Besuch bei Bush Papst mahnt USA zu mehr Moral

US-Präsident Bush pflegt seine Politik mit christlichen Werten zu begründen - und muss sich nun von seinem Gast Benedikt XVI. deutliche Worte anhören: Der Papst forderte die USA auf, in internationalen Konflikten auf Diplomatie zu setzen und moralische Werte zu beachten.


Washington - Was für eine schmeichelnde Begrüßung durch George W. Bush: Das Oberhaupt der katholischen Kirche habe beschlossen, Amerika an seinem Geburtstag zu besuchen, umgarnte der US-Präsident seinen Gast, Papst Benedikt XVI., beim Empfang im Garten des Weißen Hauses. "Den Geburtstag verbringt man normalerweise mit engen Freunden", fuhr Bush fort. Die USA fühlten "sich geehrt".

Papst, Bush im Oval Office: "Happy Birthday" im Weißen Haus
AP

Papst, Bush im Oval Office: "Happy Birthday" im Weißen Haus

Die Botschaft Gottes sei eine Botschaft der Liebe, verkündete Bush. "Wir brauchen Ihre Botschaft, dass alles menschliche Leben heilig ist. Wir wollen eine Kultur der Gerechtigkeit und der Wahrheit."

Der Papst hatte eine klare Botschaft mit nach Washington gebracht. Zwar erwähnte er in seiner Rede im Garten des Weißen Hauses mit keinem Wort die internationalen Konflikte wie Irak oder Afghanistan direkt - dennoch mahnte er die USA zu einer Politik, die auf Diplomatie setzt. Er rief die USA auf, die "geduldigen Bemühungen zur Lösung von Konflikten und zur Förderung von Fortschritt zu unterstützen".

Außerdem mahnte er die USA zur Beachtung moralischer Werte. Die Demokratie könne nur "blühen, wenn die politischen Führer sich von der Wahrheit leiten lassen und ihre Weisheit auf moralische Grundsätze aufbauen", sagte Benedikt.

Demokratie ohne Seele

Der Papst lehnt den Irak-Krieg ab und ist wegen der Lage der verfolgten christlichen Minderheit in dem islamischen Land besorgt. Auch ist er gegen das US-Handelsembargo gegen Kuba und die Anwendung der Todesstrafe in den USA.

In anderen Fragen gibt es aber zwischen dem katholischen Kirchenoberhaupt und dem protestantischen Staatsoberhaupt große Übereinstimmung, vor allem in Moralfragen wie der Ablehnung von Abtreibung, Homo-Ehe und Stammzellenforschung.

Eine Demokratie ohne Werte könne "ihre eigene Seele verlieren", sagte der Papst vor Tausenden Gästen auf dem Südrasen des Weißen Hauses. Der Glaube gebe den Menschen die Kraft, "für eine immer gerechtere und brüderliche Gesellschaft einzutreten". Mehrfach verwies der katholische Kirchenführer dabei auf die Religiosität in den USA. Für die Amerikaner sei "der religiöse Glaube dauernde Inspiration und treibende Kraft gewesen", etwa beim Kampf gegen die Sklaverei und in der Bürgerrechtsbewegung. "Während die Nation zunehmend schwierigeren politischen und ethischen Fragen gegenübersteht, bin ich zuversichtlich, dass das amerikanische Volk in seinem Glauben eine wertvolle Quelle der Inspiration findet...", sagte Benedikt.

Zugleich rief er eindringlich zur Hilfe für die Dritte Welt auf. "Das Bedürfnis nach internationaler Solidarität ist dringlicher denn je", damit alle Menschen in der Welt in Würde leben könnten.

Die Menge im Garten des Weißen Hauses sang im Anschluss an die Rede des Papstes spontan "Happy Birthday" zu Ehren des Pontifex maximus, der am Mittwoch 81 Jahre alt wurde. Benedikt XVI. dankte es den Gästen mit einem Lächeln.

Einmalige Geste

Nach der Begrüßungszeremonie wollten sich Bush, der als gläubiger Christ gilt und der Methodistenkirche angehört, und der Papst zu einem vertraulichen Gespräch in das Oval Office zurückziehen. Unklar ist, ob Benedikt die Ablehnung des Irakkrieges durch den Vatikan sowie die Kontroverse um die Todesstrafe anspricht.

Später trifft sich Benedikt mit den amerikanischen Bischöfen. Höhepunkt der sechstägigen Reise ist am Freitag die Rede des Papstes vor den Vereinten Nationen in New York.

Es ist der zweite Empfang eines Papstes im Weißen Haus; 1979 hatte der damalige Papst Johannes Paul II. den Amtssitz des US-Präsidenten besucht. Bush sowie seine Frau und seine Tochter Jenna hatten Benedikt XVI. in einer bislang einmaligen Geste bereits persönlich am Flughafen auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews nahe Washington begrüßt. In den USA leben etwa 70 Millionen Katholiken, das entspricht etwa einem Viertel der Bevölkerung.

hen/AFP/dpa



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