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Bericht "Global Trends 2025": Geheimdienste prophezeien Niedergang der USA

Der Dollar verliert seine Rolle als Leitwährung, der Staat an politischer und wirtschaftlicher Macht - die US-Geheimdienste sehen für die Weltmacht USA eine so düstere Zukunft wie nie zuvor. Fazit ihrer neuen Studie: Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Weltordnung wird 2025 nicht mehr existieren.

Hamburg - Der wirtschaftliche und politische Einfluss der USA wird in den kommenden zwei Jahrzehnten sinken. Es wird mehr Unruhen auf der Welt geben, Nahrungsmittel und Wasser werden knapper, Waffen immer zahlreicher. Das prophezeit die Studie "Global Trends 2025", veröffentlicht vom "National Intelligence Council", dem Zentrum der US-Geheimdienste für mittel- und langfristige strategische Prognosen.

Manhattans Skyline: Studie prophezeit sinkenden US-Einfluss in der Welt
AP

Manhattans Skyline: Studie prophezeit sinkenden US-Einfluss in der Welt

Die aktuelle Finanzkrise an der Wall Street sei zudem der Beginn einer globalen wirtschaftlichen Umgewichtung, so die Verfasser der Studie. Der US-Dollar werde seine Rolle als stärkste Währung der Welt verlieren, bis zu einem Punkt, wo er "der Erste unter Gleichen" sei.

Niemals zuvor hat der nur alle fünf Jahre veröffentlichte Bericht, der auf der weltweiten Befragung von Experten und Vorhersagen von Geheimdienst-Analysten beruht, eine solch pessimistische Perspektive für die Stellung der USA gegeben.

Der politische Einfluss der USA wird sinken, sagt die Studie voraus: "Obwohl die Vereinigten Staaten wahrscheinlich der mächtigste einzelne Akteur bleiben, wird ihre relative Stärke - sogar auf militärischem Gebiet - sinken und ihr Einfluss schwächer werden."

"Das internationale System, wie es nach dem zweiten Weltkrieg entstand, wird 2025 fast nicht mehr wiederzuerkennen sein", so die Studie. Schuld daran sei "das Wachstum der Schwellenländer, eine globalisierte Wirtschaft, der Transfer von Reichtum von West nach Ost und der wachsende Einfluss von nichtstaatlichen Akteuren."

Die kommenden 20 Jahre des Übergangs seien voller Risiken, sagen die Analysten. China und Indien werden mit den USA an der Spitze einer multipolaren Welt stehen und um Einfluss kämpfen. Der Iran, die Türkei und Indonesien würden ebenfalls an Stärke gewinnen.

Konflikte wegen knapper werdender Ressourcen

Russlands Potential dagegen sei nicht eindeutig einzuschätzen. Durch die globale Erwärmung würde der Zugang zu Ölfeldern im Norden zwar erleichtert, was die Wirtschaft weiter stärken werde. Aber zögernde Investitionen in den Energiesektor, anhaltende Kriminalität und politische Korruption könnten dem potentiellen Entstehen einer Weltmacht entgegenstehen.

Die Verschiebung von einem auf Öl basierenden Energiesystem hin zu erneuerbaren Technologien wie Solar- und Windenergie, wird 2025 im Gange oder bereits vollendet sein. Diese Energieformen stellen die schnellste und günstigste Form des Übergangs dar, so die Studie. Die globale Erwärmung wird um diese Zeit bereits fühlbar sein. Konflikte wegen knapper werdender Ressourcen seien die Folge: Wasser, Lebensmittel und Energie nennt die Studie hier als Streitpunkte.

Strategische Rivalitäten, so die "Global Trends 2025", werde es höchstwahrscheinlich auf den Gebieten des Handels, des Investments und der technologischen Neuerungen geben. "Aber", so die Studie weiter "wir können auch ein Szenario des Wettrüstens, der territorialen Expansion und militärischer Rivalitäten wie im 19. Jahrhundert nicht ausschließen."

fsc/Reuters/AFP

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