Unruhe in Brüssel: Berlusconis mögliches Comeback belastet EU-Gipfel

Wagt er ein Comeback oder nicht? Auch wenn Berlusconi kein Regierungsamt mehr inne hat, beim EU-Gipfel ist er in aller Munde. Die mögliche Rückkehr von Italiens Ex-Premier sorgt für Unruhe in Brüssel - und Ministerpräsident Monti lässt seine europäischen Partner im Ungewissen.

Berlusconi in Brüssel: "Er wird nicht zurückkommen" Zur Großansicht
AP

Berlusconi in Brüssel: "Er wird nicht zurückkommen"

Brüssel - Reden wollte Silvio Berlusconi in Brüssel nicht so recht mit Medienvertretern. Wortlos und mit einem schmalen Lächeln zog der exzentrische Multimilliardär an den zahlreichen Medienvertretern vorbei. Italiens Ex-Regierungschef traf am Rande des EU-Gipfels mit konservativen Spitzenpolitikern des Kontinents zusammen. Unter ihnen war auch Kanzlerin Angela Merkel, allerdings war sie weit von ihm entfernt platziert.

Noch hat sich Berlusconi nicht festgelegt, ob er ein politisches Comeback wagt. Zuletzt hatte er davon gesprochen, doch vielleicht verzichten zu wollen.Die Aussicht auf ein mögliches neues italienisches Chaos unter Berlusconi macht vielen in Europa Angst.

"Problematische Persönlichkeit"

"Er wird nicht zurückkommen", zeigte sich EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sicher. "Denn die Menschen in Italien haben ja nicht vergessen, dass er in den letzten zehn Jahren das Land regiert hat." Die politischen Vorstellungen Berlusconis seien "schon grenzwertig": "Ich habe vor vielen Jahren darauf hingewiesen, dass ich diesen Mann für eine sehr problematische Persönlichkeit in der europäischen Politik halte."

Im Juli 2003 war es zwischen Schulz und Berlusconi zu einem Eklat im Europaparlament gekommen. Der Italiener hatte über den SPD-Europapolitiker Schulz gesagt, dieser könne einen KZ-Aufseher in einem Film spielen.

Ungewöhnlich deutlich wurde auch José Manuel Barroso, konservativer Chef der EU-Kommission, am Donnerstag in Brüssel. Er habe Berlusconi am Telefon darauf hingewiesen, dass Italien Stabilität und weitere Reformen brauche. "Das ist sehr wichtig für Italien, aber auch für die Euro-Zone und für die EU." Ungarns Regierungschef Viktor Orbán schlug dagegen andere Töne an: "Ich bin ein Freund von Silvio Berlusconi, ich kann ihn nicht kritisieren."

Monti lässt europäische Partner im Ungewissen

Bei der Zusammenkunft der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) war pikanterweise auch Mario Monti geladen, der scheidende Premier Italiens. Ihm hatte Berlusconi erst kürzlich die Unterstützung versagt.

In der belgischen Académie royale unweit des Königspalastes bekräftigte der 76-jährige Berlusconi sein Angebot an den nun parteilosen Monti, auf eine Kandidatur für ein Mitte-rechts-Bündnis zu verzichten, wenn der Premier noch einmal antreten würde. Das hörten die anwesenden Parteifreunde gern.

Ob der Wirtschaftsprofessor wirklich eine Koalition der Berlusconi-Treuen führen kann und will, ist aber unklar. In der Runde in Brüssel sei das Angebot auf große Zustimmung gestoßen, berichteten Teilnehmer. "Doch Monti hat das Dilemma nicht aufgelöst."

