Holocaust-Gedenktag: Berlusconi schwärmt von Mussolini

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Berlusconi auf Gedenkveranstaltung: "Nicht dieselbe Verantwortung wie Deutschland"

Mussolinis Rassengesetze nennt er einen "schlimmen Fehler", doch sonst hat Silvio Berlusconi viel Lob für den Diktator übrig. Der Faschistenführer habe "in vielen Bereichen gute Dinge" getan, sagt Italiens Ex-Premier - ausgerechnet bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocaust.

Rom - Der italienische Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat sich lobend über den faschistischen Diktator Benito Mussolini geäußert. Mussolinis Rassengesetze seien zwar "der schlimmste Fehler" während seiner Regierungszeit von 1922 bis 1943 gewesen, sagte Berlusconi am Sonntag am Rande einer Veranstaltung zum internationalen Holocaust-Gedenktag in Mailand. Allerdings habe der sogenannte Duce "in vielen anderen Bereichen gute Dinge" getan.

Am Sonntag wurde weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden.

Ab 1938 hatte Mussolinis faschistische Regierung eine Reihe von Rassengesetzen erlassen, die Juden in Italien diskriminierten und zu ihrer Verfolgung führten. Berlusconi sagte, Italien habe "nicht dieselbe Verantwortung wie Deutschland" für die Judenverfolgung. Schon vor zehn Jahren hatte Berlusconi in einem Interview gesagt, Mussolini habe niemanden umgebracht. Auch hat sich der Politiker schon einmal mit dem Diktator verglichen.

"Schlicht widerlich"

Berlusconi erntete am Sonntag für seine Äußerungen sogleich Kritik. "Es ist schlicht widerlich, dass Berlusconi sich gerade an dem Gedenktag daran macht, das Handeln des Diktators zu rehabilitieren, der Italien in den Zweiten Weltkrieg geführt hat", sagte die Europa-Abgeordnete der italienischen Demokratischen Partei, Debora Serracchiani. Berlusconi trage damit "eine sehr schwere moralische und politische Verantwortung".

Italiens Regierungschef Mario Monti sagte auf derselben Veranstaltung in Mailand, die Gefahr der Ausgrenzung und des Antisemitismus sei in Italien noch durchaus präsent. "Wir müssen sehr aufmerksam sein, dass diese Feuer, die hin und wieder ausbrechen, nicht mehr zu Tragödien führen, welche die Menschheit nicht mehr erleben darf."

Berlusconi führt bei den italienischen Parlamentswahlen Ende Februar die Mitte-Rechts-Koalition an. Sollte sein Bündnis siegen, will er möglicherweise Wirtschaftsminister werden. Auf das Amt des Ministerpräsidenten erhebt er angeblich nach seinen jüngsten Aussagen keinen Anspruch.

yes/dpa/AFP

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insgesamt 67 Beiträge
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1. Gefährlicher Spinner
fritzlothar 27.01.2013
Wenn man bisher über diesen dauergeilen Spinner noch halbwegs lachen konnte - jetzt nicht mehr! Unglaublich was sich dieser Mensch leistet, nur um irgendwie an die Macht zurück zu kommen. Wirtschaftsminister!? Den überhaupt in irgendeinem Amt höher als Straßenbahschaffner zu haben, kann sich keine Nation leisten, schon gar nicht wenn er sie eh schon ruiniert hat.
2. Er hat immerhin...
dingodog 27.01.2013
Zitat von sysopMussolinis Rassengesetze nennt er einen "schlimmen Fehler", doch sonst hat Silvio Berlusconi viel Lob für den Diktator übrig. Der Faschistenführer habe "in vielen Bereichen gute Dinge" getan, sagt Italiens Ex-Premier - ausgerechnet bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocaust. Berlusconi lobt Mussolini - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconi-lobt-mussolini-a-879920.html)
Er hat immerhin die Autobahnen gebaut, oder? AAAARGH. Wenn die Italiener den Berlusconi wieder wählen sollten, ist ihnen nicht mehr zu helfen. Heiliger St. Viagrius, hilf, das uns das erspart bleibt!
3. Das ist ein Faschist,
sonntagsbrötchen 27.01.2013
aber wir diskutieren lieber über den Jakob Augstein oder Judith Buttler. Klar wäre ja auch sonst Anti-Italianismus wenn man was gegen Benito Berlusconi sagen würde.
4. Brandstifter
Vermalia 27.01.2013
Zitat von sysopMussolinis Rassengesetze nennt er einen "schlimmen Fehler", doch sonst hat Silvio Berlusconi viel Lob für den Diktator übrig. Der Faschistenführer habe "in vielen Bereichen gute Dinge" getan, sagt Italiens Ex-Premier - ausgerechnet bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Holocaust. Berlusconi lobt Mussolini - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconi-lobt-mussolini-a-879920.html)
So etwas ist zu erwarten. Silvio Berlusconi war ja noch nie etwas zu peinlich oder zu dämlich. Also - was würde einer solchen Figur näher liege, als sich in einer wirtschaftlich desolaten Situation in Italien als neuen Mussolini zu stilisieren? Ungläubig macht mich aber nicht dieses Verhalten, Berlusconi hat ja noch nie ein besonderen Hehl daraus gemacht, dass er ein zutiefst umoralischer Mensch ist, der für die eigenen Interessen alles und jeden opfern würde. Aber absolut ungläubig sehe ich auf das italienische Volk, das diesem "Führer" jahrelang gefolgt ist und ihm jetzt womöglich ein Comeback ermöglichen. Dafür fehlen mir (die höflichen und respektvollen) Worte.
5. ....
janne2109 27.01.2013
woran liegts?? Am Alter ( mit dem Gedanken; kann mir nun endlich alles erlauben), am Alkohol, an den Drogen. Der Mann scheint doch irgendwie gaga geworden zu sein.
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