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US-Wahlkampf: Bill Clinton rockt die Demokraten

Aus Charlotte, North Carolina, berichtet

Es war die wohl beste Rede seiner Karriere. Mit Verve hat sich Bill Clinton auf dem Parteitag der US-Demokraten für Barack Obama ins Zeug gelegt, gekonnt zog er über den Gegner Mitt Romney her. Selbst ein republikanischer Berater gibt zu: "Dieser Moment verhilft Obama wahrscheinlich zur Wiederwahl."

AP

Es ist eine Wahnsinnsrede. Amüsant, doch aggressiv, listig, doch lustig, improvisiert und vor allem interaktiv: Sie reißt die Delegierten von den Sitzen, lässt sie im Chor zurückbrüllen. "Four more years!", jubeln sie, haben Tränen der Rührung in den Augen. "Vier weitere Jahre!"

Es ist die zweifellos beste Rede in Bill Clintons Karriere. Leider steht der Redner selbst nicht mehr zur Wahl. Trotzdem: Wie sehr sie ihn vermissen!

Viel war vorab spekuliert worden. Würde Clinton vom Manuskript abweichen? Würde er überlang dozieren? Würde er sich in Details verhaspeln? Würde er sich die Wahrheit zurechtbiegen? Vor allem: Würde er sich voll hinter Präsident Barack Obama stellen können, mit dem ihn eine so komplizierte, qualvolle Geschichte verbindet?

Am zweiten Abend ihres Wahlparteitags in Charlotte fahren die US-Demokraten schweres Geschütz auf, verbunden mit einem gewissen Risiko. William J. Clinton, eine tickende Zeitbombe, ein politisches Pulverfass: Der Ex-Präsident wird seinem Ruf voll gerecht. Er begeistert den Saal, brüllt sich lustvoll heiser, zerlegt die Republikaner - und bringt zugleich die besten Argumente vor für die Wiederwahl seines Ex-Rivalen, den er 2008 noch als unqualifizierten Laien verhöhnt hatte.

"Ein Mann, der nach außen cool ist", preist er ihn jetzt, "aber der nach innen für Amerika brennt." Dumm nur: Es ist ein Meisterstück, dem Obama mit seiner eigenen Rede an diesem Donnerstag kaum wird folgen können. "Four more years!", brüllen sie, doch wem gilt es wirklich?

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Clinton und Obama: Vereint für eine zweite Amtszeit

Am Ende dieses weitgehend aus dem Stegreif gehaltenen, 49-minütigen Durchmarsches, der den Teleprompter-Bediener zur Verzweiflung getrieben haben muss, erscheint Obama selbst winkend auf der Bühne - eine "Überraschung", von der dank Twitter längst jeder vorher wusste. Die beiden umarmen sich, Obama schließt kurz die Augen wie zum stillen Dank, die Halle tobt. Es ist das Foto für die Titelseiten der Zeitungen.

"Bis morgen", murmelt Obama, verschwindet wieder und lässt sich ins Hotel zurückfahren. Er dürfte dort noch einmal an seiner Rede feilen, die er morgen halten wird.

Clintons Rede erreicht, was brillante Reden erreichen: Sie lässt vergessen, was sonst war. Das hysterische Geschnatter der TV-Sender über die Rivalität zwischen Clinton und Obama. Die nostalgischen Referenzen an die neunziger Jahre, deren Skandale (Whitewater, Lewinsky, Clintons Impeachment) so ungleich zahmer und boulevardesker schienen als die heutigen.

Geht es Bill Clinton um Hillarys Kandidatur 2016?

Im gleichen Atemzug zeigt Clinton, warum er am Rednerpult immer noch der Beste ist. Wie im Rausch überzieht er die Delegierten und Millionen TV-Zuschauer mit einem Dauerfeuer aus handverlesenen Fakten, flotten Vorwürfen und dem Singsang eines Südstaatenpredigers - und feuert gegen die republikanische Wahlkampfstrategie.