Monti bekam von den EU-Größen für die Stabilisierung Italiens viel Beifall. "Ich kann nur sagen, dass es große Unterstützung für Monti gegeben hat", sagte der luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker nach dem Parteientreffen. Frankreichs sozialistischer Staatspräsident François Hollande meinte: "Monti ist derjenige, der Italien wieder erlaubt hat, sich aufzurichten und eine Schlüsselrolle zu übernehmen."

heb/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kein geringer Feind entstünde dem Spielgeld Euro im Staubsaugervertreter
edmond_d._berggraf-christ 13.12.2012
Bedenkt man wie wandelbar die Volksgunst in Ausonien zu sein pflegt, so ist es durchaus denkbar, daß der Staubsaugervertreter ein drittes Mal die Macht zu erringen vermag, denn er ist ein Fernsehmagnat und vermag daher in hohem Maße auf die öffentliche Meinung in seinem Sinne einzuwirken, an Geld für einen ausladenden Wahlkampf fehlt es auch nicht und das wirtschaftliche Siechtum Italiens dürfte das dortige Volk sehr empfänglich für Wunderversprechungen aller Art machen; auch muß der Staubsaugervertreter die Macht gar nicht auf den ersten Anlauf zurückgewinnen, sondern es genügt ihm vorerst, wenn die bisherigen Maßnahmen keine Mehrheit mehr finden oder keine neue Regierung gebildet werden kann, man denke hier an die Schwierigkeiten, welche das benachbarte Griechenland hierbei jüngst hatte. Die Absichten des Staubsaugervertreters bleiben hierbei im Dunkeln, einzig um das Wohl des Landes dürfte es ihm wohl kaum zu tun sein, wohl eher um Schutz vor den Nachstellungen der lieben Justiz.
2.
mg56 13.12.2012
Zitat von sysopAPWagt er ein Comeback oder nicht? Auch wenn Silvio Berlusconi kein Regierungsamt mehr inne hat, beim EU-Gipfel ist er in aller Munde. Die Rückkehr von Italiens Ex-Premier sorgt für Unruhe in Brüssel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconis-moegliches-comeback-belastet-eu-gipfel-a-872843.html
Diese Kasper beim EU-Gipfel fürchten Berlusconi, was ist das für ein armer Haufen. Da muss ja einiges "angebrannt" sein...!!! Aber ich fürchte Herrn B. nicht, wenn er diesem EU- und Euro-Schwachsinn ein ende machen kann, HERZLICH WILLKOMMEN!!!!
3. Untauglicher Versuch
Europa! 13.12.2012
Zitat von sysopAPWagt er ein Comeback oder nicht? Auch wenn Silvio Berlusconi kein Regierungsamt mehr inne hat, beim EU-Gipfel ist er in aller Munde. Die Rückkehr von Italiens Ex-Premier sorgt für Unruhe in Brüssel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconis-moegliches-comeback-belastet-eu-gipfel-a-872843.html
Berlusconi versucht vergeblich den Eindruck zu erwecken, dass er auf einer Stufe mit Monti steht. Sein verlogenes "Bitte nach Ihnen" klingt großzügig, aber Berlusconi weiß genau, dass die Italiener ihn nicht mehr wollen.
4.
DerKritische 13.12.2012
Zitat von sysopAPWagt er ein Comeback oder nicht? Auch wenn Silvio Berlusconi kein Regierungsamt mehr inne hat, beim EU-Gipfel ist er in aller Munde. Die Rückkehr von Italiens Ex-Premier sorgt für Unruhe in Brüssel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/berlusconis-moegliches-comeback-belastet-eu-gipfel-a-872843.html
Toll, der Cavaliere kommt zurück. Diesen leblosen EU-Troll Monti wollten eh nur die EU-Beamten und Merkel.
5.
DerKritische 13.12.2012
Zitat von Europa!Berlusconi versucht vergeblich den Eindruck zu erwecken, dass er auf einer Stufe mit Monti steht. Sein verlogenes "Bitte nach Ihnen" klingt großzügig, aber Berlusconi weiß genau, dass die Italiener ihn nicht mehr wollen.
Das Gegenteil ist der Fall. Wer will schon einen entsandten Gouverneur wie in der ehemaligen Sowjetunion haben?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Silvio Berlusconi
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 15 Kommentare

Steckbrief Italien
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission

Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 60,783 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Giorgio Napolitano

Regierungschef: Matteo Renzi

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Italien-Reiseseite