Uno-Beobachter-Mission in Syrien: Wer redet, der stirbt

Von , Beirut

Die syrische Bevölkerung zahlt offenbar einen hohen Preis für die Anwesenheit der Uno-Blauhelme. Das Assad-Regime attackiert von den Beobachtern besuchte Stadtteile mit gezielten Angriffen. Niemand soll es anscheinend wagen, mit den ausländischen Besuchern zu reden.

Uno-Beobachter in Homs: "Sie haben den Tod mit sich gebracht." Zur Großansicht
REUTERS

Uno-Beobachter in Homs: "Sie haben den Tod mit sich gebracht."

Die Blauhelme waren kaum weg, da fielen die Bomben: "Nachdem die Beobachter abgefahren waren, hat die Armee die Gegend rund um die Alamain- und Mazarib-Straße gestürmt", berichtet Abu al-Huda al-Hamwi von dem, was am Montag in seiner Heimatstadt Hama im Norden Syriens geschah. "Der Angriff begann mit einem Beschuss, der die Leute mitten auf der Straße überraschte. Die Leichen lagen über Stunden herum", sagte das Mitglied des lokalen Revolutionskomitees SPIEGEL ONLINE. Später sollen Soldaten Menschen aus ihren Häusern geholt und erschossen haben. Auch Gebäude seien in Brand gesteckt worden.

Als die Beobachtertruppe der Uno sich einen Tag zuvor mehrere Stunden in der für ihre antiken Wasserschöpfräder bekannten Stadt aufhielt, war es ruhig geblieben. Die Bürger in der Oppositionshochburg demonstrierten im Beisein der Blauhelme gegen das Regime Baschar al-Assads, einige Mutige sprachen sogar mit den Emissären der Vereinten Nationen. Die Quittung gab es prompt: "Das Regime wollte die Menschen dafür bestrafen, dass sie eine Botschaft an die internationalen Beobachter gesandt haben", sagt Aktivist Hamwi. Die Angaben, wie viele Menschen durch den Rachefeldzug umkamen, schwanken zwischen 28 und 50.

Revolutionär Hamwi ist sich sicher, dass der Angriff in Hama Teil einer Vergeltungsmaßnahme ist: Auch im Dorf Katab, etwas außerhalb von Hama auf dem Land gelegen, habe es eine ähnliche Attacke gegeben. "Nachdem die Beobachter dort abgezogen waren, stürmten staatlich gesteuerte Schlägertruppen das Dorf. Sie haben 100 Menschen verhaftet und zwei getötet. Außerdem haben sie die Häuser von Zivilisten geplündert."

Glaubt man syrischen Aktivisten, zahlt die aufständische Bevölkerung nur zehn Tage nach Beginn der Beobachter-Mission der Vereinten Nation in Syrien einen hohen Preis für die Anwesenheit internationaler Experten. "Die Uno-Aufseher haben den Tod mit sich gebracht", sagte Manhal, ein anderer Aktivist aus Hama, dem Nachrichtensender al-Dschasira.

Ausländische Journalisten dürfen kaum ins Land

Aus Damaskus meldeten Rebellen am Mittwoch, dass der seit längerem umkämpfte Damaszener Vorort Duma unter schweres Feuer genommen worden sei. Dies sei vermutlich eine Strafmaßnahme für die große Anti-Assad-Demonstration, mit der die dortige Bevölkerung die Blauhelme bei ihrer Visite am Montag empfangen habe.

Überprüfbar sind solche Berichte nicht: Nach wie vor lässt das syrische Regime kaum ausländische Journalisten ins Land. Westliche Regierungen und die Uno nehmen die Vorwürfe jedoch durchaus ernst - vielleicht, weil sie von Kenntnissen der eigenen Geheimdienste gestützt werden.

