Bericht über US-Verhörmethoden: CIA-Agenten bedrohten Terrorverdächtigen mit Bohrmaschine

Todesdrohungen, simulierte Erschießungen, Waterboarding: Während der Amtszeit von Ex-Präsident George W. Bush bedienten sich Verhörspezialisten des US-Geheimdienstes CIA brutaler Methoden. Ein Regierungsbericht schildert nun grausige Details der Folterpraktiken.

Lobby des CIA-Hauptquartiers in Langley, Virginia: Verhörspezialisten des Geheimdienstes sollen Terrorverdächtige mit Foltermethoden verhört haben Zur Großansicht
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Lobby des CIA-Hauptquartiers in Langley, Virginia: Verhörspezialisten des Geheimdienstes sollen Terrorverdächtige mit Foltermethoden verhört haben

Hamburg - Ging es um mutmaßliche Terroristen, waren die Verhörspezialisten des US-Geheimdienstes CIA in der Vergangenheit nicht zimperlich. Das geht aus einem bislang geheim gehaltenen Untersuchungsbericht des CIA-Generalinspekteurs hervor, der kommende Woche veröffentlicht werden soll. Wie die "Newsweek" mit Berufung auf nicht genannte Quellen schreibt, denen der Bericht bereits vorliegen soll, gehörten simulierte Erschießungen, Todesdrohungen und das sogenannte Waterboarding, bei dem die Gefangenen das Gefühl haben zu ertrinken, zu den regelmäßig genutzten Verhörmethoden.

Wie Mitarbeiter des US-Kongresses der Nachrichtenagentur AP bestätigten, wurde beispielsweise der mutmaßliche arabische Terrorist Abd al-Rahim al-Naschiri dem Waterboarding ausgesetzt. Außerdem soll dem Verdächtigen mit vorgehaltener Pistole die Erschießung angedroht worden sein. Überdies soll Naschiri eine Bohrmaschine vor den Körper gehalten und immer wieder an- und ausgeschaltet worden sein.

In einem anderen Fall wurde während eines Verhörs im Nebenraum ein Schuss abgefeuert, um den Verdächtigen glauben zu lassen, dass ein anderer mutmaßlicher Terrorist exekutiert wurde.

Bürgerrechtler klagten gegen die Geheimhaltung

Al-Naschiri soll in den Bombenanschlag auf das Kriegsschiff "USS Cole" verwickelt gewesen sein, bei dem 2000 im Jemen 17 amerikanische Matrosen getötet wurden. Er wurde im November 2002 festgenommen und dann mehrere Jahre lang in einem Geheimgefängnis der CIA festgehalten. Gemeinsam mit zwei weiteren mutmaßlichen Qaida-Anführern soll er den umstrittenen Verhörmethoden unterzogen worden sein.

Dass der bereits 2004 verfasst Bericht jetzt veröffentlicht wird, ist einer Klage der Amerikanischen Bürgerrechtsvereinigung (ACLU) zu verdanken. Ein Richter hatte daraufhin angeordnet, dass eine redaktionell überarbeitete Fassung eines Geheimberichts über die Verhörvorgänge am 24. August veröffentlicht werden muss.

Verhör oder Folter?

CIA-Sprecher Paul Gimigliano wollte zum Inhalt des Berichts nicht Stellung nehmen. Er sagte jedoch, die CIA habe kein Verhalten unterstützt, das über die erlaubten Verhörmethoden hinausging, auch nicht in Einzelfällen. Unter der Regierung von Ex-Präsident George W. Bush war Waterboarding eine von zehn erlaubten "harten Verhörmethoden". Einem Gefangenen mit dem Tod zu drohen verstieß jedoch zu jedem Zeitpunkt gegen US-Recht.

