US-Vorwahlen Bernie Sanders gewinnt wichtige Unterstützung aus der Schwarzenbewegung

"I can't breathe" waren die letzten Worte von Eric Garner, sie wurden zum Schlachtruf schwarzen Protests in den USA. Seine Tochter unterstützt jetzt Bernie Sanders in den Vorwahlen mit einem eindrucksvollen Video.

Protestdemonstration nach dem Tod von Eric Garner (2014): "I can't breathe!"
REUTERS

Protestdemonstration nach dem Tod von Eric Garner (2014): "I can't breathe!"


Auch wenn er gerade bei jungen Wählern derzeit erstaunliche Erfolge feiert und Hillary Clinton in den US-Vorwahlen der Demokraten in ernste Schwierigkeiten bringt - Bernie Sanders hat ein Problem. Die schwarzen Wähler der USA gelten als sichere Bank für Clinton, nicht zuletzt deshalb, weil sie viele schwarze Senatoren und Kongressabgeordnete auf ihrer Seite hat. Sanders dagegen fällt es augenscheinlich schwer, namhafte schwarze Unterstützer zu gewinnen - bis jetzt.

In einem etwa vierminütigen Videoclip, der am Freitag veröffentlicht wurde, tritt eine junge Frau auf, die über ihr Leben als Mutter und Aktivistin spricht. Sie erzählt vom Leben mit ihrer sechsjährigen Tochter und davon, dass das Kind ihren Großvater vermisst.

Dieser Großvater war Eric Garner, der Mann, der bei einem außer Kontrolle geratenen Polizeieinsatz in New York im Jahr 2014 erstickte, als ein Beamter ihn, einen unbewaffneten und nicht gewalttätigen Schwarzen, von hinten würgte. Der Videomitschnitt des tödlichen Zwischenfalls ging um die Welt, Garners letzte Worte "I can't breathe", "Ich kann nicht atmen" wurden zu einer Art Kampfruf der wiedererstarkenden schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Ein kurzer Ausschnitt aus dem Video der letzten Minuten in Garners Leben taucht auch in dem Kampagnenclip auf. "Niemand erlebt die letzten Momente seiner Eltern, ich konnte meinen Vater im landesweiten Fernsehen sterben sehen", sagt Erica Garner dazu.

Sie trägt in dem Clip einen Kapuzenpulli mit der Aufschrift "I can't breathe". Sie sagt, ihre Tochter lerne jetzt in der Schule etwas über schwarze Bürgerrechtsikonen wie Rosa Parks und Martin Luther King. Sie aber müsse dem Kind erklären, dass "das noch nicht vorbei ist".

Deshalb unterstütze sie "Bernie" sagt Garner später, gegen Ende des Clips sind kurze Redeausschnitte von Sanders-Wahlkampfauftritten, in denen er mit der zum Markenzeichen gewordenen heiser-überanstrengten Stimme fordert, junge Schwarze müssten "die Straße langgehen können, ohne von Polizisten belästigt, geschlagen oder getötet zu werden".

"Black Lives Matter", die Bewegung, die nach dem Tod von Eric Garner und mehreren anderen Fällen, in denen schwarze Männer zum Opfer von Polizisten wurden, entstanden ist, ist jetzt eine ernstzunehmende politische Kraft in den USA. Neben Erica Garner haben sich weitere bekannte Protagonisten der Bewegung hinter Sanders gestellt, wie das "New York Magazine" berichtet. Wenn es ihm gelingt, den neuen Widerstandsgeist, den die zahlreichen Fälle oft tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze hervorgebracht hat, für seine Zwecke zu gewinnen, könnte Bernie Sanders Hillary Clinton noch viel größere Schwierigkeiten bereiten als bisher.

Die demokratischen Vorwahlen in South Carolina, die für den 27. Februar angesetzt sind, werden zeigen, wie erfolgreich Sanders' Kampagne in dieser Hinsicht ist. Fast 28 Prozent der Bevölkerung von South Carolina sind schwarz. In New Hampshire, wo Sanders Clinton vernichtend schlagen konnte, sind es nur 1,5 Prozent.

cis

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insgesamt 37 Beiträge
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fatherted98 14.02.2016
1. Sollte...
...Sanders der demokratische Kandidat werden, hat Trump gewonnen und wird er naechste Praesident der USA...viel Spass Frau Merkel.
friedrich_eckard 14.02.2016
2.
Allmählich wird es aber wirklich spannend... dieses Video dürfte mehr wert sein als Anzeigen und TV-Spots für einige Millionen US-$.
RalfHenrichs 14.02.2016
3. Zuerst kommt Nevada
Am 20. Februar entscheiden die Demokraten aber erst in Nevada. Bei der vorletzten Umfrage vom Dezember stand es 50:27 (+23) für Clinton. Bei der letzten Umfrage vom Februar 45:45 ausgeglichen. In Nevada sind immerhin schon 8% Afroamerikaner. In South Carolina ist die letzte Umfrage vom Februar 65:27 (+38) für Clinton. Es ist also unwahrscheinlich, dass Sanders South Carolina gewinnt, aber gewinnt er Nevada dürfte es enger werden und das Rennen ist noch lang.
2bing 14.02.2016
4. Go Bernie!
der erste wirkliche gute President seit JFK für die farbigen US-Amerikaner
danielc. 14.02.2016
5.
Viele Probleme der USA könnten durch einen fairen Sozialstaat gemindert werden. Auch wenn Sanders wohl kaum Präsident wird, seine Anschauungen beeinflussen die Politik. In einer Großstadtkultur, in der die Mehrheit der Menschen in Ballungszentren lebt, bringt ein stärkerer, sozial ausgerichteter Staat mehr Vorteile als die liberale Ideologie, die für das flache Land das Richtige zu sein scheint. Unangepasste Menschen, die an erster Stelle selbstbestimmt leben möchten, dafür auch auf Hilfe von außen verzichten, sind außerhalb der Ballungsräume ohnehin besser aufgehoben. Auch Nitzsche lässt seinen Zarathustra die Städte meiden. Anarchie funktioniert nicht. Auch dort, wo kein Staat sich einmischt, bildet sich eine Hierarchie. ... nicht immer zum Wohl des Schwächeren!
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