Strafe für Steuerbetrug Berlusconi tritt Sozialdienst im Altenheim an

Erster Tag des Strafdienstes für Silvio Berlusconi: Italiens Expremier hat seine Sozialstunden in einem Altenheim begonnen - auf einer Station für Menschen mit Demenz und Alzheimer. Er soll mit Situationen zu tun bekommen, "die ihn bereichern".

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Mailand - Er kam pünktlich: Um 9.49 Uhr traf Silvio Berlusconi am Freitag vor dem katholischen Institut Sacra Famiglia in Cesano Boscone nahe Mailand ein. Damit begann für den wegen Steuerbetrugs verurteilten Exministerpräsidenten sein erster Tag des Sozialdienstes.

Der frühere italienische Premier verschwand rasch in dem Gebäude, ohne ein Wort an die rund hundert Journalisten zu richten, die in einiger Entfernung auf ihn gewartet hatten. Berlusconi soll in dem Zentrum alte Menschen pflegen, die an Demenz oder Alzheimer leiden.

Trotz strikter Sicherheitsvorkehrungen gelang es einem als Clown verkleideten Gewerkschafter, den dreifachen Regierungschef abzufangen. Er schrie: "Alle italienischen Arbeiter haben einen Traum: Berlusconi in San Vittori" - einem Gefängnis in Mailand.

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Italien: Berlusconi im Strafdienst
Der Leiter des Altenheims, Paolo Pigni, hatte Ende April angekündigt, der einstige Premier werde den Menschen beim Morgenprogramm helfen, bei dem es um motorische Übungen, Lesen, Schreiben und Spiele gehe. Pigni hatte betont, Berlusconi werde weder an "lustigen oder entspannenden Tätigkeiten" teilnehmen, noch im Büro arbeiten. Der 77-Jährige werde vielmehr mit Situationen zu tun haben, "die ihn bereichern können".

Die Möglichkeit zur Teilnahme am Wahlkampf werde er in der Altenpflegeeinrichtung nicht haben. Berlusconi betreibt derzeit Europawahlkampf für seine Partei Forza Italia.

Er muss nun für mindestens zehneinhalb Monate einmal pro Woche vier Stunden lang in dem Seniorenheim arbeiten, um strikteren Auflagen eines Hausarrests zu entgehen. Der konservative Politiker und Unternehmer war im vergangenen August wegen Steuerbetrugs bei seinem Medienkonzern Mediaset zu einer Haftstrafe verurteilt worden, doch bleibt ihm die Haft wegen seines Alters erspart.

Berlusconi hatte den Sozialdienst als "lächerlich, nicht nur für mich, sondern für das Land" bezeichnet.

heb/AFP/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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hardyhardy 09.05.2014
1. Gut, dass man dort schnell vergisst...
was der gute Silvio so alles erzählt, wenn er seine Märchenstunde im Altersheim abhält.
snoop69 09.05.2014
2. Lächerlich
Ist zutreffend, vor allem für die italienische Justiz, die diesen Kriminellen wieder einmal quasi ungeschoren davonkommen lässt...
Tatarak 09.05.2014
3. Sollten eigentlich alle Politiker regelmässig tun.
Damit sie erfahren, wie "das Volk" lebt. Anfangen sollten sie mit regelmässiger Nutzung der öffentlichen Nahverkehrsmittel. Sie würden überrascht sein, wie z.B. das deutsche Volk heute aussieht und wie es spricht. Kaum Deutsch, aber laut wie früher die SS in Polen. Fahrräder zu nutzen, wäre für Volksvertreter m.E. unzumutbar. 1. weil sie auf den Bürgersteigen nur von anderen Radfahrern angepöbelt würden (in Deutsch) und 2. weil die Räder ständig geklaut werden von dieser fantastischen Bevölkerung. Der Bürgerrechtler Hans-Christian Ströbele ist ja mit seinem Kampf gegen das Menschenrecht auf Diebstahl bei seinem eigene Fahrrad schmählich gescheitert. :-)
laurent1307 09.05.2014
4. Lustig
Der alte Mann soll sich um alte Menschen kümmern!
spon_leser82 09.05.2014
5. Wenn man Berlisconi so auf den Bildern sieht...
.. könnte man denken, dass er, aufgrund seines Alters, selbst is Altesheim gekommen ist.
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