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Besuch in Afghanistan: US-Armee soll Psycho-Team auf de Maizière angesetzt haben

Die US-Armee kämpft offenbar mit allen Mitteln um Ressourcen für ihren Einsatz in Afghanistan. Ein General soll befohlen haben, Politikern mit psychologischen Manipulationen Zusagen für mehr Truppen und Geld zu entlocken. Unter den Zielpersonen war auch Innenminister Thomas de Maizière.

Bundesinnenminister de Maiziere in Afghanistan (Archivfoto): Psychologisch bearbeitet Zur Großansicht
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Bundesinnenminister de Maiziere in Afghanistan (Archivfoto): Psychologisch bearbeitet

Washington - Ein Manipulationsskandal droht die US-Armee zu erschüttern. Die Streitkräfte in Afghanistan sollen Spezialisten für psychologische Kriegführung illegal auf Bundesinnenminister Thomas de Maizière sowie Politiker aus den USA und anderen Ländern angesetzt haben. Ein US-Oberstleutnant beschuldigte seine Vorgesetzten in einem Interview mit dem Magazin "Rolling Stone", damit bewusst gegen Gesetze verstoßen zu haben. Das Pentagon kündigte am Donnerstag eine Untersuchung an.

Wie US-Oberstleutnant Michael Holmes dem Magazin sagte, seien die Anweisungen von General William Caldwell gekommen. Er ist für die Ausbildung afghanischer Streitkräfte zuständig. Mit Methoden der psychologischen Evaluierung und Manipulation habe Caldwell herausfinden wollen, mit welchen Argumenten Politikern auf Afghanistan-Besuch zusätzliche Truppen- und Finanzzusagen für den Einsatz entlockt werden könnten. Methoden der psychologischen Kriegsführung sind laut Pentagon-Definition nur gegen "feindliche Ausländer" zulässig.

Caldwell, ein Drei-Sterne-General, sei mehr darauf aus gewesen, Karriere zu machen, als die Taliban zu besiegen, sagte Holmes. Über vier Monate im vergangenen Jahr hinweg sei Caldwell auf die Amerikaner und die finanziellen Mittel fokussiert gewesen. Dabei sei man in dem Land gewesen, um die afghanischen Sicherheitskräfte auszubilden.

Holmes leitet die so genannte Psy-Op-Einheit im US-Lager Camp Eggers, dem Stützpunkt der US-Einheit für psychologische Kriegsführung in Afghanistan. Er bezeichnete die Anweisung seiner Vorgesetzten als illegal. Für seine Weigerung, Mittel der psychologischen Kriegsführung gegen US-Politiker einzusetzen, habe er eine Rüge erhalten. Sein Job sei es, den Feind dazu zu bringen, sich so zu verhalten, wie man es wolle, sagte Holmes dem Magazin. "Wenn man mich anweist, diese Mittel gegen Senatoren und Abgeordnete anzuwenden, überschreitet man eine Linie", sagte er.

Druck ausüben, "um von den Delegationen mehr Finanzmittel zu erhalten"

Betroffen waren laut vertraulichen US-Unterlagen, aus denen "Rolling Stone" zitierte, unter anderem die US-Senatoren John McCain, Joe Lieberman, Carl Levin und Jack Reed. Zu den ausländischen Zielpersonen zählten demnach neben dem deutschen Bundesinnenminister noch der tschechische Botschafter in Afghanistan. De Maizière war im März 2010 in Afghanistan und besuchte auch Camp Eggers.

Mithilfe der Psycho-Methoden habe die Armee ihre Botschaft speziell auf die Besucher zuschneiden wollen, sagte Holmes. Gefragt gewesen sei "eine tiefe Analyse von Stellen, auf die Druck ausgeübt werden muss, um von den Delegationen mehr Finanzmittel zu erhalten", berichtete er. Es sei dabei auch um die mögliche Manipulation von Gesprächspartnern gegangen: "Wie bringen wir diese Leute dazu, uns mehr Soldaten zu geben?", zitierte Holmes einen Mitarbeiter aus Caldwells Büro. "Was müssen wir in deren Kopf einpflanzen?"

