Bhutto-Mord Wahl wird verschoben - Opposition protestiert

Die für nächste Woche geplanten Wahlen in Pakistan werden nach dem Mord an Benazir Bhutto verschoben. Die Opposition protestiert: Staatschef Pervez Musharraf komme die Abstimmung aus Angst vor einer Niederlage nicht gelegen.


Islamabad - Die für nächste Woche geplante Parlamentswahl in Pakistan wird höchstwahrscheinlich verschoben. Die Wahlkommission bezeichnete es heute als unmöglich, den Termin noch einzuhalten. Eine endgültige Entscheidung werde es morgen geben. Zuvor seien noch Beratungen mit den Parteien notwendig, sagte Kommissionssprecher Kanwar Dilshad.

Soldaten patroullieren in Bhuttos Heimatort Larkana: Wahlbüros verwüstet
AFP

Soldaten patroullieren in Bhuttos Heimatort Larkana: Wahlbüros verwüstet

Es wird damit gerechnet, dass die Wahl wegen der Ermordung von Oppositionsführerin Benazir Bhutto um etwa sechs Wochen verschoben wird. Sie war am vergangenen Donnerstag bei einem Anschlag am Ende einer Wahlkundgebung tödlich verletzt worden. Bei anschließenden Krawallen waren auch zahlreiche Wahlbüros verwüstet und Wahlunterlagen vernichtet worden.

Bei den blutigen Unruhen nach dem Attentat seien auch Büros der Wahlkommission niedergebrannt, insbesondere in Bhuttos Heimatprovinz Sindh, sagte Sprecher Dilshad. Dabei seien unzählige Stimmzettel in Flammen aufgegangen. Deshalb sei es allein von der Logistik her kaum noch möglich, die Wahl termingerecht durchzuführen.

Die Oppositionsparteien protestieren gegen den Beschluss. Sie versprechen sich von einer raschen Wahl nach dem Attentat im geschockten Land ein besseres Ergebnis. "Wir werden diese Verschiebung nicht akzeptieren", sagte der ehemalige Ministerpräsident Nawaz Sharif von der Muslimliga (PML-N). Präsident Pervez Musharraf benutze die Wahlkommission offensichtlich als sein Werkzeug, um die ihm nicht genehme Wahl aufzuschieben.

Zugleich rief Sharif den Staatschef zum Rücktritt auf. Seine Amtsbefugnisse sollten stattdessen von einer Regierung der nationalen Einheit übernommen werden. "Er ist eine Ein-Mann-Katastrophe. Er ist verantwortlich für alle Probleme in Pakistan", sagte der frühere Ministerpräsident. Die internationale Gemeinschaft rief Sharif dazu auf, Musharraf nicht länger zu unterstützen.

als/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.