E-Mail-Affäre der US-Demokraten Parteiführung entschuldigt sich bei Sanders

In den USA hat der Konvent der Demokraten begonnen. Zum Auftakt entschuldigte sich die Parteiführung bei Bernie Sanders und seinen Anhängern - für die "unentschuldbaren Bemerkungen in E-Mails".

Sanders in Philadelphia
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Sanders in Philadelphia


Der Parteitag der US-Demokraten in Philadelphia hat mit einer Entschuldigung begonnen: "Im Namen aller im Nationalen Komitee der Demokraten möchten wir eine tiefgreifende und aufrichtige Entschuldigung anbieten, an Senator Sanders, seine Anhänger und die gesamte demokratische Partei, für die unentschuldbaren Bemerkungen in E-Mails", heißt es in einem Statement der Parteiführung.

Hintergrund sind fast 20.000 interne E-Mails, die von der Plattform WikiLeaks am vergangenen Freitag online veröffentlicht wurden: Sie unterfüttern die lange Zeit geäußerte Kritik von Bernie Sanders, die Parteiführung der Demokraten habe im Vorwahlkampf einseitig Stellung für seine Konkurrentin Hillary Clinton bezogen. In dem Statement heißt es nun: Die Mails verstießen gegen die "unverbrüchliche Neutralitätsverpflichtung" der Parteiführung während des Nominierungsprozesses.

Im Zuge der E-Mail-Affäre hatte bereits Parteichefin Debbie Wasserman Schultz ihren Rücktritt angekündigt. Dennoch wollte sie ursprünglich den Parteitag eröffnen. Ihrer Heimatzeitung, der "Sun Sentinel" in Florida, sagte sie später allerdings, sie habe sich dagegen entschieden. Aus Delegiertenkreisen in Philadelphia hieß es, hochrangige Parteivertreter hätten sie davon abgebracht. Das FBI leitete Ermittlungen wegen des Datenlecks bei der Parteiführung ein.

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Demokraten vor Wahlparteitag: Clintons Krönungsmesse

Am ersten Tag des Treffens in Philadelphia werden Sanders und First Lady Michelle Obama als Hauptredner erwartet. Sanders hatte schon kurz vor Beginn des Konvents zur Ruhe und zur Unterstützung Hillary Clintons aufgerufen. Doch seine Anhänger sind nach wie vor wütend: Der Aufruf von Versammlungsleiterin Marcia Fudge, Clinton zur nächsten Präsidentin der Vereinigen Staaten zu wählen, ging beinahe in wütenden "Bernie, Bernie"-Sprechchören unter. Buhrufe ertönten etwa aus den Blöcken der Delegierten von Utah und Indiana, als der Name Clintons fiel.

Sanders war im Vorwahlkampf mit seinem Eintreten für mehr soziale Gerechtigkeit zum Hoffnungsträger und Sprachrohr des linken Parteiflügels avanciert. Er musste sich Clinton erst nach mehreren Monaten im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur geschlagen geben. Anschließend sagte er ihr seine Unterstützung zu.

In Philadelphia wird es nun darum gehen, die Partei zu einen, um gemeinsam gegen den republikanischen Kandidaten Donald Trump anzutreten. Er liegt laut einer aktuellen CNN-Umfrage jetzt mit drei Prozentpunkten vor Clinton.

aar/dpa/AFP/AP



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