Der "Rolling Stone" sieht in den Manipulationsversuchen ein Indiz für die Verzweiflung der US-Kommandeure in Afghanistan. Sie versuchten, zivile amerikanische Führungspersönlichkeiten von einem zunehmend unpopulären Krieg zu überzeugen.

US-Senator Reed bezeichnete die Vorwürfe im TV-Sender MSNBC als "ernst und irritierend". Reed forderte ebenso wie der betroffene Senator Levin eine Aufklärung. Ein Pentagon-Sprecher kündigte in Washington an, Afghanistan-Kommandeur David Petraeus bereite eine Untersuchung vor. Auch Verteidigungsminister Robert Gates sei in der Sache unterrichtet.

Ein ähnliche explosiver Artikel im "Rolling Stone" vom selben Autor hatte im Juni 2010 zur Entlassung von Petraeus' Vorgänger geführt. Stanley McChrystal hatte sich in dem Bericht abwertend gegenüber ranghohen US-Politikern geäußert und musste deswegen seinen Posten verlassen.

ulz/AFP/dpa

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insgesamt 78 Beiträge
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1. Pressefoto des Jahres 2010
christoph. 24.02.2011
Zitat:"...... ein Indiz für die Verzweiflung der US-Kommandeure in Afghanistan. Sie versuchten, ..... von einem zunehmend unpopulären Krieg zu überzeugen" In diese Richtung ging auch das Pressefoto des Jahres 2010. Wenn die Argumente nicht ausreichen, dann werden eben die Emotionen manipuliert, geht immer. http://www.worldpressphoto.org/index.php?option=com_content&task=view&id=2102&Itemid=50&bandwidth=high
2. neverevertitle
na_iche 24.02.2011
ich glaube es war ein Western, in welchem ich diesen Satz erstmalig hörte: "Gott schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden kann ich mich alleine schützen" mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen....
3. .
anon11 24.02.2011
Zitat von sysopDie US-Armee kämpft offenbar mit allen Mitteln um Ressourcen für ihren Einsatz in Afghanistan. Ein General soll befohlen haben, Politikern mit psychologischen Manipulationen Zusagen für mehr Truppen und Geld zu entlocken. Unter den Zielpersonen war auch Innenminister Thomas de Maizière. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,747611,00.html
Glück gehabt, dieser Schurkenstaat setzt auch schon mal Folter ein um etwas zu erreichen.
4. Klingt plausibel
Det70, 24.02.2011
Zumindest erahnt man nun, warum gewisse Leute so häufig "zu Gast bei Freunden" in Afghanistan sind.
5. ...
zweiundzwei 24.02.2011
Den US-Amerikaner scheint auch jedes Mittel recht um sich durchzusetzte . Also wenn das nächste Mal wieder einer von Freiheit und Demokratie redet wird mir gaanz schlecht.
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Ausrüstung der Bundeswehr
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Panzer
DDP
Zehn der vor mehr als 30 Jahren eingeführten Schützenpanzer "Marder" stehen der Bundeswehr in Afghanistan zur Verfügung. Für die deutsch-afghanische Militäroffensive im Juli 2009 wurden vier der Panzer von Masar-i-Scharif in die Krisenregion Kunduz verlegt und während der neuntägigen Offensive erstmals in einem Gefecht eingesetzt. Die 20-Millimeter-Bordkanone hat eine Reichweite bis höchstens 2000 Meter - Offiziere sehen hier Probleme beim Kampf gegen Taliban über größere Distanz. Der einst für norddeutsche Bedingungen konstruierte Panzer hat keine Klimaanlage.

dpa
Auch zwei Bergepanzer hat die Bundeswehr nach Afghanistan verlegt. Diese Fahrzeuge werden zum Bergen und Abschub von Material eingesetzt. Sie sind mit einem Kran und Winden ausgerüstet und dienen auch als Hebemittel bei der Instandsetzung. Zur weiteren Ausstattung dieser Panzer gehört zudem eine Schneid- und Schweißanlage.

