Bhuttos Todesursache Musharraf widerspricht eigenen Ermittlern

Starb die pakistanische Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto doch durch den gezielten Kopfschuss eines Attentäters? Die Behörden hatten das bislang vehement bestritten. Jetzt gab Präsident Musharraf ein Fernsehinterview - und da hörte sich das plötzlich ganz anders an.


Islamabad - Pervez Musharraf räumte damit erstmals ein, dass seine politische Gegnerin von einem Attentäter erschossen worden sein könnte.

In einem Interview mit dem US-Sender CBS, das heute ausgestrahlt werden soll, widersprach er den bisherigen Darstellungen seines Innenministeriums, nach denen Bhutto gegen ihr Autodach geschlagen und dabei tödlich verletzt worden sein soll. Auf die Frage, ob ein Schuss für Bhuttos Tod verantwortlich sein könnte, antwortete Musharraf: "Ja, absolut, ja. Eine Möglichkeit."

Bhuttos Pakistanische Volkspartei PPP hatte bereits kurz nach dem Mordanschlag erklärt, die frühere Regierungschefin sei durch eine Kugel am Kopf getroffen worden. Erst anschließend habe sich der Attentäter in die Luft gesprengt. Bhutto hatte zum Zeitpunkt des Mordanschlages durch ein Schiebedach des Wagens geschaut. Musharrafs Umschwung zeige nun, dass eine unabhängige Untersuchung von Bhuttos Tod durch die Vereinten Nationen notwendig sei, sagte ein Parteisprecher. Die PPP hatte dies bereits mehrmals zuvor gefordert.

Am Freitag war ein Expertenteam von Scotland Yard auf Einladung von Präsident Musharraf in Pakistan eingetroffen. Die sechs Spezialisten der britischen Polizei hatten gestern den Tatort in Rawalpindi bei Islamabad besucht. Sie wollten auch den Wagen, in dem Bhutto starb, untersuchen.

dab/AFP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.