"Dies", orakelt der republikanische Berater Alex Castellanos auf CNN, "war wahrscheinlich der Moment, der Barack Obama zur Wiederwahl verholfen hat."

Clinton spannt den Bogen von seiner eigenen Regierungszeit zu Obamas Herausforderungen, verknüpft die beiden Pole miteinander, belebt den Enthusiasmus jener Jahre neu. Die Regie hilft mit, führt ihn mit einem Video ein, das zuerst seine Antrittsrede von 1993 zitiert: "Es ist nichts falsch an Amerika, was nicht mit dem geheilt werden kann, was richtig ist an Amerika."

Aus den Boxen schallt Fleetwood Mac durch die Arena, die bis zum letzten der 22.000 Plätze belegt ist: "Don't stop thinking about tomorrow". Clintons Wahlkampfsong von 1992.

Die Menge kocht, bevor er ein Wort sagt. Bill und Hillary Clinton, die Außenministerin, sind die beliebtesten Politiker der USA, beliebter vor allem als Obama. Der Populäre buhlt um Stimmen für den Unpopulären: In Wahrheit, so munkelten manche hier, wolle Clinton damit nicht nur für den Kandidaten 2012 trommeln - sondern auch für die Kandidatin 2016.

"Die Republikaner hinterließen totales Chaos"

Schon die ersten Sätze beseitigen alle Zweifel: "Wir sind hier, um einen Präsidenten zu nominieren, und ich habe einen im Sinn", ruft er hochroten Kopfes. "Ich will, dass Barack Obama der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird, und ich nominiere ihn stolz als Bannerträger der Demokratischen Partei!"

Mit ähnlichen Worten hatte Clinton schon vor vier Jahren, beim viel sonnigeren Parteitag in Denver, Obama das politische Zepter überreicht. Und das, nachdem sich dieser und Hillary Clinton damals im Demokraten-Vorwahlwahlkampf gegenseitig politisch fast vernichtet hatten. Eine kuriose Wendung der Geschichte.

Als sei dies sein letztes Gefecht, stürzt sich Clinton nun auf die Republikaner und ihr Kandidatenduo Mitt Romney und Paul Ryan. Wettert gegen deren "Alternativ-Universum", in dem jeder Amerikaner "auf sich selbst gestellt" sei. Verspottet ihre Wahlkampfstrategie gegen Obama, die er im Namen der Republikaner so interpretiert: "Wir hinterließen ihm totales Chaos. Er hat es nicht schnell genug aufgeräumt. Also feuert ihn und holt uns wieder zurück."

Wie ein Jurist knöpft er sich einen Kritikpunkt der Republikaner nach dem anderen vor. Obama sei für die Malaise verantwortlich? "Niemand hätte all den Schaden, den er vorgefunden hat, in nur vier Jahren reparieren können." Er habe keine Arbeitsplätze geschaffen? "Präsident Obama: plus 4,5 Millionen. Kongress-Republikaner: null." Obama plündere die Krankenversicherung für Senioren? "Da weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll."

Er hebt den Zeigefinger: "Hört ihr zu in Michigan und Ohio und im ganzen Land?" Clinton, den sie den "ersten schwarzen Präsidenten" nannten, muss im Namen Obamas, des tatsächlichen ersten schwarzen Präsidenten, um jene Wähler kämpfen, die ihm fremd bleiben - die weiße Mittelschicht.

Obama ist cool, Clinton ist charismatisch

Schon nach einem Absatz weicht er von seinem Manuskript ab, das er den Parteitagszensoren sowieso erst im letzten Moment zur Ansicht gegeben haben soll. Irgendwann scrollt die Schrift auf dem Teleprompter am anderen Ende des Saals gar nicht mehr weiter. Clinton ist auf Hochtouren, seine Hände beben.

