Bibelpark: Netanjahu stoppt Abriss palästinensischer Häuser

Der israelische Ministerpräsident Netanjahu hat den Abriss palästinensischer Häuser in Jerusalem vorerst verboten. Die Stadtverwaltung will im arabischen Osten der Stadt einen archäologischen Bibelpark errichten und hat damit Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern ausgelöst.

Palästinensische Bewohnerin im Osten Jerusalems: Abriss vorerst gestoppt Zur Großansicht
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Palästinensische Bewohnerin im Osten Jerusalems: Abriss vorerst gestoppt

Jerusalem - Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat auf die besorgten Kommentare von Politikern und Beobachtern reagiert. Der israelische Regierungschef forderte die Stadtverwaltung von Jerusalem auf, ihren Plan zum Abriss von etwa 40 Häusern, in denen Palästinenser leben, zu stoppen. Kritiker hatten vor neuen Krawallen gewarnt.

Es sei mehr Zeit notwendig, um mit den Bürgern eine Einigung zu erreichen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten am Dienstag mit. Die Stadtverwaltung von Jerusalem will Dutzende palästinensische Häuser im arabischen Osten der Stadt abreißen lassen. Die Häuser im Viertel Silwan müssten Platz machen für einen archäologischen Park, verlautete aus der Verwaltung. Bürgermeister Nir Barkat wollte eigentlich am Nachmittag Details des Projekts "Garten des Königs" vorstellen, das sich auf die Gärten des Königs Salomon bezieht. Diese waren nach Darstellung der Bibel einst an der Stelle, wo jetzt der Park entstehen soll.

Nach einem Bericht des staatlichen israelischen Rundfunks sollen etwa 40 Häuser von Palästinensern abgerissen werden, die ohne Genehmigung gebaut wurden. Als Entschädigung sollten die Besitzer Grundstücke am Rande des Parks erhalten sowie die Erlaubnis, dort zu bauen.

Das Vorhaben rief bereits heftige Proteste von palästinensischen Bewohnern und arabisch-israelischen Parlamentsabgeordneten hervor. "Wir werden niemals gehen", sagte der Sprecher des Einwohnerkomitees, Abu Diab Fachri. Sollten die Israelis den Abriss dennoch durchführen, werde es "viel Ärger geben und möglicherweise auch gewalttätig".

Kritiker sehen groß angelegten Plan

Nach Meinung der israelischen Nichtregierungsorganisation Ir Amim gehört das Projekt zu einem groß angelegten Plan, den arabischen Ostteil Jerusalems durch "biblische Parks" rund um die Altstadt jüdischer zu machen. Sowohl Israel als auch die Palästinenser beanspruchen Jerusalem als ihre Hauptstadt. Der künftige Status der Stadt soll erst in Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern geklärt werden.

Für Unmut sorgt zudem die Weigerung von Bürgermeister Barkat, eine Anweisung des Obersten Gerichts von Israel umzusetzen, wonach ein mehrstöckiges Gebäude in Silwan abgerissen werden soll. In dem illegal errichteten Haus leben ultranationalistische jüdische Siedler.

anr/mmq/AFP/dpa

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