So hatte der internationale Syrien-Sondergesandte Kofi Annan am Dienstag dem Uno-Sicherheitsrat vom Fortgang der unter seiner Schirmherrschaft operierenden Beobachter-Mission unterrichtet. Dabei soll der ehemalige Uno-Generalsekretär laut Redetext davon berichtet haben, dass syrische Sicherheitskräfte Menschen, die Kontakt zu Uno-Beobachtern gehabt hätten, offenbar massiv unter Druck setzen. In Hama seien Menschen getötet worden, nachdem die Beobachter die Stadt verlassen hätten. "Sollte dies bestätigt werden, wäre das völlig inakzeptabel und verwerflich", sagte Annan demnach.

Annan fordert die Stationierung von 300 Beobachtern

Die Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, twitterte live aus der Sitzung des Sicherheitsrats. "Dass das syrische Regime die angreift, die mit den Uno-Beobachtern sprechen, ist unerhört, aber nicht unerwartet", schrieb Rice in einer Kurzmitteilung.

Die Uno versucht die mutmaßlichen Pläne, Syriens Bürger für den Kontakt mit den Blauhelmen zu bestrafen, zu durchkreuzen. Sie bemühen sich, zumindest an den Brennpunkten ständig präsent zu sein. Derzeit sind elf Vertreter der Vereinten Nationen in Syrien. Zwei davon sind dauerhaft in der Oppositionshochburg Homs stationiert, nun sollen zwei weitere in Hama die Stellung halten und durch ihre bloße Anwesenheit die Bevölkerung vor Repressalien schützen.

Das syrische Regime beeindruckt das offenbar nicht: Am Mittwochabend feuerten die Regierungstruppen mehrere Raketen auf Hama, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Oppositionelle. Bei dem Angriff sollen etwa ein Dutzend Menschen getötet und 30 weitere verletzt worden sein.

Bei der Sitzung hinter geschlossenen Türen forderte Annan eine schnelle Stationierung der vom Sicherheitsrat beschlossenen 300 Beobachter. Diese sollen den offiziell am 12. April in Kraft getretenen Waffenstillstand überwachen. Nach Angaben des Chefs der Friedenstruppen, Hervé Ladsous, könnte es noch einen Monat dauern, bis die ersten 100 Beobachter vor Ort seien. Seinen Angaben zufolge lehnte Damaskus bereits Vertreter aus Ländern ab, die zur Gruppe der Freunde Syriens gehören. Dies sind unter anderen die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Saudi-Arabien und Katar.