Am stärksten ist er, als er sich für Obama ausspricht. Lobt dessen Kompromissbereitschaft, sein Talent, Ressentiments beiseite zu lassen. "Demokratie muss kein Kampfsport sein", ruft er. "Zum Teufel, er hat ja selbst Hillary ernannt!" Und dann: "Dieser Mann wird nicht versagen - ich spüre es von ganzem Herzen."

Clinton argumentiert besser im Sinne von Obama, als dieser es vermutlich für sich selbst tun kann. Einerseits kann Obama das helfen, aber der direkte Vergleich könnte ihn auch bloßstellen. Er ist kein Clinton, war nie einer, wird nie einer sein. Obama hasst das Chaos der Politik, Clinton liebt es. Obama schwebt distanziert über dem Publikum, Clinton umarmt seines. Obama scheut das Bad in der Menge, Clinton braucht es. Obama ist cool, Clinton ist charismatisch.

Und so brauchen sie einander jetzt. Obama braucht Clinton, um es in eine zweite Amtszeit zu schaffen. Clinton braucht Obama, um seiner Frau den Weg zu ebnen für die erste Amtszeit.

Diese Frau ist rund 16.000 Kilometer von hier entfernt. Hillary Clinton weilt dienstlich in Osttimor. Der Rede des Gatten konnte sie nicht beiwohnen - sie hat etwas verpasst.

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1. Ach Was
brehn 06.09.2012
Na gucke mal einer da, da ist er auch schon, der zweite Artikel diesen Morgen, ganz Groß mit riesen Bild, über ein Thema, das eigentlich irgendwo in die Zweite/dritte Reihe gehört.... Gibts den nichts wichtigeres zu berichten als über das Kasperletheater aus Amerika??
2. Parteiisch
voelligharmlos 06.09.2012
Naja, wenn man diesen Artikel von SPON liest und dann die Artikel von letzter Woche über den Republikaner-Parteitag, dann weiss man auch für wenn SPONs Herz schlägt. :-) Nicht das ich etwas dagegen hätte. Ich bin ja selber für Obama.
3. hope the best...
fidowk 06.09.2012
Ja, diesmal mag es noch klappen. Aber wenn in vier Jahren Paul Ryan gewählt werden sollte, ist die Demokratie in den USA endgültig am Ende.
4. Über den Kasperletheater...
derpolokolop 06.09.2012
Zitat von brehnNa gucke mal einer da, da ist er auch schon, der zweite Artikel diesen Morgen, ganz Groß mit riesen Bild, über ein Thema, das eigentlich irgendwo in die Zweite/dritte Reihe gehört.... Gibts den nichts wichtigeres zu berichten als über das Kasperletheater aus Amerika??
...in Deutschland dürfen sie nicht viel sagen. Merkel darf man nicht kritisieren, nicht mal Mappus. Aber der Clinton Rede war wirklich großartig! Ein ware Rockstar!
5. Affenzirkus
m.ertl 06.09.2012
Zitat von sysopAPEs war die wohl beste Rede seiner Karriere. Mit Verve hat sich Bill Clinton auf dem Parteitag der US-Demokraten für Barack Obama ins Zeug gelegt, gekonnt zog er über den Gegner Mitt Romney her. Selbst ein republikanischer Berater gibt zu: "Dieser Moment verhilft Obama wahrscheinlich zur Wiederwahl." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854190,00.html
Schon wieder ein groß aufgemachter Artikel über diesen Affenzirkus der sich US-Wahlen nennt. Es ist die Finanzoligarchie verbunden mit den militärisch-industriellen Komplex die dort die Leitlinien macht. Ob die oberste Strohpuppe jetzt Obama bleibt oder es Romney wird ist relativ belanglos. Die Wahlen dienen lediglich der Zelebrierung einer Scheinlegitimierung.
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Twitter zur Präsidentschaftswahl

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Romney vs. Obama: Wir können alles außer Fakten

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Michelle Obama: Der Kuschelmarathon

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.

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