Bericht: Uno prangert Folter in afghanischen Gefängnissen an

Häftlinge werden geschlagen, mit Elektroschocks gequält, manchen werden Fußnägel ausgerissen: In einem ausführlichen Bericht wirft die Uno der Polizei und den Geheimdiensten in Afghanistan systematische Folter von Gefangenen vor. Unter den Opfern sollen auch Kinder sein.

Gefängnis in der Provinz Helmand: Laut Uno ist Folter weit verbreitet Zur Großansicht
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Gefängnis in der Provinz Helmand: Laut Uno ist Folter weit verbreitet

Genf - Es ist ein schwerer Vorwurf, den die Vereinten Nationen gegen die afghanischen Sicherheitsbehörden erheben: "systematische Folter" von Gefangenen. Laut einem Bericht der Uno-Mission in Afghanistan (Unama) gibt es "erdrückende Beweise", dass Geheimdienst und Sicherheitskräfte in mindestens sieben Haftzentren des Landes foltern. Dabei habe es im April mindestens einen Todesfall gegeben. Der Bericht beruht auf Häftlingsbefragungen.

Häftlinge seien an den Handgelenken aufgehängt sowie mit Stöcken, Kabeln und Gummischläuchen geschlagen worden, beklagt die Unama. Weitere Foltermethoden sind demnach Elektroschocks, das erzwungene Stehen in anstrengenden Positionen, das Ausreißen von Fußnägeln und die Bedrohung mit sexuellem Missbrauch. Unter den Opfern sollen auch Kinder sein. Für den Bericht befragte die Unama 379 Häftlinge in 47 Anstalten.

Die Unama lobte allerdings die afghanischen Behörden für ihre Zusammenarbeit mit der Uno-Organisation und den freien Zugang zu den Häftlingen bei der Untersuchung der Vorwürfe. Im Anhang des Berichts hat die Unama dem afghanischen Geheimdienst Platz für eine Stellungnahme eingeräumt. Es ist ein Dementi: Foltermethoden würden in den Haftanstalten des Landes "nicht angewendet", heißt es da lapidar.

Die Uno-Mission rief die afghanischen Behörden dazu auf, die Folterungen zu beenden und weiteren Folterakten vorzubeugen. Außerdem sollten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Das afghanische Innenministerium erklärte, es werde den Bericht zur Kenntnis nehmen und in den kommenden Tagen reagieren. Die Behörde räumte bereits ein, dass es "vereinzelt" zu Misshandlungen gekommen sei, und versprach an der "Lösung des Problems" zu arbeiten.

Ähnliche Vorwürfe waren schon im Juli bekannt geworden. Seit Anfang September überstellt die Nato-Truppe Isaf vorerst keine Gefangenen mehr an bestimmte afghanische Haftanstalten. Dabei handelte es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, hieß es.

ler/AFP/Reuters

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Wer waren noch gleich …
wika 10.10.2011
… die Lehrmeister und Ausbilder dieser Truppenteile? Ich denke die Jungs haben wohl gut gelernt, oder wollte jetzt jemand behaupten Folter sei Veranlagung und genetisch bedingt?
2. das darf man aber nicht sagen
maximixa 10.10.2011
als kürzlich in einer talk show eine menschenrechtlerin darauf hinwies, dass dem armen afghanischen mädchen nase und ohr abgeschnitten wurde, obwohl der krieg schon 10 jahre anhält, krähte spiegels matussek unflätig von oben herab, sie sei eine demagogin. aber warum sollten die afghanischen machthaber nicht foltern lassen, wo doch dreckskerle wie bush jr. und rumsfeld offen zu ihren bestialischen verhörmethoden stehen und dies auch auf spon ungestraft kundtun dürfen? wieso ist das schicksal des amerikanischen soldaten, der den mord an unbewaffneten menschen im irak durch die hubschrauberbesatzung publik machte, anscheinend völlig bedeutungslos - soll er doch in isolationshaft vermodern?
3. Taliban
Pepito_Sbazzagutti 11.10.2011
Zitat von wika… die Lehrmeister und Ausbilder dieser Truppenteile? Ich denke die Jungs haben wohl gut gelernt, oder wollte jetzt jemand behaupten Folter sei Veranlagung und genetisch bedingt?
Ja, ich, denn das Ausreißen von (lackierten) Fußnägeln bei Mädchen und Frauen war bereits während der Taliban-Herrschaft eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Jetzt warte ich nur wieder auf die Frage, ob ich bei diesen Aktionen zugegen war. Nein, ich war es nicht. Wobei ich aber denke, dass dieser Beitrag die Zensur sowieso nicht passieren wird.
4. Nichts desto trotz
phimmlich 11.10.2011
Auch wenn sie der Groß und Kleinschreibung nicht Mächtig sind. Mit dem Rest haben sie wohl leider Recht.
5. Ganz sicher nicht
Pepito_Sbazzagutti 11.10.2011
Zitat von wika… die Lehrmeister und Ausbilder dieser Truppenteile? Ich denke die Jungs haben wohl gut gelernt, oder wollte jetzt jemand behaupten Folter sei Veranlagung und genetisch bedingt?
Nein, denn die Wachmannschaften in afghanischen Gefängnissen setzen sich - wie ein jeder weiß - aus humanistisch gesinnten, ehemaligen Chorsängern zusammen. Und da ist auch ganz sicher kein einziger Talib dabei.
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