Nach KZ-Entgleisung Berlusconi erklärt sich zum Freund der Deutschen

"Für die Deutschen haben die Konzentrationslager nie existiert", hatte Silvio Berlusconi erklärt. Jetzt schwenkt Italiens Ex-Premier um: Er sei ein Freund der Deutschen. Schuld an der ganzen Aufregung hätten mal wieder die Linken.

Ex-Premier Berlusconi: "Es ist absurd, mir antideutsche Gefühle zuzuschreiben"
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Ex-Premier Berlusconi: "Es ist absurd, mir antideutsche Gefühle zuzuschreiben"


Rom - Silvio Berlusconi will es nicht so gemeint haben. Am Wochenende hatte er die Deutschen noch indirekt als Holocaust-Leugner bezeichnet, nun erklärt sich der italienische Ex-Premier zum Freund des deutschen Volkes.

"Es ist absurd, mir antideutsche Gefühle oder eine mutmaßliche Feindseligkeit gegenüber dem deutschen Volk zuzuschreiben, dessen Freund ich bin", heißt es in einer Erklärung, die Berlusconi am Montag auf seiner Webseite veröffentlichte.

Der 77-Jährige hatte sich am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung für seine Partei Forza Italia über seine Beleidigung des SPD-Politikers Martin Schulz 2003 im Europaparlament geäußert. Damals hatte er den Deutschen als ideale Besetzung für die Filmrolle eines KZ-Aufsehers bezeichnet.

Berlin reagiert gelassen auf Berlusconis Tirade

"Ich wollte ihn nicht beleidigen, aber, um Gottes Willen, für die Deutschen haben die Konzentrationslager nie existiert", sagte Berlusconi am Samstag. Seine Forza Italia gehört wie auch die deutsche CDU der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) an.

In seiner Erklärung vom Montag ging der verurteilte Ex-Premier erneut seine politischen Gegner an: Es sei "schmerzhaft und bedauerlich", dass seine Aussagen von der europäischen Linken aufgebauscht und aus dem Kontext gerissen worden seien, klagte Berlusconi. Er betonte zudem, dass er ein "historischer Freund des jüdischen Volks und des Staates Israel sei".

Die Bundesregierung hatte zuvor gelassen auf Berlusconis Tirade reagiert. Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert sagte in Berlin: "Die Behauptungen, die da aufgestellt werden, sind so absurd, dass die Bundesregierung sie nicht kommentiert".

Im Europawahlkampf klebt Berlusconis Forza Italia zurzeit übrigens Plakate mit dem Slogan "Più Italia, meno Germania" - "Mehr Italien, weniger Deutschland".

syd/AFP/dpa



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