Die CIA hat insgesamt mindestens 94 mutmaßliche Terroristen festgehalten und verhört. 28 von ihnen wurden den sogenannten harten Verhörmethoden ausgesetzt, drei von ihnen - darunter Al-Naschiri - mussten das simulierte Ertränken über sich ergehen lassen. Justizminister Eric Holder prüft derzeit noch die Einsetzung eines Sonderstaatsanwalts, um die Verhörmethoden der früheren US-Regierung vor Gericht aufarbeiten zu lassen. Unter US-Präsident Barack Obama wurden die zehn umstrittenen Verhörmethoden verboten. Die Regierung betrachtet sie als Folter.

mak/AP/AFP

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Forum - Bushs Erbe - wie soll Obama damit umgehen?
insgesamt 1397 Beiträge
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1.
geomik 13.07.2009
Zitat von sysopVerborgene CIA-Programme, Folterpraktiken, Guantanamo - US-Präsident Obama hat schwer mit dem politischen Erbe seines Vorgängers Bush zu kämpfen. Wie soll er damit umgehen?
Wie es sich für einen ordentlichen demokratischen Rechtsstaat gehört, gehören alle Betroffenen vor ein ordentliches Gericht, egal ob Präsident oder Vize! Nur wird das nie geschehen.
2. Offenheit, oder was macht man mit seinem Vorgänger?
Hubert Rudnick 13.07.2009
Zitat von sysopVerborgene CIA-Programme, Folterpraktiken, Guantanamo - US-Präsident Obama hat schwer mit dem politischen Erbe seines Vorgängers Bush zu kämpfen. Wie soll er damit umgehen?
--------------------------------------------------------- Wenn der Präsident Obama ein offerener und aufrichtiger Mann sein will, dann müßte er auch die Politik seines Vorgängers und all die widerlichen Dinge mal anpacken die die USA in einem so schlechtem Licht in der Welt gerückt haben. Aber kann er das wirklich, oder ist er nicht auch an vielen Beschlüssen gebunden, die immer die Politiker schützt? Da aber der Präsident auch die gegeneriche Partei für die Durchsetzung seiner Ziele benötigt, so glaube ich nicht, dass er alles aufdecken und die entsprechenden Leute zur Verantwortung ziehen könne. Und vielleicht denkt er ja auch dabei an all die Dinge die er vielleicht mal durchsetzen möchte und die auch nicht immer so ganz moralisch sauber sein könnten. Für die Bürger dser USA und der geamten Welt wäre es schon mal richtig, wenn sich auch Präsidenten und ihre Handlanger für ihre verfehlte Politik und Schandtaten zu verantworten hätten. Hubert Rudnick
3. Aufklärung täte Not, um Legendenbildung und Verschwörungstheorien entgegen zu wirken
dionysia 13.07.2009
Zitat von sysopVerborgene CIA-Programme, Folterpraktiken, Guantanamo - US-Präsident Obama hat schwer mit dem politischen Erbe seines Vorgängers Bush zu kämpfen. Wie soll er damit umgehen?
Es wäre vielleicht wirklich mal ganz vernünftig, eine unabhängige Kommission des Kongresses, Licht in all diese vermeintlichen Dinge bringen zu lassen. Die jüngsten Vorwürfe einschlägiger US-Zeitungen bzgl. eines geheimen Geheimauftrags des CIA scheinen ja eher einem Verschwörungstheorie-Hollywood-Schinken eines Oliver Stone entnommen als irgendwie fundiert. Ich denke aber nicht, dass Obama wirklich an Aufklärung interessiert ist, weil das sein selbstentworfenes Bild von sich als Retter von der pitter pösen Bush-Administration zerstören könnte, wenn sich alle diese Vorwürfe am Ende als völlig haltlos heraus stellen.
4. Menschenrechtsverachtung in höchstem Maße!
Der Forkenhändler 13.07.2009
Cheney und Busch gehören vor ein Militärtribunal.
5. ein Zeichen setzen
RogerT 13.07.2009
Er könnte ein Zeichen setzen und bei beweisbaren Vorwürfen, wo Bush gegen geltendes (Menschen)Recht verstoßen hat, den ehemaligen Präsidenten offiziell anklagen - falls so etwas überhaupt möglich ist.
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