Besuch in Bengasi US-Senator McCain feiert libysche Rebellen als Helden

Die Nato kommt in Libyen nicht voran - jetzt drängen die USA wieder in die Führungsrolle: Präsident Obama lässt Gaddafis Truppen mit Kampfdrohnen beschießen, der republikanische Senator John McCain besucht Bengasi. Bei seinem umjubelten Auftritt preist er die Rebellen als "meine Helden".

REUTERS

Bengasi/Kairo - Die USA sind in den Krieg in Libyen eher hineingeschlittert als dass sie ihn wirklich gewollt hätten. Bei der Mehrheit der Bürger ist der Kampfeinsatz unbeliebt, und nach der Führungsübergabe an die Nato war die amerikanische Rolle geradezu nebulös. Doch nun deutet sich eine Wende an: Die USA weiten ihr Engagement zugunsten der Gegner von Machthaber Gaddafi offenbar aus.

Dafür setzen sie seit Donnerstag auch bewaffnete Drohnen ein. Zudem muss man es als politisches Signal verstehen, dass der republikanische US-Senator John McCain in die Hochburg der Rebellen gereist ist: In der nordöstlichen Stadt Bengasi sprach McCain an diesem Karfreitag mit Mitgliedern des Nationalen Übergangsrates. Das Gremium gilt als provisorische Regierung der Gegner von Diktator Muammar al-Gaddafi.

McCain, der Barack Obama 2008 bei der Präsidentschaftswahl unterlag, wurde von den Libyern gefeiert. Dutzende Menschen empfingen ihn mit US-Flaggen und Rufen wie "Freiheit für Libyen, Gaddafi muss weg" und "Danke Amerika, danke Obama".

Der US-Politiker zeigte sich unbesorgt, dass sich auch Kämpfer der Terrororganisation al-Qaida unter die Rebellen mischen könnten. Als der US-Politiker vor seinem Hotel von Journalisten darauf angesprochen wurde, entgegnete er: "Wieso? Sie (die Rebellen) sind meine Helden."

McCain macht Rebellen Hoffnung

Der Republikaner McCain ist Mitglied des Streitkräfte-Ausschusses des US-Senats. Er hat die Teilnahme Washingtons an den Militäroperationen stets befürwortet. Mehr noch: Bei einer Anhörung des Ausschusses sagte er laut CNN, Amerika müsse sich in Libyen stärker engagieren. "Unser Ziel ist der Regimewechsel, auch wenn die Regierung das nicht so deutlich sagt." Statt nur die Nato-Mission zu unterstützen, müssten die USA die Führung übernehmen, forderte McCain laut CNN.

Auch bei seinem Auftritt in Bengasi machte er den Rebellen Hoffnung: "Das amerikanische Volk unterstützt euch, und wir wissen, dass wir euch helfen müssen, so sehr wir können."

Doch laut einer aktuellen Umfrage von "New York Times" und dem Sender CBS ist eine Mehrheit der US-Bürger gegen den Krieg. Demnach sprechen sich 45 Prozent gegen den Libyen-Einsatz aus, nur noch 39 Prozent dafür. Im März waren noch 50 Prozent der Befragten für den Einsatz gewesen und nur 29 Prozent dagegen.

Drohnen-Einsatz gegen Gaddafis Bodentruppen

US-Präsident Obama hat entschieden, Kampfdrohnen vom Typ "Predator" gegen Gaddafis Bodentruppen einzusetzen. Der stellvertretende US-Generalstabschef James Cartwright sagte, die ferngesteuerten Flugzeuge könnten vor allem in besiedelten Gebieten eingesetzt werden, um Kollateralschäden zu minimieren. "Sie haben die Möglichkeit, tiefer zu fliegen, deshalb können sie eine bessere Sicht auf bestimmte Ziele bekommen." Das sei hilfreich, weil Gaddafis Truppen begonnen hätten, sich "zu verschanzen".

Bis zu zwei Drohnen könnten gleichzeitig im Einsatz sein, laut dem US-Magazin "Wired" hieße das, dass insgesamt fünf Maschinen in Libyen eingesetzt werden. Cartwright sagte, die ersten beiden "Predator"-Maschinen seien am Donnerstag nach Libyen aufgebrochen, hätten jedoch wegen schlechten Wetters umkehren müssen.

Der Einsatz der Drohnen verändert den US-Einsatz fundamental. Vize-Generalstabschef Cartwright bemühte sich aber, die Bedeutung herunterzuspielen. Die Drohnen seien nur ein "bescheidener Beitrag" zu der Nato-Mission.

"Es läuft auf ein Patt hinaus"

Unklar ist, von wo die Hightech-Flugzeuge starten. Bislang ist es nicht möglich, dass sie von Transportfliegern abgesetzt werden können. Laut "Wired" sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, die Drohnen seien "in einem Nato-Land stationiert, das nahe Libyen liegt". Das US-Magazin spekuliert, damit könne Italien gemeint sein.

Gaddafis Bodentruppen wurden laut US-Angaben deutlich geschwächt. Vermutlich 30 bis 40 Prozent seien ausgeschaltet, sagte US-Generalstabschef Mike Mullen am Rande eines Truppenbesuchs in Bagdad. Seinen Worten zufolge können derzeit weder Gaddafis Truppen noch die der Rebellen entscheidende Erfolge erzielen. "Es läuft gerade mit Sicherheit auf eine Patt-Situation hinaus", sagte Mullen.

cte/dpa/Reuters



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insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
promedico 22.04.2011
1. gut!
Kein Zweifel: McCain passt da gut dazu!
blaudistel 22.04.2011
2. Da schau an
gleich und gleich gesellt sich doch immer wieder gerne.
R Panning, 22.04.2011
3. x
Zitat von sysopDie Nato kommt in Libyen nicht voran - jetzt drängen die USA wieder in die Führungsrolle: Präsident Obama lässt Gaddafis Truppen mit Kampfdrohnen beschießen, und der republikanische Senator John McCain besucht Bengasi. Bei seinem umjubelten Auftritt preist er die Rebellen als "Helden". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,758704,00.html
"Dutzende Menschen"...Naja. Und sonst...Scheinbar braucht nicht nur Sakozy den Krieg für die eigene Innenpolitische Selbstpräsentation. Was McKain damit allerdings erreichen will ist mir schleierhaft. Was ich bisher aus den USA so höre, ist der gemeine Bürger nicht begeistert von dem US Engagement in Libyen.
HaPee 22.04.2011
4. Von wundersamen "Helden" umgeben. . .
. . .muss man sich nicht wundern, dass Gaddafi in den vergangenen Jahrzehnten mehr und lukrativeren Umgang mit westlichen und volxxdemokartischen Staatsoberhäuptern unterhielt als mit derartig verwegenen Gestalten, die offenbar in alle Richtungen schielen und sich dann dem meistbietenden an den Hals werfen möchten! Aber Gemach: McCain weiß schon mehr. Er weiß schon wie das viele libysche Öl verteilt wird. Die "Helden" werden vermutlich nicht mitmischen. Sie sind nur die nützlichenn Idioten. Fazit: Wer solche wie McCain zum Freund hat, muss sich um seine Feinde nicht sorgen!
niepmann 22.04.2011
5. Hihihihi !
Da krieg ich doch einen Blutsturz! Ein US-Senator ist so ziemlich das Letzte, was die Rebellen nun brauchen. Längeres Nachdenken ergab: John McCain wäre vermutlich die bessere Wahl für das Präsidentenamt gewesen. Das nur nebenbei.
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