Bei Berlusconi zu Hause Feinde, Diebe und eine dominante Verlobte

Er droht mit dem Sturz der Regierung, doch in Wirklichkeit sind die Aussichten für Italiens Ex-Premier Berlusconi düster: Gefängnis oder "Sozialdienst", Politikverbot, neuer Ärger mit der Justiz - und zu Hause sorgt seine junge Verlobte für dicke Luft.

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Nun sitzt er in seiner Villa und hadert mit der Welt. Mal jammernd - "alle wollen mich fertig machen" - mal drohend, "ich werde die Regierung stürzen". Furchtsam und misstrauisch sei er geworden, heißt es in seiner Umgebung. Wichtige Gefolgsleute aus seiner Partei wollen ihn loswerden, drängen ihm zum freiwilligen Abgang. Die Schar der Blind-Gehorsamen um ihn herum wird kleiner. Seine Partei zerbröselt.

Daheim ist es auch nicht kuscheliger. "Wir wissen nicht mehr, was Schlaf ist", erzählte Francesca Pascale kürzlich der Illustrierten "Oggi". Angst hätten sie beide, der große Silvio Berlusconi, seit 20 Jahren der große Zampano Italiens, 77 Jahre alt, und sie, 28 Jahre alt und seit Ende letzten Jahres die "Verlobte" des Milliardärs. Denn es komme "jetzt alles auf einmal, alles auf einmal".

Von den medialen Attacken auf Berlusconi, klagt Pascale, bleibe auch sie nicht verschont. Offenbar, weil sie zu Hause die Dinge in die Hand nimmt: "Unerträglich" seien die Zustände gewesen, als sie zu Berlusconi zog. Viele, etwa vom Personal, hätten den früheren Premier ausgenutzt. Sie hätte Einkaufsbelege gefunden, in denen das Kilo Bohnen mit 80 Euro ausgewiesen wurde. Und kistenweise sei Fisch abgerechnet worden. Dabei wisse jeder, dass "il Presidente" Fisch nicht riechen kann. Pascales Fazit: "Hier fehlte eine Frau im Haus."

Die junge Dame führt sich dominant auf

Diese Rolle wollte sie seit früher Jugend übernehmen. Mit 17 Jahren trat sie als Showgirl im Bikini in einem Lokalsender Neapels auf, trällerte schlüpfrige Liedchen und dachte an ihr Idol. Nach dessen Wahlniederlage 2006 gründete sie die Initiative " Silvio, wir vermissen dich", und als sie dann noch ein Flugzeug mit einem "Silvio, du fehlst mir"-Transparent im Schlepptau über Berlusconis Sardinien-Villa kreisen ließ, wollte der sie sofort kennenlernen.

Der Rest ist bekannt. Die 49 Jahre Altersunterschied störten beide nicht, versicherte der glückliche Verlobte Ende 2012. Sie trug statt Hot Pants ab sofort Kostüme, nahm Benimm- und Sprachkurse in Hochitalienisch, ließ sich Lippen, Wangen und andere Körperteile chirurgisch verschönern. Sie gebe ihm "Halt, Liebe und einen Hauch Jugend zurück", ließ Berlusconi anlässlich der Verlobung verlauten. Aber inzwischen führt die junge Dame sich offenbar sehr dominant auf, wird am Hofe Berlusconis getuschelt. Berlusconi fühle sich gegängelt und genervt.

Seine Verlobte kujoniere den armen Silvio, meldete sich die Ex-Freundin der Verlobten, die Schauspielerin Michelle Bonev, beim Klatschblatt "Oggi". Und das ergänzte seine liebliche Homestory um einen wüsten Nachtrag der Bonev: Sie hätte mit der Pascale ein Verhältnis gehabt, das "weit mehr als Freundschaft" gewesen sei. Die könne, mithin, Berlusconi gar nicht lieben. "Alles nur Mache". Nun tobt ein medialer und juristischer Zickenkrieg rund um das Intimleben von Berlusconis Verlobter - und dabei hätte der doch gerade jetzt ein beschauliches Zuhause dringend nötig. Denn draußen sieht es finster für ihn aus.

