Sanders-Clinton-Pakt Na also

Bloß nicht Trump! Nach langem Zögern unterstützt Bernie Sanders Hillary Clinton. Der kuriose Annäherungsprozess erinnerte an Gespräche zwischen Nord- und Südkorea. Hält das Bündnis?

REUTERS

Von , Washington


Der Satz, den viele in der Partei so gerne hören wollten, kommt gleich am Anfang. "Hillary Clinton hat das Rennen um die Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten gewonnen", ruft Bernie Sanders. "Ich werde sie unterstützten. Sie muss unsere nächste Präsidentin werden. Hillary Clinton ist weit und breit die beste Kandidatin." Die Menschen im Saal der Portsmouth High School jubeln, als habe Clinton soeben bereits die Präsidentschaftswahl gewonnen.

So weit ist es noch lange nicht, aber immerhin: Vorbei sind die Feindseligkeiten, vorbei die Sticheleien - Sanders und Clinton sind nach New Hampshire gekommen, um ihre Versöhnung zu inszenieren. Die Präsidentschaftswahl rückt näher, und weil sie in diesem Jahr besonders unkalkulierbar erscheint, hat sich Sanders dazu entschlossen, der Ex-Außenministerin sehr öffentlich seine Hilfe anzubieten. Es ist ein Signal an seine Mitstreiter: Lasst uns die innerparteilichen Grabenkämpfe des Vorwahlkampfs beenden und Clinton wählen. Nur so können wir Donald Trump verhindern.

Dass ein Bündnis, noch dazu vor dem Parteitag im Juli, Sinn machen könnte - für diese Einsicht hat Sanders lange gebraucht. Obwohl er seit Wochen ohne Chance auf die Präsidentschaftskandidatur ist, kämpfte er weiter. Der Präsident stellte sich auf Clintons Seite? Sanders wartete. Elizabeth Warren, die linke Senatorin, bot Clinton ihre Hilfe an? Sanders gab sich unbeirrt. Seine Umarmung kommt derart spät, dass manche in der Partei sich fragen, was sein "endorsement" überhaupt noch wert ist.

Es ist immer noch einiges wert, so viel ist klar. Clinton braucht die Millenniums-Generation, die Sanders mit seiner Vision von einem gerechteren Amerika begeisterte. Viele der Sanders-Fans aber halten die designierte Präsidentschaftskandidatin für den Inbegriff des von der Basis entfremdeten Establishments, stören sich an ihren Verbindungen zur Wall Street. Und weil die Kampagne von Sanders über die Monate einem Kult immer ähnlicher wurde, weiß der Senator, dass er mit gutem Beispiel vorangehen muss, wenn er will, dass seine Anhänger Clinton auch wirklich wählen.

Der Annäherungsprozess war schwierig

Sein Umfeld erklärt die späte Hilfe damit, dass er sich unglaubwürdig gemacht hätte, wenn er Clinton von einem Tag auf den anderen unterstützt hätte. Auch das klingt logisch, aber die Operation Gesichtswahrung hatte einen kuriosen Annäherungsprozess zur Folge, der ein wenig so wirkte, als arbeiteten Nord- und Südkorea an einem Friedensvertrag. Vor Wochen, als ihr die Nominierung nicht mehr zu nehmen war, startete Clinton eine erste Offensive ihrerseits. Man traf sich zum Essen und verabredete, im Gespräch zu bleiben. Beide Seiten ernannten ihre Unterhändler, fortan trafen sich die Wahlkampfchefs beider Lager, Robby Mook (Clinton) und Jeff Weaver (Sanders) um die Bedingungen eines Pakts auszuhandeln.

Auch der Präsident spielte eine Rolle. Barack Obama empfing Sanders vor einigen Wochen im Weißen Haus, um ihm vorsichtig die harte Wahrheit seiner Niederlage zu vermitteln. Sanders ging es nicht zuletzt um Inhalte. Er wollte erreichen, dass seine Ideen sich in Clintons Kampagne niederschlagen. Hilfreich war, dass die 68-Jährige sich in der vergangenen Woche in Sanders' Richtung bewegte, indem sie ihre Pläne, Universitäten erschwinglicher zu machen und die Krankenversicherung auszuweiten, konkretisierte. Aber der Durchbruch, so heißt es, gelang erst, als Chuck Schumer sich einschaltete, der Senator aus New York. Er sprach mit den Kandidaten, die Wahlkampfchefs trafen sich in Sanders' Heimatstadt auf einen letzten Burger. Und der Deal stand.

