"Besser Diktator als schwul": Lukaschenko beschimpft Westerwelle

Manche Beleidigungen fallen auf den zurück, der sie ausspricht: Eigentlich wollte Weißrusslands Herrscher Alexander Lukaschenko nur Außenminister Guido Westerwelle verunglimpfen - aber er outete sich dabei selbst als Diktator.

Minsk - "Ich sage mir, besser Diktator sein als schwul", tönte der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko am Rande eines sonntäglichen Wintersportwettbewerbs - eine Anspielung auf den deutschen Außenminister Guido Westerwelle (FDP).

Was als Beleidigung gedacht war, fällt vor allem auf Lukaschenko selbst zurück. Westerwelle hatte Lukaschenko am Mittwoch als "letzten Diktator Europas" bezeichnet - eine Formulierung, die sich Lukaschenko nun indirekt erstmals zu eigen gemacht hat. Offiziell hat sich der weißrussische Präsident nämlich bislang stets als demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt gesehen.

Eine Selbsteinschätzung, mit der Lukaschenko allerdings seit Jahren ziemlich alleine steht. Erst am Dienstag hatte die EU wegen anhaltender Menschenrechtsverstöße in Weißrussland weitere Sanktionen gegen das Land verhängt. Unter anderem hatten die EU-Außenminister am Dienstag Einreiseverbote für 21 Richter und Polizisten verhängt. Minsk wies daraufhin die Chefin der EU-Mission, Maira Mora, und den polnischen Botschafter Leszek Szarepka aus. Die EU-Regierungen haben deshalb ihrerseits ihre Botschafter aus Weißrussland "zu Konsultationen" in die Hauptstädte zurückgerufen.

Lukaschenko drehte die Eskalationsschraube am Sonntag erneut um eine Umdrehung weiter: Er drohte nun mit einer "harten Reaktion" auf mögliche weitere Sanktionen der Europäischen Union. "Sie wollen unsere Stabilität und unser Land zerstören", sagte Lukaschenko.

Es ist nicht das erste Mal, dass Lukaschenko Westerwelle öffentlich wegen dessen Homosexualität angreift. Im Februar 2011 hatte er ihm nach eigenen Angaben "Auge in Auge" geraten, ein "normales Leben" zu führen. Lukaschenko entschuldigte sich später zwar, betonte aber, Schwule nicht leiden zu können.

ric/AFP/dpa/reuters

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insgesamt 195 Beiträge
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1. naja...
whocaresbutyou 04.03.2012
also wenn ich wählen müsste...
2. macht nichts
RudiLeuchtenbrink 04.03.2012
Die Veranlagungen eines Menschen kann man sich nicht aussuchen. Präsident Lukaschenko steht mit dem Rücken zur Wand. Sein Land wird ständig boykottiert, er wird verunglimpft und der letzte Diktator genannt. Er hat bis jetzt alle Krisen übestanden und versucht zwischen den Fronten zu lavieren. Eigentlich hat er ja eine Art Galgenhumor, auch wenn dieser unter die Gürtellinie zielt. Herr Westerwelle soll dies gelassen sehen, bei unseren Verbündeten in Saudi Arabien, Katar und jetzt Lybien kann Homosexualität auch körperlich geahndet werden.
3. Okay
pepito_sbazzeguti 04.03.2012
"Besser Diktator als schwul" Aus Lukaschenkos Sicht ist die Aussage doch okay.
4.
asdf01 04.03.2012
Unabhängig von den Personen kommt man schon ins Grübeln, dass zu sagen, was politisch korrekt ist oder was man wirklich denkt, wenn man persönlich zwischen diesen beiden Optionen wählen müsste. Das dürfte wohl den meisten so gehen.
5. Dummerweise
Pinon_Fijo 04.03.2012
Leider denken die Menschen in der Mehrzahl aller Länder genauso wie dieser nette Diktator. Und dummerweise sind das alles Länder, von denen wir etwas wollen - Öl aus den islamischen Staaten, Gas aus Rußland, Seltene Erden aus China, Rohstoffe aus Afrika. Diese Staaten können sich aussuchen, an wen sie ihr Zeug verkaufen wollen.....
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