Berlusconi Entschuldigung aus dem Abseits

Von der Überlegenheit der westlichen Zivilisation über den Islam sprach Silvio Berlusconi und entsetzte damit nicht nur islamische, sondern auch europäische Nationen. Jetzt will der italienische Premier das so nicht gemeint haben.


Hat sich mit seinen Äußerungen ins Abseits manövriert: Silvio Berlusconi
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Hat sich mit seinen Äußerungen ins Abseits manövriert: Silvio Berlusconi

Rom - Seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen und falsch verstanden worden, sagte Berlusconi vor dem Parlament in Rom. "Es tut mit leid, dass diese schlecht interpretierten Worte meine arabischen und muslimischen Freunde verletzt haben", sagte er weiter. Seine Worte waren vor allem in der muslemischen Welt auf Kritik gestoßen. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, hatte Berlusconi zuvor aufgefordert, seine Äußerungen entweder zurückzunehmen oder sich zu entschuldigen.

Berlusconi hatte am Mittwoch vor Journalisten in Berlin gesagt, der Westen sollte sich im Kampf gegen den internationalen Terrorismus der Überlegenheit seiner Zivilisation über die islamische Welt bewusst sein. Die westliche Überlegenheit bestehe in einem Wertesystem, das zu einem breiten Wohlstand geführt habe und das den Respekt der Menschenrechte und der Religion garantiere. Diesen Respekt gebe es in muslemischen Ländern nicht. Die Europäische Union distanzierte sich von den Äußerungen Berlusconis.

Auch die Bundesregierung ging auf Distanz. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye sagte am Freitag in Berlin, bei den Reaktionen auf die mutmaßlich von Islamisten verübten Anschläge in den USA gehe es der Bundesregierung um den Kampf gegen den Terrorismus und nicht gegen andere Kulturen. Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck, Vertreter muslimischer Gruppen und die Bischofskonferenz forderten einen verstärkten interkulturelle Dialog.

Entrüstet über die Äußerungen Berlusconis hat der Präsident der Pariser Nationalversammlung ein Treffen mit dem römischen Senatspräsidenten Marcello Pera abgesagt. "Als europäischer Bürger italienischer Abstammung und Republikaner, der die Grundsätze der Demokratie respektiert", will Raymond Forni damit Missbilligung deutlich machen. Die Äußerungen Berlusconis seien inakzeptabel. Das Treffen mit dem römischen Senatspräsidenten war für den 9. Oktober in Paris geplant.

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