Bin-Laden-Nachfolger Beste Chancen für einen alten Freund

Bin Laden ist tot - al-Qaida muss einen neuen Anführer bestimmen. Am wahrscheinlichsten ist die Ernennung des Arztes Aiman al-Sawahiri, ein langjähriger Gefährte des Terrorchefs. Aber auch andere Kandidaten kommen in Frage, darunter ein Gelehrter mit Charisma. 

Von Yassin Musharbash

AFP / Intelcenter

Berlin - "Der Dschihad wird weitergehen, auch ohne mich": Nur Tage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wagte Qaida-Chef Osama Bin Laden diese Prophezeiung. Fast zehn Jahre später ist der Saudi-Araber tot, erschossen in seinem pakistanischen Unterschlupf von US-Spezialeinheiten. Und das von ihm gegründete Terrornetzwerk muss einen Nachfolger als Amir, also Befehlshaber, benennen.

Mit Abstand am wahrscheinlichsten ist die Ernennung von Aiman al-Sawahiri, der schon jetzt meistens als "Nummer zwei" bezeichnet wird. Der Kinderarzt aus Ägypten ist einer der ältesten Weggefährten Bin Ladens, noch zu Zeiten des Kampfes gegen die Sowjets in Afghanistan fanden die beiden zueinander und legten gemeinsam das ideologische und organisatorische Fundament für al-Qaida.

Al-Sawahiri war seit der Gründung al-Qaidas in alle strategischen Entscheidungen eingebunden. In den letzten fünf Jahren wurde er zudem immer mehr zum öffentlichen Gesicht der Gruppe; al-Qaida veröffentlichte weit mehr Videos und Audiobotschaften von Sawahiri als von Osama Bin Laden. Zugleich präsentierte sich der Ägypter als zugänglicher, etwa indem er seine Anhänger gelegentlich per E-Mail Fragen an ihn schicken ließ, die er dann langatmig, aber gründlich, beantwortete.

Sawahiri verfügt über großes Prestige, aber es fehlt an Charisma

Unstreitig verfügt Sawahiri über enormes Prestige. Er war es, nicht Bin Laden, der in Büchern ausführlich die Strategie darlegte, auf der al-Qaida fußt - die Überzeugung, mithin, dass der Kampf gegen die "ungläubigen" Regime in den islamischen Staaten am effektivsten geführt werden kann, wenn man ihre gemeinsame Schutzmacht, die USA, attackiert und herausfordert.

Nach dem 11. September 2001 erschien sein maßgebliches Buch "Ritter im Schatten des Propheten" sogar als Serie in einer panarabischen Tageszeitung. "Es gibt keine andere Lösung als den Dschihad", proklamierte er darin. Es gebe ein dschihadistisches Erwachen, die Bewegung sei im Auftrieb. Zugleich stellte er Forderungen: "Die Treue gegenüber der Führung wie die Anerkennung ihrer herausragenden Stellung und ihrer Verdienste stellt eine dringende Pflicht dar."

Die Rolle Sawahiris kann kaum überschätzt werden. "Viele Terrorismusforscher sind sogar der durchaus begründeten Meinung, dass Sawahiri die wichtigere Persönlichkeit war und Bin Laden lediglich in der Öffentlichkeit als Führer der Organisation dargestellt wurde", schreibt der Berliner Terrorexperte Guido Steinberg in seinem Standardwerk "Der nahe und der ferne Feind".

Forum - Der Tod Bin Ladens - ein nachhaltiger Schlag gegen den Terror?
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HansOch 02.05.2011
1. Bin Laden
na, da müsste die Welt ja friedlicher werden H.
woener 02.05.2011
2. Profile
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Es ist ein Name, was hinter diesem Namen alles verborgen ist, das wird verborgen bleiben. Der einzig authentische Zeuge ist tot. Selbst die SPD hat über Herrn Wiefelspütz schon vermelden lassen, dass die Gefahr noch nicht beseitigt ist und die "Terrorschutz - Notstandsgesetze" erhalten bleiben. Ob man in der CDU dann gleich zur umfassenden Einführung aller Notstandsgesetze greift? Die Bespitzelungsgesetze werden nun aber zur Bewährungsprobe für die FDP werden können, eine neue Chance zur Profilierung?
Greg84 02.05.2011
3.
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
endbenutzer 02.05.2011
4. Mission beendet
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission „Krieg gegen Terror“ zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
G_Schwurbel 02.05.2011
5. weder noch
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Die Welt wird durch seinen Tod weder sicherer noch unsicherer. Al Quaida ist ein Netzwerk, es würde mich wundern, gäbe es für Bin Laden keinen Nachfolger (seinen Tod hat er schließlich einkalkuliert). Vielleicht hat er auch vorher als Rache für seine Tötung den Auftrag erteilt, direkt danach Attentate zu verüben? Alles denkbar...
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