REUTERS
Nicht in Afghanistan stationiert sind bisher schwere Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2", dem Standard-Kampfpanzer der Bundeswehr. Derzeit verfügt das Heer über 350 dieser Geräte. Gedacht ist der Panzer eigentlich, um in einem Krieg an vorderster Front feindliche Panzer zu vernichten. Die Kanone des "Leopard 2" hat eine Reichweite von mehr als vier Kilometern. Die Geschosse durchschlagen mehrere Dezimeter dicken Stahl und bringen beim Aufprall Metall zum Schmelzen. Das Fahrzeug hat einen 1500 PS starken Dieselmotor, fährt bis zu 70 km/h schnell und kann bis zu vier Meter tiefe Gewässer durchqueren.
Panzerhaubitzen
DPA
Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden insgesamt drei Panzerhaubitzen 2000 in Afghanistan stationiert. Eine davon wurde ins deutsche Feldlager im nordafghanischen Kunduz verlegt.

Es ist das schwerste Geschütz, das die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Die Panzerhaubitze 2000 ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen.

Mörser
Erstmals setzte die Bundeswehr im Jahr 2009 Mörser mit scharfer Munition ein. Der 120-Millimeter-Mörser "Tampella" stand schon länger zur Verfügung. Doch Deutschland wollte die dazugehörigen Granaten nicht verwenden, um den Tod von Zivilisten und eigenen Soldaten von vornherein auszuschließen. Bislang setzte die Bundeswehr auf Abschreckung durch Leuchtmunition.
Gewehre
Die Bundeswehr verwendet das Sturmgewehr G36, die Standard-Infanteriewaffe der Bundeswehr.
Transportfahrzeuge
DPA
Die Bundeswehr hat 970 zum Teil stark geschützte Fahrzeuge in Afghanistan, darunter 210 vom Typ "Dingo". Ferner fahren die Soldaten mit dem "Fuchs"-Transportpanzer (100) und dem leicht gepanzerten Militärfahrzeug "Eagle". Auch Geländewagen vom Typ "Wolf" (400) sind dort sowie das Mehrzweckfahrzeug "Mungo". Beide Fahrzeuge bieten bei Anschlägen kaum Schutz. Der "Mungo" wurde aus dem Kleinlaster "Multicar" entwickelt, der in vielen deutschen Kommunen zur Reinigung von Gehwegen verwendet wird.
Hubschrauber
Getty Images
Die Bundeswehr hat in Afghanistan keine eigenen Kampfhubschrauber, die Patrouillen schützen oder in Kämpfe am Boden aus der Luft eingreifen könnten. Die sogenannte Luftnahunterstützung im Gefechtsfall kommt von Isaf-Verbündeten. Die bereits an Deutschland ausgelieferten Modelle des europäischen Kampfhubschraubers "Tiger" sind wegen technischer Probleme noch nicht einsatzbereit. Für Lufttransporte stehen acht Hubschrauber "Sikorsky CH-53" zur Verfügung.
Transportflugzeuge
AP
Am Hindukusch sind acht "Transall" stationiert, die in den sechziger Jahren eingeführt wurden und eigentlich 2010 vom A400M abgelöst werden sollten. Wegen Entwicklungsproblemen des Herstellers wird der A400M nun aber erst Jahre später bereitstehen.
Aufklärungsflugzeuge
ddp
Recce-Tornados waren von April 2007 bis Ende November 2010 im Einsatz. Die sechs Flugzeuge waren in Masar-i-Scharif stationiert. Sie haben zwei Bordkanonen, die während des Einsatzes in Afghanistan ausschließlich dem Selbstschutz dienten. Einziger Auftrag der Tornados war wie bei den Nato-Awacs-Maschinen die Aufklärung. Die Awacs-Flugzeuge sind unbewaffnet und können nach Bundeswehrangaben im Gegensatz zu den Tornados keine Ziele am Boden ausmachen. Die Awacs-Besatzungen sollen durch Koordinierung für Sicherheit in der Luft sorgen, weil der zivile Flugverkehr massiv angestiegen ist und Kollisionen mit den Militärmaschinen der internationalen Truppen verhindert werden sollen. Die Taliban haben keine Flugzeuge oder Hubschrauber.
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Kurzbesuch: Guttenberg in Afghanistan


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