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1.
badumtss 25.04.2012
Zitat von sysopDie syrische Bevölkerung zahlt offenbar einen hohen Preis für die Anwesenheit der Uno-Blauhelme. Das Assad-Regime attackiert von den Beobachtern besuchte Stadtteile mit gezielten Angriffen. Niemand soll es anscheinend wagen, mit den ausländischen Besuchern zu reden. Uno-Beobachter-Mission*in Syrien: Wer redet, der stirbt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,829757,00.html)
Frau Putz verbreitet wieder einmal Kriegshetze sondergleichen. Einseitig und unseriös, so kann man diese Frau am besten beschreiben. Die Rebellen sind nicht ernst zunehmen. Jeder halbwegs Teilblinde kann auf Youtube die Planung der Fake-Videos ansehen. Gibt's auch andere Quellen als "Aktivisten"? Keine Bange, tut keiner, außer blinde Gutmenschen. "dürfen kaum", hä? Entweder man kommt hinein oder eben nicht. Überprüfbar sind solche Berichte nicht: Was ist denn "kaum"? Und warum bietet man dann dieser Hetze eine Plattform, Frau Putz? Den Rest des Artikels erspar ich mir mal. Billige Hetze vom feinsten, mehr gibt es dazu nichts zu sagen. Mal sehen, ob dieser Kommentar trotz SPON Zensur durchkommt.
2. Beobachter
hdwinkel 25.04.2012
Zitat von sysopDie syrische Bevölkerung zahlt offenbar einen hohen Preis für die Anwesenheit der Uno-Blauhelme. Das Assad-Regime attackiert von den Beobachtern besuchte Stadtteile mit gezielten Angriffen. Niemand soll es anscheinend wagen, mit den ausländischen Besuchern zu reden. Uno-Beobachter-Mission*in Syrien: Wer redet, der stirbt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,829757,00.html)
Wenn denn die Berichte überhaupt stimmen zahlt die syrische Bevölkerung vor allem dafür, daß die 'Freunde Syriens' einen gewaltsamen Regimewechsel präferieren anstatt eine politische Lösung anzustreben. So richtig willkommen werden Beobachter aus diesen Staaten nun wirklich nicht sein.
3. so
Onkel_Karl 25.04.2012
Zitat von sysopDie syrische Bevölkerung zahlt offenbar einen hohen Preis für die Anwesenheit der Uno-Blauhelme. Das Assad-Regime attackiert von den Beobachtern besuchte Stadtteile mit gezielten Angriffen. Niemand soll es anscheinend wagen, mit den ausländischen Besuchern zu reden. Uno-Beobachter-Mission*in Syrien: Wer redet, der stirbt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,829757,00.html)
Und wer redet den wird das erwarten wie auf dem video aus Libyen,wo die netten Rebellen in der Wüste Käfige errichten und zwingen Menschen exkremente und alte Flagge zu essen...hoffentlich wird dem Assad das selbe passieren. Was haben denn Assad und Gaddafi gedacht..das sie einfach so ihre Bevölkerung mit Geld kaufen? Nein...die Menschen wollen frei sein und in dem Video sieht man wie frei die sind...das erwartet auch die Bevölkerung Syriens,deswegen gehen dort jeden tag Bomben hoch und Kommandos aus der Türkei Waffen an die Brüder liefern.. Libyen - Rebellen ntigen schwarze Afrikaner libysche Flaggen zu essen - Bundesblog (http://bundes.blog.de/2012/03/04/libyen-rebellen-noetigen-schwarze-afrikaner-libysche-flaggen-essen-13027699/)
4. Mainstreammedien
rdressler 25.04.2012
Zitat von sysopDie syrische Bevölkerung zahlt offenbar einen hohen Preis für die Anwesenheit der Uno-Blauhelme. Das Assad-Regime attackiert von den Beobachtern besuchte Stadtteile mit gezielten Angriffen. Niemand soll es anscheinend wagen, mit den ausländischen Besuchern zu reden. Uno-Beobachter-Mission*in Syrien: Wer redet, der stirbt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,829757,00.html)
Leider traue ich unseren (MS-) Medien nicht mehr so ganz über den Weg. Vielleicht tut Assad das auch? Und bezieht eben UNO-Beobachter mit ein...
5. Sehr geehrte Frau Putz
KnoKo 25.04.2012
Zitat von sysopDie syrische Bevölkerung zahlt *offenbar* einen hohen Preis für die Anwesenheit der Uno-Blauhelme. Das Assad-Regime attackiert von den Beobachtern besuchte Stadtteile mit gezielten Angriffen. Niemand soll es anscheinend wagen, mit den ausländischen Besuchern zu reden. ... Später *sollen* Soldaten Menschen aus ihren Häusern geholt und erschossen haben. ... Aus Damaskus *meldeten Rebellen* am Mittwoch, dass der seit längerem umkämpfte Damaszener Vorort Duma unter schweres Feuer genommen *worden sei*. Dies *sei vermutlich* eine Strafmaßnahme für die große Anti-Assad-Demonstration, mit der die dortige Bevölkerung die Blauhelme bei ihrer Visite am Montag empfangen habe. ... Überprüfbar sind solche Berichte nicht
Muss ich Ihnen den Unterschied zwischen "offenbar" und "anscheinend" erklären oder stört Sie das nur in Ihrer tendenziösen "Berichterstattung"? Der ganze Artikel strotzt nur so vor Angeblichkeiten und Mutmaßungen, aber das hindert Sie nicht daran, das Ganze gleich in Ihrer Einleitung als Tatsachen hinzustellen.
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Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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