Ruby-Prozess Berufungsgericht spricht Berlusconi frei

Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi ist in der Ruby-Affäre freigesprochen worden. Ein Berufungsgericht kassierte eine Haftstrafe aus erster Instanz.

Ex-Premier Berlusconi (Archivbild): Freispruch in zweiter Instanz
REUTERS

Ex-Premier Berlusconi (Archivbild): Freispruch in zweiter Instanz


Mailand - Die Richter erklärten den früheren Regierungschef Italiens in zweiter Instanz überraschend für unschuldig. Berlusconi wurden Sex mit minderjährigen Prostituierten bei angeblich wilden "Bunga-Bunga-Partys" sowie Amtsmissbrauch vorgeworfen.

Seine Anwälte hatten den Freispruch für den 77-Jährigen gefordert. Die Anklage wollte eine Bestätigung der Verurteilung aus erster Instanz. Dort war Berlusconi zu sieben Jahren Haft und einem lebenslangen Verbot öffentlicher Ämter verurteilt worden. Nach dem Urteil ist noch eine Berufung möglich.

Im Mittelpunkt des Verfahrens stand die heute 21 Jahre alte und damals minderjährige Marokkanerin Karima el-Marough, genannt Ruby Rubacuori. Mit ihr soll Berlusconi Sex gegen Geld gehabt haben, der Politiker bezeichnete sich jedoch mehrmals als unschuldig.

Die Anklage hatte Berlusconi auch Amtsmissbrauch vorgeworfen. Mit Anrufen bei der Polizei soll er im Mai 2010 - damals noch als Ministerpräsident - nach einer Festnahme Rubys wegen Diebstahls deren Freilassung erwirkt haben.

Im August vergangenen Jahres war Berlusconi im Mediaset-Prozess wegen Steuerbetrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Das daraus erfolgte Verbot öffentlicher Ämter für zwei Jahre und seine auf ein Jahr reduzierte Haftstrafe bleiben von dem neuen Urteil unberührt.

Der Mitte-Rechts-Politiker bleibt damit weiter aus dem Senat ausgeschlossen und darf nicht für neue öffentliche Ämter kandidieren. Auch den Sozialdienst, zu dem Berlusconi auch am Freitag erschien, muss er weiter ableisten.

Legt die Staatsanwaltschaft Berufung ein, muss sich das höchste italienische Gericht, der Kassationsgerichtshof in Rom, mit dem Fall befassen. Dies könnte innerhalb eines Jahres geschehen. Wird Berlusconi vom Kassationsgericht verurteilt, könnten auch die Vergünstigungen aus dem Mediaset-Prozess aufgehoben werden und ein Hausarrest von zehn Jahren auf Berlusconi zukommen.

fab/dpa/AFP

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
imZweifel-richtig 18.07.2014
1. Die einen werden sagen
"Sieg der Gerechtigkeit". Die anderen, zu denen ich mich auch zähle, "Italien halt".
rakatak 18.07.2014
2.
Zitat von sysopREUTERSItaliens Ex-Premier Silvio Berlusconi ist in der Ruby-Affäre freigesprochen worden. Ein Berufungsgericht kassierte eine Haftstrafe aus erster Instanz. http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconi-im-ruby-prozess-freigesprochen-a-981767.html
Ich habe das erste Urteil nie verstanden. Wenn alle beide aussagen, sie hätten nichts miteinander gehabt, wenn es keine Zeugen, keine Videos, keine Fotos, nichts Schriftliches und keine Tonaufnahmen gibt, dann muss man das so hinnehmen. Eine Verurteilung wegen "Kindesmissbrauch" ist dann Willkür, womöglich aus Frust, weil man dem Berlusconi sonst nix anhängen oder nachweisen kann.
neuronenuser 18.07.2014
3. Das tut gut.
Zu wissen, das es zumindest ein Plätzchen in der EU gibt, wo alles noch genau so funktioniert wie früher.
Bürger92 18.07.2014
4. Man stelle sich vor...
es käme ein US-Präsident oder ein englischer Premier daher, der mit den charakterlichen Eigenschaften von Herrn Berlusconi ausgestattet wäre und außerdem über einen Geheimdienst verfügt, der die ganze Welt überwachen will bzw. dieses bereits tut. George Orwell bitte übernehmen Sie.
leser75 18.07.2014
5. Da müssen
Zitat von sysopREUTERSItaliens Ex-Premier Silvio Berlusconi ist in der Ruby-Affäre freigesprochen worden. Ein Berufungsgericht kassierte eine Haftstrafe aus erster Instanz. http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconi-im-ruby-prozess-freigesprochen-a-981767.html
jetzt manchen hauptamtliche Kommentatoren ihre voreiligen Verurteilungen revidieren ;). Gerade in unserer schnelllebigen Medienwelt: online-Dienste(z.B. Spon uva.), Zeitungen(z.B. Bild) und insbesondere ÖR Fernsehen wird sehr schnell und unüberlegt öffentlich vorverurteilt. Beste Beispiele sind Berlusconi und im Inland Ex-Präsident Wulff. Kein gutes Zeugnis für die genannten Presseorgane. Aber ob sie davon lernen-ich hab meine Zweifel!
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