Viele Demokraten sind zuversichtlich, dass der Deal hält. Die Hilfe von Sanders untermauere "den zentralen Unterschied bei dieser Wahl", sagt Simon Rosenberg, Präsident des Thinktanks NDN in Washington. "Die Demokraten sind vereint, die Republikaner sind im Krieg mit sich selbst."

Ihr Verhältnis ist ausbaufähig

Tatsächlich zeigt der Pakt zwischen Sanders und Clinton, wie einigend der Milliardär auf die Demokraten wirkt. "Stellt euch nur mal vor, was Trump für die Minderheiten in diesem Land bedeuten würde", ruft Sanders in New Hampshire. Eine echte politische Partnerschaft dürfte aus den beiden Rivalen allerdings kaum werden, in Portsmouth wird klar, wie schwer Sanders es fällt, sich für Clinton auszusprechen. Er redet mehr über seine Ideen, als über Clintons. Weder ihr persönliches noch ihr professionelles Verhältnis ist besonders gut. Clinton stört sich daran, dass Sanders die Partei aufmischen wollte, obwohl er erst kürzlich eintrat. Und Sanders stört sich daran, dass Clinton seinem von Idealismus geprägten Bild von Politik nur so wenig entspricht. Eine Partei, zwei Kulturen. Das dürfte vorerst bleiben.

Clinton wird der Skepsis begegnen müssen, die ihr von vielen Sanders-Anhängern noch immer entgegenschlägt. Sie wird dabei ihr Hauptaugenmerk auf Staaten legen, in denen sie klar gegen den Senator verlor. Dass die beiden ihren Friedensvertrag in New Hampshire schließen, ist keine Überraschung. Hier feierte Sanders im Februar seinen größten Sieg gegen seine Rivalin, hier hat Clinton die meiste Überzeugungsarbeit zu erledigen. Ähnlich sieht es etwa in Michigan aus, ein Staat, den auch Trump im November unbedingt gewinnen will. Wird dort womöglich der nächste Auftritt der beiden stattfinden?

Bislang, so heißt es, sind keine weiteren gemeinsamen Termine von Clinton und Sanders geplant.

insgesamt 186 Beiträge
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Palisanderbond 12.07.2016
1. Wie geschickt.
Und wie schade um Bernie. Die Clinton weiß schon wie sie sich am besten in die Macht hebt. Dann lieber Trump.
olivervöl 12.07.2016
2. Das wird nicht funktionieren
Hillary Clinton wird vor der Wahl alles versprechen und anschließend nichts davon umsetzen. Nach neuesten Umfragen meinen 56% der US-Amerikaner, sie solle angeklagt werden. Trump hat jetzt leider beste Chancen.
hotgorn 12.07.2016
3.
Sogar der unterlegene Kandidat wird von Obama empfangen. Bei wichtigen Themen wie der NSA Affäre verhält es sich dagegen wie bei Wetten das die deutschen wollen reden die amerikanischen Starpolitiker verlassen nach einer Stunde den Saal. Was man nicht alles tut um weiter zu wursteln. Sind wir deutschen wirklich so schlimm das man sich mit uns weniger befasst als mit Donald Trump :-D
allessuper 12.07.2016
4. Bernie Sanders..
.. war DER Mann, den wir sehen wollten. Wobei er ganz schnell soviel Druck von skrupellosen Lobbyisten bekommen hätte, dass man nicht weiß was von ihm übrig geblieben wäre. H.Clinton ist schon verkauft, da kann nicht mehr viel passieren. Erstaunlich, wie man das Menschen ansieht.
jakopp.auckstayn 12.07.2016
5.
Da wird dann schon ein guter Posten für den Bernie rausspringen.
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