Bericht über Umsturzpläne USA sollen Fatah mit Waffen ausgerüstet haben

Schwere Vorwürfe gegen US-Präsident Bush und Außenministerin Rice: Recherchen von "Vanity Fair" zufolge sollen sie heimlich die Entmachtung der palästinensischen Hamas betrieben und die Fatah mit Waffen ausgestattet haben. Ein Sprecher des US-Regierung nannte den Bericht absurd.


Washington - Klares Dementi hier, beharrliches Schweigen dort: Ein Bericht des US-Magazins "Vanity Fair" hat hektische Betriebsamkeit in Washington ausgelöst. Hintergrund: Angebliche Geheimpläne der US-Regierung sind laut "Vanity Fair" für den blutigen Bürgerkrieg Mitte 2007 zwischen den beiden Palästinensergruppen Hamas und Fatah verantwortlich. Die US-Regierung habe 2006 aus den Reihen der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eine palästinensische Truppe aufbauen und bewaffnen wollen, die die Hamas entmachten sollte, berichtete das Magazin in seiner Aprilausgabe. Protagonisten seien US-Präsident George W. Bush und Außenministerin Condoleezza Rice gewesen. Das Blatt beruft sich auf Geheimdokumente, deren Inhalt von US- und Palästinenserkreisen bestätigt worden sei.

Eine Reaktion aus dem Weißen Haus auf die Vorwürfe gibt es bislang nicht. Rice, die sich derzeit zu Gesprächen mit Israelis und Palästinensern in der Region aufhält, wollte den Artikel ebenfalls nicht kommentieren.

Eine Stellungnahme aber gibt es: aus dem Außenministerium. Sprecher Tom Casey nannte die Vorwürfe "absurd und lächerlich". Es habe keine Geheimpläne der Regierung gegeben, sondern deren Bestreben sei es, die palästinensische Selbstverwaltung zu stärken. Ansprechpartner sei dabei der gewählte Vertreter, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. "'Vanity Fair" sollte dabei bleiben, Kunstfotografien von Prominenten zu zeigen, denn zumindest in diesem Fall fehlt ihnen etwas Entscheidendes bei dem Versuch, seriösen Journalismus zu betreiben", sagte Casey.

"Vanity Fair" hingegen ist sich seiner Quellen sicher, der Plan sei ausgearbeitet gewesen und in Teilen bereits umgesetzt. "Aber der Plan schlug fehl", schreibt das US-Magazin. Statt die Hamas zu stürzen, hätten die US-gestützten Fatah-Kämpfer die völlige Machtübernahme durch die radikale Organisation ausgelöst. An der Spitze der Fatah-Truppe stand nach Angaben der "Vanity Fair" Mohammed Dahlan, der langjährige Sicherheitsberater von Abbas. Die Hamas hatte Mitte Juni 2007 nach blutigen Kämpfen mit der Fatah im Gaza-Streifen die Macht übernommen.

Der geheime Einsatz habe auch im Weißen Haus zu Kontroversen geführt, berichtete das Magazin unter Berufung auf einen früheren Berater von Vizepräsident Dick Cheney, David Wurmser. Die Bush-Regierung habe sich an einem "schmutzigen Krieg" beteiligt, "mit dem Ziel, einer korrupten Diktatur (geführt von Abbas) zum Sieg zu verhelfen", sagte Wurmser. Die Hamas habe ursprünglich gar nicht die Absicht gehabt, die Kontrolle im Gaza-Streifen im Juni 2007 zu übernehmen. "Was passiert ist, sah für mich nicht nach einem Putsch der Hamas aus, sondern nach einem versuchten Staatsstreich der Fatah, dem zuvorgekommen wurde", sagte Wurmser.

ffr/AFP

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