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Verdacht auf Mafia-Verbindungen: Libanesische Polizei fasst Berlusconi-Vertrauten

Ex-Senator Dell'Utri: Festnahme in Beiruter Luxushotel Zur Großansicht
DPA

Ex-Senator Dell'Utri: Festnahme in Beiruter Luxushotel

Marcello Dell'Utri soll Silvio Berlusconis Verbindungsmann zur Mafia gewesen sein. Mit seiner Flucht in den Libanon wollte der Ex-Senator einer drohenden Haftstrafe entgehen. Jetzt haben ihn Polizisten in einem Luxushotel in Beirut festgenommen.

Beirut/Rom - Das Hotel Phoenicia ist eine Beiruter Institution. Die Luxusherberge an der Uferpromenade der libanesischen Hauptstadt zählt zu den edelsten Gästehäusern des Nahen Ostens, seit Jahren steigen hier illustre Persönlichkeiten aus aller Welt ab.

Marcello Dell'Utri konnte die Annehmlichkeiten des Hotels zumindest ein paar Tage lang genießen. Doch am Samstagvormittag nahmen libanesische Sicherheitskräfte den italienischen Ex-Senator fest.

Denn am Freitagabend hatte ein Gericht im sizilianischen Palermo einen europäischen Haftbefehl gegen Dell'Utri ausgestellt. Gegen den langjährigen Weggefährten Berlusconis läuft ein Berufungsprozess wegen Verdachts auf Mafia-Verbindungen. Am Dienstag soll das Urteil der höchsten Berufungsinstanz fallen. In einer vorherigen Instanz wurde Dell'Utri bereits zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Italien verlangt Dell'Utris Auslieferung

In der Begründung des Urteils vom März 2013 hieß es, der Angeklagte habe "als Vermittler eines Paktes zwischen Silvio Berlusconi und der Mafia" fungiert. Demnach genoss der spätere Regierungschef zwischen 1974 und 1992 gegen Bezahlung großer Bargeldsummen den Schutz der Cosa Nostra. Dell'Utri war am Aufbau von Berlusconis Medienimperium sowie dessen Partei Forza Italia in den frühen neunziger Jahren maßgeblich beteiligt. Beide kennen sich seit den sechziger Jahren. Für die rechtsbürgerliche Partei saß er auch im Senat.

Vor seiner Festnahme hatte sich Dell'Utri noch in einer schriftlichen Mitteilung an die Öffentlichkeit gewandt. Er wolle sich nicht verstecken, sondern sei "für eine Zeit der medizinischen Behandlung und Erholung im Ausland", teilte Dell'Utri mit. Seinen Aufenthaltsort hielt er da noch geheim.

Italiens Innenminister Angelino Alfano teilte am Samstag mit, derzeit befinde sich der Gesuchte noch in Polizeigewahrsam in Beirut. Italien werde seine Auslieferung beantragen, wie es "natürlich und logisch" ist, sagte Alfano. Das könnte jedoch schwierig werden. Laut italienischen Medienberichten haben Rom und Beirut kein Auslieferungsabkommen geschlossen. Zudem soll Dell'Utri einen libanesischen Diplomatenpass besitzen.

syd/AFP/Reuters

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Wen wundert das?
hevopi 12.04.2014
Damit hat doch jeder normale Bürger gerechnet, Berlusconi hat doch nicht seine Milliarden und seine Macht nur seiner Ausstrahlung oder seinem beschränktem Intellekt zu verdanken. Jetzt wird immer mehr der wirkliche "Machthaber" enttarnt und wir werden noch eine Menge interessanter Informationen in den nächsten Jahren bekommen (aber auch von anderen "Milliardären").
2. Warum werden die Libanesen aktiv
aueronline.eu 12.04.2014
wenn ein "europäischer Haftbefehl" vorliegt?
3. Don Berlusconi
Pandora0611 12.04.2014
Zitat von sysopDPAMit seiner Flucht in den Libanon wollte Marcello Dell'Utri einer drohenden Haftstrafe entgehen. Nun hat die Polizei in Beirut den Ex-Senator festgenommen, Italien verlangt seine Auslieferung. Der Mann soll Berlusconis Verbindungsmann zur Mafia gewesen sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconi-vertrauter-dell-utri-in-luxushotel-in-beirut-festgenommen-a-964092.html
Du wissen, Marcello, wenn Du reden, Du wachen Morgen auf mit Betonschuhen. Si, Don Berlusconi! Ich mich verstecken in Libanon Bene, Marcello.
4.
felinamolly 12.04.2014
mit welcher Begründung wurde er denn verhaftet ? wenn beide Staaten kein Auslieferungsabkommen haben wirds wohl schwer
5.
evolution2.0 12.04.2014
Hier sind doch schlaue Leute.Kann mir jemand sagen warum so viele Mafia Geschichten platziert werden?
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Mafia-Jäger: Staatsanwalt in Todesgefahr

Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 60,796 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Sergio Mattarella

Regierungschef: Matteo Renzi

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Der Pakt zwischen Staat und Mafia
In Italien wird der mutmaßliche Pakt zwischen Staat und Cosa Nostra nur "die Verhandlung" genannt. In den neunziger Jahren soll die Mafia Forderungen an die Regierung gestellt haben, etwa die Abschaffung erschwerter Haftbedingungen. Im Gegenzug sollten keine weiteren tödlichen Attentate verübt werden, wie auf die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992.

Der Ex-Bürgermeister von Palermo, Vito Ciancimino, soll Kontakt zum Boss Salvatore Riina aufgenommen haben. Sein Sohn Massimo gilt heute als Schlüsselzeuge.

Am 27. Mai begann in Palermo das Verfahren gegen zwölf Angeklagte, darunter die Bosse Salvatore Riina und Antonino Cina sowie die Mafiosi Leoluca Bagarella und Giovanni Brusca. Außerdem drei hochrangige Carabinieri sowie der Vertraute von Ex-Premier Silvio Berlusconi, Marcello Dell' Utri. Ebenfalls auf der Anklagebank sitzen die Ex-Minister Nicola Mancino und Calogero Mannino. 178 Zeugen sollen gehört werden, darunter Italiens Staatschef Giorgio Napolitano und Senatspräsident Pietro Grasso.
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Staat und Mafia: "Getötet, weil er dem Pakt im Weg stand"


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