht mit Obama abgesprochen und wurde von vielen Demokraten als parteiischer Eingriff in die US-Sicherheitspolitik gesehen. Seine Rede habe keine machbaren Alternativen zu den derzeitigen Atomverhandlungen mit Teheran aufgezeigt, sagte Präsident Obama. Ohne eine Einigung werde Iran seine Anstrengungen zum Besitz einer Atombombe verdoppeln. Obama verfolgte die Rede nach eigenen Angaben nicht live im Fernsehen, er habe aber in das Manuskript geschaut, sagte er.

Israels Oppositionsführer Isaac Herzog: Vertiefte Gräben
DPA

Israels Oppositionsführer Isaac Herzog: Vertiefte Gräben

Israels Oppositionsführer Isaac Herzog nannte Netanjahus Auftritt wirkungslos in Bezug auf die Atomgespräche. Vielmehr vergrößere die Rede den Graben zwischen Israel und den USA, sagte Herzog nach Medienberichten.

Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani: "Lächerlich"
REUTERS

Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani: "Lächerlich"

Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani reagierte mit Spott. "Die Rede von Netanyahu war lächerlich. Genauso die Warnungen, besonders da sie von jemandem kommen, dessen Land selbst Atomwaffen besitzt", sagte er am Mittwoch vor einer Parlamentssitzung in Teheran. "Das erinnert einen an die Anekdote, wo eine Hure neu in die Stadt kommt und, um sich fromm zu zeigen, ihren Rock über den Kopf zieht, damit die Haare vor fremden Männern verborgen werden."

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Netanyahu-Rede vor US-Kongress: "Iran wird immer ein Feind von Amerika sein"

vek/heb/dpa/Reuters

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laermgegner 04.03.2015
1.
Vernunft braucht einen langen Atemen - diese Rechthaberei hat noch nie weitergeholfen - besonders Gästen nicht - und wie sind alle Gäste auf einer einziartigen Erde.
sekundo 04.03.2015
2. keine amerikanische
regierung hat den staat israel so üppig unterstützt wie die obama-administration. und nun kommt dieser lümmel in die usa und beleidigt zum dank ein ganzes volk. der meister sollte sich besser um seine pfandflaschen sammelnde ehefrau kümmern!!
Fuscipes 04.03.2015
3.
Der Iran hat das gleiche Existenzrecht wie Israel, Netanjahu hetzt unentwegt gegen den Iran, diese Bühne vor den Wahlen in Israel hätte man Ihm nicht bieten dürfen. Die Verhandlungen in Genf sollten zügig zu einem Abschluss gebracht werden.
ted-g 04.03.2015
4. Hab ich im Text was verpasst?
Ihr Titel "So reagiert die Welt auf Netanyahus Rede" suggeriert mir, das mehr als nur beteilgte Hardliner zitiert werden könnten. Aber ich finde im Text lediglich eine Demokratin, die zitiert wird und Netanyahus Gehetze als Affronz auf die legitime Regierung ansieht. Was sagen denn unsere europäischen Chefs, denn nur auf europäischen Boden hat sich der kalte Krieg wirklich abgespielt und wurde, zumindest zeitweise ohne Waffen beendet. Diplomatie ist der einzige Weg, das sollte m.E. den israelischen Hardlinern mal klar gemacht werden.
Palmstroem 04.03.2015
5. Die USA sind eine Demokratie
Der US-Kongress ist die Vertretung des amerikanischen Volkes. Und die Republikaner haben vom Volk die Mehrheit erhalten. Der Kongress wird über ein etwaiges Abkommen mit dem Iran entscheiden. Der Präsident ist nur Chef der Exekutive. Das haben hier offenbar viele noch nicht verstanden. Obama ist nicht Putin! Und Nancy Pelosi hat nichts mehr zu sagen!
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