Euro-Krise: Berlusconi wirft Deutschen Spardiktatur vor

Silvio Berlusconi meldet sich erneut in der Euro-Krise zu Wort: In einem Interview bezeichnet Italiens Ex-Premier Deutschland als "Hegemonialstaat", der Europa Sparregeln diktiere. Seinem Nachfolger Monti wirft er vor, zu loyal zu Berlin zu sein.

Ex-Premier Berlusconi (im Juni in Brüssel): "Deutschland ist ein Hegemonialstaat" Zur Großansicht
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Ex-Premier Berlusconi (im Juni in Brüssel): "Deutschland ist ein Hegemonialstaat"

Rom - Italiens früherer Regierungschef Silvio Berlusconi hat Deutschland vorgeworfen, die EU-Partner in der Eurokrise einem Spardiktat zu unterwerfen. Deutschland sei "ein Hegemonialstaat, der den anderen europäischen Ländern die Regel des Sparens und der Strenge diktiert", sagte Berlusconi in einem Interview mit der italienischen Ausgabe des Internetportals "Huffington Post".

"Im Vergleich zu (Ministerpräsident Mario) Monti wäre ich weniger loyal zu Deutschland", sagte Berlusconi. Berlin schreibe anderen Staaten vor, dass das Defizit mit Sparen verringert werden könne. Die ausschließliche Sparpolitik führe aber in die Rezession, sagte Berlusconi. Das Defizit könne nur über Wirtschaftswachstum reduziert werden. "Der Professor Monti hat lieber die Steuern erhöht, als Produktion und Konsum wieder in Gang zu bringen", sagte der Skandalpolitiker, der wegen der Schuldenkrise seines Landes im November 2011 zurückgetreten war.

Zur Zukunft Italiens im Euro-Gebiet sagte Berlusconi, es gebe drei Möglichkeiten. "Die erste: Deutschland überzeugen, dass wir nicht nur mit Sparen weitermachen können. Die zweite: dass Deutschland aus dem Euro austritt", und als dritte Möglichkeit der Austritt aller anderen Länder und das Ende der Einheitswährung und das Auseinanderbrechen Europas. Er bevorzuge die erste Lösung, sagte Berlusconi.

Diese Optionen hat Berlusconi bereits mehrfach in den vergangenen Monaten genannt, während er seit Juli immer wieder offen über ein Comeback spekuliert. Spätestens im Frühjahr 2013 wählen die Italiener ein neues Parlament, Berlusconi hält sich offen, als Spitzenkandidat seiner Partei "Volk der Freiheit" anzutreten. Seine Partei ist wieder einmal mit einem Korruptionsskandal beschäftigt.

Berlusconi warf seinem Nachfolger Monti vor, bei der Arbeitsmarktreform unter dem Druck der Linken eingeknickt zu sein. "Wir hätten uns mehr Mut gewünscht", sagte der "Cavaliere" - der allerdings als Ministerpräsident selbst wegen der Verschleppung wichtiger Reformen kritisiert worden war.

fab/AFP/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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1. stimmt
PeaceNow 25.09.2012
man reiche mir bitte die pfauenfeder: http://www.spiegel.de/politik/ausland/abgeordnete-der-berlusconi-partei-bedienten-sich-aus-fraktionskasse-a-857641.html
2. ...
gestandeneFrau 25.09.2012
Zitat von PeaceNowman reiche mir bitte die pfauenfeder: http://www.spiegel.de/politik/ausland/abgeordnete-der-berlusconi-partei-bedienten-sich-aus-fraktionskasse-a-857641.html
Bitte weiterreichen: Rheingold-Studie über deutsche Zweifel und Ängste - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/rheingold-studie-ueber-deutsche-zweifel-und-aengste-a-857806.html) Wer will noch?
3.
rieberger 25.09.2012
Zitat von sysopAPSilvio Berlusconi meldet sich erneut in der Euro-Krise zu Wort: In einem Interview bezeichnet Italiens Ex-Premier Deutschland als "Hegemonialstaat", der Europa Sparregeln diktiere. Seinem Nachfolger Monti wirft er vor, zu loyal zu Berlin zu sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconi-wirft-deutschland-spardiktatur-bei-euro-krise-vor-a-857836.html
Dieser eitle korrupte Oberganove hat in einem Recht: Die zweite Möglichkeit ist die Lösung des Problems: Deutschland muß raus aus dem €. Das Sparen aufheben ist ihm natürlich lieber, die Bunga-Bunga Partys müssen ja schließlich fremdfinanziert werden. Im übrigen kann ich gar nicht soviel essen, wie ich ko.... möchte, wenn dieser Schurke den Mund aufreißt.
4. Dolce Vita
mhock 25.09.2012
Eins muss man den Südeuropäern lassen: Feiern können sie. Warum ist der Deutsche nur immer so neidisch??
5. endlich mal ein vernünftiger Beitrag von Berlusconi
malarasataponoto 25.09.2012
sehr schön. Jetzt musses Frau Merkel noch kapieren, dass die Deuschen raus müssen aus dem Euro. Mal sehn was er dann sagt der gute Herr. Allein der Gedanke an seine Reaktion lässt sich freudig in mir stimmen...
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Steckbrief Italien
REUTERS
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission