Bestechung auf den Philippinen: Das Ende eines korrupten Generals
Er kassierte Millionen: Abfindungen, Sonderzahlungen, Bestechungsgelder. Als publik wurde, wie gierig er die philippinischen Staatskassen plünderte, nahm sich General Angelo Reyes das Leben. Er war nur einer von vielen Dieben im Staatsdienst - sein Land gehört zu den korruptesten Nationen überhaupt.
Manila - Es war ein Abgang wie in einer Hollywood-Tragödie: Der General verließ am Dienstag, 8. Februar, in aller Herrgottsfrühe sein Haus, umarmte seine Frau Teresita und bat sie, gut auf ihre fünf Kinder zu achten. Mit seinen Söhnen Carlo und Judd und einem Leibwächter fuhr er dann zum Loyola Memorial Park. In den vorangegangenen Tagen hatte er sich mehrfach dorthin zurückgezogen, um am Grab seiner Eltern innere Einkehr zu halten. Er bat Carlo, Judd und seinen Leibwächter, am Friedhofseingang im Wagen auf ihn zu warten. Dann schritt er aufrecht den Hauptgang entlang, bog in einen Nebenweg ab, bis er vor dem Grabmal seiner Familie stand.
Er verharrte kurz, zog eine Pistole - Kaliber .45 - und schoss sich in die Brust, wenige Zentimeter neben dem Herz.
Seine durch den Schuss alarmierten Söhne eilten an die Grabstätte. Ihr Vater lag blutüberströmt über dem Grabhügel. Mit letzter Kraft bat er seine beiden Söhne: "Verzeiht mir." Dann starb er. Carlo und Judd ließen ihn zwar noch mit Blaulicht und Martinshorn ins Quirino Memorial Medical Center bringen. 45 Minuten kämpften die Ärzte um sein Leben. Vergeblich.
Um 8.32 Uhr wurde General Angelo Reyes offiziell für tot erklärt.
Der 65-Jährige gehörte seit über zehn Jahren zu den Top-Ten der philippinischen Armee. Er hatte eine schier unaufhaltsame Bilderbuchkarriere hinter sich, war Generalstabschef, Armeechef, Staatssekretär, persönlicher Berater der Präsidentin. Auch auf internationaler Bühne machte er eine gute Figur.
Zwei Millionen Taschengeld
Doch nun drohte ihm ein Ende in Unehren: Er musste sich vor einem Untersuchungsausschuss des Parlaments gegen Korruptionsvorwürfe wehren. Allein 1,14 Millionen US-Dollar soll er 2001 als Abschiedsgabe bei seinem Ausscheiden aus dem Amt des Armeechefs eingesackt haben - nach nur 20 Monaten Dienstzeit. Zusätzlich, so lauten die Vorwürfe, habe er in dieser Zeit an der Spitze der Streitkräfte monatliche Bezüge von 114.000 US-Dollar erhalten. Außerdem habe er rund zwei Millionen US-Dollar als eine Art zusätzliches "Taschengeld" kassiert. Unter anderen habe die Armee teure Einkaufstrips seiner Frau Teresita im Ausland finanziert. Zwölf Tage, nachdem die Anschuldigungen in dem Senats-Ausschuss öffentlich geworden waren, setzte der General seinem Leben ein Ende - um, wie Freunde beteuern, den Namen seiner Familie reinzuwaschen.
Reyes ist kein Einzelfall in den Philippinen: Seit Jahrzehnten bedienen sich die Eliten des Staates in Politik, Verwaltung, Polizei und Militär vor allem selbst. Sie haben ein dichtes Netz von Protektion, Günstlingswirtschaft und Bestechung geschaffen. Die Philippinen gehören zu den korruptesten Ländern der Welt. Im jährlichen Korruptions-Index von Transparency International stand das Land 2010 auf dem beschämenden Platz 134 von insgesamt 178.
Doch der junge Präsident Benigno Aquino hat der Korruption den Kampf angesagt: Gleich nach seinem Wahlsieg im vergangenen Jahr setzte er als erste Amtshandlung eine Anti-Korruptions-Kommission ein, berief den für seine Unabhängigkeit bekannten früheren Chef des Obersten Gerichtshofes, Hilario Davide, an deren Spitze und gab ihm bis 2012 Zeit, um alle Vorwürfe gegen Mitglieder und Amtsträger der Vorgängerregierungen, vor allem der Ex-Präsidentin Gloria Arroyo, aufzuklären und die Schuldigen den Gerichten zuzuführen.
Gierige Generäle
Die Armee hat inzwischen zusätzlich eine eigene Untersuchungskommission berufen. Verteidigungsstaatssekretär Voltaire Gazmin erklärte: "Was immer in der Vergangenheit geschehen sein mag, heute liegen die Dinge anders. Solche Praktiken wird es nicht mehr geben." Gazmin versicherte, dass das Militär bereits Strukturreformen vorgenommen habe, um die Rechnungsprüfung und die interne Aufklärung zu verbessern. Wer sich schuldig gemacht habe, werde bestraft.
Die Spitze der 120.000-Mann-Streitkräfte war im Januar durch die Aussage von Oberst George Rabusa aufgeschreckt worden, der zeitweise Mitarbeiter von General Reyes im Rechnungsprüfungsamt gewesen ist und vor dem Senatsausschuss scharfe Anklagen gegen frühere Offiziers-Kameraden in den oberen Rängen der Armee erhoben hatte.
Auch die Fälle der Ex-Generäle Jacinto Ligot und Carlos Garcia sollen aufgrund seiner Aussagen vor dem Senats-Ausschuss wieder aufgerollt werden. Beide hatten in den Jahren 1999 bis 2004 an der Quelle gesessen: Sie waren Vizechefs im Rechnungsprüfungsamt der Streitkräfte. Garcia war schon 2003 aufgeflogen: Zwei seiner Söhne waren vom US-Zoll geschnappt worden, als sie 100.000 Dollar Bargeld in die USA zu schmuggeln versuchten.
- 1. Teil: Das Ende eines korrupten Generals
- 2. Teil: Filzokratie auf den Philippinen
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- Montag, 21.02.2011 – 06:23 Uhr
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