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16. November 2012, 17:37 Uhr

Italiens Premier Monti

Das Jahr des Halbreformers

Von Fabian Reinbold

Das Schlimmste hat er verhindert, aber seine Reformen sind auf halbem Wege stecken geblieben. Italiens Premier Monti startete vor genau einem Jahr mit dem Auftrag, Italien und den Euro zu retten. Nun sind viele enttäuscht - doch ohne ihn könnte das Land erneut in die Krise abstürzen.

Rom - Der Premier feiert Jubiläum. In Italien eigentlich ein Anlass für ein rauschendes Fest. Für ein Festmahl in einem römischen Stadtpalast vielleicht oder einen Tanzabend in einer Villa bei Mailand. So war es zumindest in den vergangenen Jahren. Doch seit dem 16. November 2011 ist vieles anders.

Vor genau einem Jahr übernahm der spröde Wirtschaftsprofessor Mario Monti die Regierung von Skandalpolitiker Silvio Berlusconi. Und nun, am Vorabend seines Jubiläums, feierte Monti nicht, sondern sprach zu Studenten an einer Mailänder Wirtschaftsuni. Dort war der 69-Jährige Hochschulrektor, bis er auf dem Höhepunkt der italienischen Schulden- und Wirtschaftskrise an die Spitze der Regierung gerufen wurde. Seine Mission: Italien retten. Und nebenbei das Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu verhindern.

Damals sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, 2012 werde das Jahr Italiens - von den Entwicklungen dort hänge das Schicksal des Euro ab. Und das US-Magazin "Time" hievte Monti Anfang des Jahres als "wichtigsten Mann in Europa" auf den Titel.

Nun ist Montis erstes Jahr vorüber: Was hat Italiens Premier geschafft - und woran ist er bislang gescheitert? Ist Italien aus dem Gröbsten raus? Und macht der Technokrat über die Parlamentswahlen hinaus weiter? Die Bilanz.

Was hat Monti geschafft?

Was hat Monti nicht geschafft?

Wie geht es weiter?

Die strukturellen Probleme Italiens sind nach einem Jahr Krisenpolitik nicht verschwunden. Immerhin hat das Monti-Kabinett mit dem Umbau begonnen. Einsparungen treffen alle Gruppen, der Reformwille ist aufrichtig. Das ist für Italien, wo lange der Stillstand regierte, ein großer Fortschritt.

Deshalb wurden zuletzt die Rufe lauter, Monti solle weitermachen. Das Mandat seines überparteilichen Technokratenkabinetts reicht bis zu den nächsten Parlamentswahlen, voraussichtlich im April 2013. Dann sollen wieder die Parteien übernehmen. Nicht wenige fürchten, Italien könnte daraufhin wieder tiefer in die Krise rutschen.

Die Wirtschaftsverbände fordern Monti zum Bleiben auf. Kleinere Parteien der Mitte umwerben den Professore, in der Diskussion ist gar ein neues Wahlbündnis, um ihn im Amt zu halten. Die Mehrheit der Bevölkerung bleibt allerdings skeptisch: Laut einer RAI-Umfrage vom Freitag lehnen 62 Prozent eine "Monti-Zugabe" ab. Die Zustimmung für Montis Kurs liegt bei 36 Prozent.

Und Monti selbst? Seine Antwort lautet meist, er wolle eigentlich nicht weitermachen, aber wenn er gerufen werde, stehe er zur Verfügung. Es wird wohl so kommen: Selbst bei der Wahl antreten wird Monti kaum - denn das würde seinen Nimbus als überparteilicher Experte zerstören. Sollten die Wahlen aber keine gefestigte Koalition bringen, was in Italiens chronisch instabiler Republik immer möglich ist, wäre er jedoch wieder da.

Auch andere Optionen werden in der politischen Klasse diskutiert. Monti könne als Finanzminister einer normalen Regierung erhalten bleiben oder gar Staatspräsident Giorgio Napolitano beerben. In welchem Amt auch immer: Für Europa wäre es nicht das Schlechteste, wenn Monti Italiens Politik erhalten bleibt.

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