Italienische Protestbewegung: "Hör auf Müll zu reden, Beppe"

Wahlsieger Beppe Grillo: Wer sich nicht an Absprachen halte, "belügt die Wähler". Zur Großansicht
AP/dpa

Wahlsieger Beppe Grillo: Wer sich nicht an Absprachen halte, "belügt die Wähler".

"Lügen", Rücktrittsforderungen und ein "Langstrecken-Duce" - die Protestbewegung "Fünf Sterne", der Überraschungssieger der italienischen Parlamentswahl, streitet über ihren Kurs. Die Wahl des Senatspräsidenten führte zum Eklat.

Rom - Die Kritik am System hatten die deutsche Piratenpartei und die italienischen Grillini schon immer gemein. Auch was den parteiinternen Streit angeht, scheint sich die Protestbewegung des Ex-Komikers Beppe Grillo keine Lektion von ihren deutschen Brüdern im Geiste zu brauchen. "Lügen" und Wahlbetrug wirft der graugelockte Charismatiker Grillo einigen seiner Abgeordneten vor und fordert sie indirekt zum Rücktritt auf. Zuvor hatten die Senatoren - entgegen parteiinterner Absprachen - den Kandidaten der linken Demokratischen Partei (PD) bei der Wahl zum Senatspräsidenten unterstützt.

Im Internet löste Grillo damit eine scharfe Debatte aus: "Hör auf Müll zu reden, Beppe. Wofür hältst du dich? Eine Art Langstrecken-Duce?", fragte ein Kommentator mit Verweis auf den einstigen italienischen Diktator und Hitler-Verbündeten Benito Mussolini. Andere sprangen Grillo zur Seite: Die Senatoren müssten die Regeln der Bewegung tolerieren, schrieb eine. "Schmeiß sie raus!" Einer der Abweichler, Giuseppe Vacciano, verteidigte seine Entscheidung, bot aber gleichzeitig auch seinen Rücktritt an.

Streit über Zusammenarbeit mit der PD

Der Streit verdeutlicht nur das Grundproblem der Grillo-Bewegung nach ihrem Überraschungserfolg bei der italienischen Parlamentswahl Ende Februar: Der Volkszorn hat die Grillini als drittstärkste Kraft ins Parlament gespült. Die PD um ihren Spitzenmann Pier Luigi Bersani braucht für die Regierungsbildung ihre Unterstützung. Viele Abgeordnete können sich durchaus vorstellen, mit den Sozialdemokraten in einigen Punkten zusammenzuarbeiten. Nicht so ihr Anführer Beppe Grillo. Der will weiter auf der Wutwelle reiten und Neuwahlen erzwingen: "Wir wollen 100 Prozent im Parlament, nicht 20 oder 25 oder 30", tönt er.

Um das zu verhindern, will Linken-Führer Bersani die Grillini locken. In das für Mittwoch geplante Gespräch mit Staatspräsident Giorgio Napolitano will Bersani ohne einen detaillierten Plan für ein Regierungsprogramm gehen. Ihm gehe es darum, mit einigen wenigen Punkten die Zustimmung des Parlaments zu gewinnen, sagte der PD-Anführer. Mit Themen, die auch unter den "Fünf Sterne"-Abgeordneten Zustimmung finden, könnte Bersani so Mehrheiten im gespaltenen Senat finden.

Gelingt das nicht, könnte dagegen Grillos Blockade-Strategie aufgehen: Nach jüngsten Umfragen würde seine Protestbewegung "Fünf Sterne" aus einer neuerlichen Abstimmung mit 30 Prozent als stärkste Kraft vor den Bündnissen Bersanis (25,1 Prozent) und Berlusconis (23,3 Prozent) ins Ziel kommen.

ade/Reuters

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Sie werden`s wohl genauso verbocken wie die Piraten
greatsouthern 18.03.2013
Denn die Alternative zeichnet sich schon ab: der populäre, junge Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, jetzt noch bei den Vorwahlen gegen Bersani ausgeschieden, hat bereits seinen Anspruch als Spitzenkandidat für die nächste Wahl angemeldet. Bersani gibt, ganz staatsmännisch, der jungen Alternative den Weg frei. Renzi, der viele Sympathien bei der Rechten geniesst, wird weitere Stimmen an Grillo verlieren, der die Wahl gewinnt. Und die Koalitionsverhandlungen verliert, weil er sie gar nicht führt. Renzi, ohne Kontaktscheu zum Berlusconi-Lager, macht mit dessem slicken Adlatus Alfano die Regierung. Und die einmalige Chance einer linken Mehrheit (ganz selten am Stiefel!) ist vergeigt... Oder werden die blutjungen Grillini im Parlament die Bevormundung des Alten draußen abschütteln und Verantwortung übernehmen?
2. wenn grIllo 1 00. % der stimmen erreichen will dann ist er mit100% tiger sicherheit verrückt. Grössen wahn
hobbysechs00 18.03.2013
Nennt man sowas und er sollte zum Psychiater gehen. Die neue Psychiatrie Italiens ist führend in Europa seit 1978 mit dem Gesetz NRW 180 die geschlossenen Anstalten verboten wurden. Dort wird man ihn liebevoll behandeln. Denn selbst eine Wiederholung der Wahl wird ihn nicht befriedigen, in der er ja nur 30 % erreicht. Seine Abgeordneten sollten aufwachen und schnell das parteibuch wechseln.
3. Na bitte.
clubzwei 18.03.2013
Über 30 % bei Neuwahl? Phantastisch, ein weitere Schritt zur Destabilisierung dieser unsäglichen EU. Weiter so Italien. Bald wachen hoffentlich auch wir endlich auf!
4. laaangweilig
mischnik 18.03.2013
"Beppes" Gegner werden wörtlich zitiert, er selbst nur mit Schlagworten. Da wird wieder Meinung statt Wissen vermittelt. SPON Niveau.
5. hoher Unterhaltungswert
toskana2 18.03.2013
Zitat von sysop"Lügen", Rücktrittsforderungen und ein "Langstrecken-Duce" - die Protestbewegung "Fünf Sterne", der Überraschungssieger der italienischen Parlamentswahl, streitet über ihren Kurs.
Die Italiener scheinen eine gesunde Einstellung zur Politik zu haben, die uns fremd bleibt: Politik als Zirkus mit hohem Unterhaltungswert! Cavaliere und "Langstrecken-Duce" sind nur zwei Beispiele unter vielen. Ob sich ein Land damit regieren lässt, ist natürlich eine andere Frage.
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