Altersgnadenhalber Sozialdienst

Denn dem Ex-Regierungschef droht der Zwangsausschluss aus dem Senat, weil er wegen Steuerbetrugs rechtskräftig zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. So wie es das Gesetz vorsieht, dem am 31.12. 2012 auch die Berlusconi-Fraktion einhellig zustimmte. "Eine Falle", witterte Berlusconi schon damals. Seine Leute hatten ihn beruhigt, es werde nie zu einer rechtskräftigen Verurteilung in letzter Instanz kommen. Und jetzt?

Seine Juristen ziehen alle Register, seine Abgeordneten versuchen jeden Trick, das Unheil in letzter Minute abzuwenden. Die Manöver blockieren die fatale Letzt-Entscheidung im Senat vermutlich noch ein Weilchen, mehr wohl nicht. Nach dem demütigenden Verlust seiner Senatorenwürde geht es weiter, es droht ein Jahr "Sozialdienst", altersgnadenhalber, statt der eigentlich verordneten Gefängniszelle. Dazu kommt ein gerichtliches Politikverbot und weiteres juristisches Ungemach:

  • Ein Prozess steht noch aus: Berlusconi soll einen Senator mit drei Millionen Euro vom damaligen Regierungschef Romano Prodi weggekauft haben, sagt die Staatsanwaltschaft. Und der Betroffene bestätigt die Bestechung sogar.
  • Und dann liegt ja noch die juristische Altlast vor ihm, mit grauenhafter Perspektive: Sieben Jahre Haft für bezahlten Sex mit einer Minderjährigen und Amtsmissbrauchs aus dem "Ruby"-Urteil, in erster Instanz.
  • Ein weiteres Jahr Haft, auch erstinstanzlich, weil er illegal ein abgehörtes Telefonat eines politischen Konkurrenten veröffentlichen ließ.
  • Und in Bari läuft ein Verfahren mit dem Vorwurf der Bestechung zur Falschaussage.
  • In Mailand geht es um den Vorwurf, hohe Geldsummen und teure Geschenke an seine "Bunga-Bunga"-Gespielinnen verteilt zu haben, um - wie die Staatsanwaltschaft glaubt - deren Aussagen vor Gericht zu steuern.

Sie hat wohl recht, die junge Verlobte des greisen Moguls: "Alles kommt auf einmal" - und alle sind "so gemein" zu ihrem Heroen. Nur vom Hündchen Dudù, das Silvio neuerdings bei Homestorys auf dem Schoß hat, hört man nichts Böses.

insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
hjcatlaw 29.10.2013
1. Es scheint
eine recht kühle Briese um die geliftete Nase dieses alten Herrn zu wehen. Wer sich in seinem politischen, beruflichen und privaten Umfeld so viele Feine gemacht hat wie Herr Berlusconi, darf sich nicht wundern, wenn es am Ende ungemütlich wird. Man könnte fast Mitleid haben!
juttakristina 29.10.2013
2. carolian,
bei allem Verständnis dafür, dass diese Art von Zeitschriften, die Sie meinen, kein hohes Ansehen genießen, verbitte ich mir doch ein billiges 20.-Jahrhundert-Klischee als Synonym für diese Presse wie "Frau in Blond". Die Haarfarbe sagt nichts über Intelligenz, Charakter, Stil und Anspruch einer Person aus. Was soll das, mit diesem erfundenen Titel blonde Frauen zu diffamieren?
hubertrudnick1 29.10.2013
3. Kein bedauern
Zitat von sysopREUTERSEr droht mit dem Sturz der Regierung, doch in Wirklichkeit sind die Aussichten für Italiens Ex-Premier Berlusconi düster: Gefängnis oder "Sozialdienst", Politikverbot, neuer Ärger mit der Justiz - und zu Hause sorgt seine junge Verlobte für dicke Luft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconi-sozialdienst-statt-haft-neuer-prozess-droht-a-930014.html
Ich kann diesen bösen Mann nicht bedauern.
holminger 29.10.2013
4.
Zumindest wir haben den Artikel angeklickt und im Laufe des Tages werden es weitere Leser sein. Bei SPON wird es also klingeln. Das scheint die Hauptsache zu sein.
Pfaffenwinkel 29.10.2013
5. Berlusconi
erntet nur, was er gesät hat. Leid tut er wohl niemandem.
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