Bürgerkrieg: Töten und Sterben in Syrien

Tod, Elend, Angst, Verzweiflung, Vernichtung. Die Bilder in diesem Text zeigen, wie Leben genommen, wie Städte und eine ganze Gesellschaft zerstört werden. Es sind ungeschönte und schwer zu ertragende Dokumente vom Bürgerkrieg in Syrien, die die Kriegsparteien anklagen - und die Ohnmacht der Weltmächte.

Syrien in Trümmern: Blut, Tränen, Terror Fotos
AFP

Berlin - Ein Land wird zerstört. Mit Kalaschnikows, Bomben und Sprengfallen, mit Panzern, Kampfjets und Clusterbomben kämpfen Syrer gegen Syrer. Der Krieg zwischen den Gegnern von Baschar al-Assad und seinen Anhängern ist zu einem alles zermürbenden Stellungskrieg geworden. Um jeden Meter wird geschossen, gerungen, gebombt. Zwischen den Fronten zermahlen werden die Zivilisten.

Bisher konnte das Ausmaß der Verwüstungen nur schwer dokumentiert werden. Syrische Aktivisten stellten ihre Videos auf YouTube. Doch unabhängigen Berichterstattern war der Zugang verwehrt, als 2011 die ersten Kämpfe in Homs tobten und ganze Dörfer zerstört wurden. Seit die Rebellen jedoch mehrere Grenzübergänge zwischen Syrien und der Türkei kontrollieren, sind Hunderte von Journalisten in den Norden des Landes eingereist.

Die Bilder aus den Nordprovinzen Idlib und Aleppo sind verstörend: zerbombte Straßen, blutüberströmte Zivilisten, die leblosen Körper getöteter Kämpfer - Rebellen wie Assad-Anhänger. SPIEGEL ONLINE hat entschieden, die grausamsten Bilder nicht zu zeigen. Dennoch sind viele davon nur schwer zu ertragen. Es sind Dokumente, die das Elend, die Verzweiflung und den Tod zeigen.

Mit Ausnahme eines Bildes wurden alle Aufnahmen im Oktober und November 2012 gemacht. In den vergangenen Monaten hat die Gewalt in Syrien noch weiter zugenommen. Verbittert kämpfen beide Seiten. Es gibt kein Pardon mehr, dafür ist zu viel Blut geflossen. Zu viele Syrer haben Angehörige und Freunde verloren. Kämpfer der Opposition und des Regimes wissen: Fallen sie in die Hände ihres Feindes, gibt es im Zweifelsfall keine Gnade. Wer getötet hat, wird getötet.

Mehrmals täglich lässt das Regime seit diesem Sommer Bombenangriffe auf die eigene Bevölkerung fliegen. Immer gewaltigere Sprengmassen kommen dabei zum Einsatz. Auch Streumunition wird offenbar abgeworfen. Die Rebellen haben begonnen, selbst zu den verhassten Methoden des Regimes zu greifen. 41 Jahre lang haben die Anhänger des syrischen Regimes ihre Gegner gefoltert, hingerichtet oder für immer im Kerker verschwinden lassen. Nun machen es manche Rebellen genauso mit ihren Gegnern. Je länger die Gewalt andauert, desto radikaler wird auch die Opposition.

ras

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insgesamt 87 Beiträge
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1. Pressekodex
derharry 16.11.2012
Ziffer 11 – Sensationsberichterstattung, Jugendschutz Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid. Die Presse beachtet den Jugendschutz. Richtlinie 11.1 - Unangemessene Darstellung Unangemessen sensationell ist eine Darstellung, wenn in der Berichterstattung der Mensch zum Objekt, zu einem bloßen Mittel, herabgewürdigt wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn über einen sterbenden oder körperlich oder seelisch leidenden Menschen in einer über das öffentliche Interesse und das Informationsinteresse der Leser hinausgehenden Art und Weise berichtet wird. …
2. grausame bilder sollten gezeigt werden
micromiller 16.11.2012
dieser krieg wird bedauerlicherweise vom westen gefoerdert, es kaeme dem anspruch der menschenachtung des westens naeher mit allen mitteln den krieg zu verhindern und eine verhandlunsloesung zu finden. die grausamen bilder sollten uns nicht erspart werden, krieg ist die primitivste form der auseinandersetzung und nicht menschenwuerdig
3. Schuld
sysiphus-neu 16.11.2012
Dieser Bürgerkrieg wäre niemals so eskaliert, wenn er nicht von den Golfdiktaturen zum Religionskrieg des sunnitischen Islamismus gemacht worden wäre. Die NATO ist auch mit im Spiel, da sie Assad als Hindernis auf dem Weg nach Teheran beseitigen will. Dafür werden gern Terrormilizen vom Schlage Al Kaidas benutzt, das hat ja in Libyen auch ganz gut funktioniert. An diesem Feuer wärmen sich die Franzosen die klammen Hände, ebenso Erdogan mit seiner AKP - beide träumen von vergangenen Großmachtzeiten. Aber die syrische Volksarmee verteidigt ihr Land und ihr Volk gegen diese Verbrecher und es scheint mittelfristig zu gelingen, die Kopfabschneiderbrigaden zu eliminieren. Das ist ein harter Kampf und die Armee zahlt einen hohen Blutzoll dafür - aber ihre Gegner noch mehr. Siehe - http://sana.sy/eng/337/2012/11/16/452584.htm Schade, dass SPON nur die Seite der Rebellen darstellt. Andere Journalisten sind durchaus in der Lage, die Opfer der Autobomben in Damaskus, die von Islamisten massakrierten Zivilisten, die vonTerroristen ermordeten Gefangenen, die von der FSA gesprengte Infrastruktur zu dokumentieren. Warum schafft das SPON nicht, warum wird eine solche Glaubwürdigkeitslücke in Kauf genommen?
4. die Ohnmacht der Weltmächte?
Mario V. 16.11.2012
Kriegsbilder sind immer verstörend. Sie sehen in Afghanistan, Irak, Gaza und anderswo nicht besser aus. Und sie sahen auch nicht besser in allen anderen, vorherigen Kriegen aus. Und es wird auch nicht besser aussehen, falls der Iran angegriffen wird. Außer man sitzt irgendwo in einem Kontrollzentrum und steuert aus 1000enden km Entfernung eine Drohne. Oder man sitzt in irgendeinem Regierungsgebäude auf dieser Welt und gibt den Befehl zum Massenmord. Aber von einer "Ohnmacht der Weltmächte" zu sprechen ist der blanke Hohn. Ohne diese Weltmächte würde es in Syrien gar nicht so aussehen wie es das jetzt tut. Wer bewaffnet denn die sog. syrischen Rebellen, die nur leider zu 95% aus ausländischen Söldnern bestehen, wie der BND selbst bestätigt hat. Die (westlichen) Weltmächte feuern hier einen Bürgerkrieg an, dessen einziges Ziel ein Regimewechsel ist. Hier geht es nicht um die Befreiung eines geknechteten Volkes.
5. Die Leichen gehören uns!
x33o 16.11.2012
Die FSA kämpft nur noch weil wir es wollen. Wozu auch immer. Ohne Waffenlieferung und Unterstützung aus dem Westen und mehrerer arabischer Staaten wäre ein so langandauernder Bürgerkrieg gar nicht möglich. Dadurch sind die alle die bemitleidenswerten Leichen ein Geschenk der Staaten an uns. Da könnte man sich schon fast totlachen. Danke!
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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