Bin-Laden-Saddam-Connection 9/11-Kommission weist Cheney zurecht

In der Debatte über die Rechtfertigung des Irak-Krieges hat die Regierung Bush erneut den Kürzeren gezogen. Vizepräsident Cheney habe anders als von diesem angedeutet keine zusätzlichen Informationen über eine Zusammenarbeit zwischen Bin Laden und Saddam Hussein, stellte die 9/11-Kommission klar.


Dick Cheney: "Wir wissen es nicht"
AP

Dick Cheney: "Wir wissen es nicht"

Washington - In einer schriftlichen Stellungnahme teilte das Gremium mit, bei der Überprüfung aller öffentlichen Äußerungen Cheneys zu Kontakten zwischen Saddam und Bin Laden habe sich herausgestellt, dass der Vizepräsident die gleichen Informationen habe wie die Kommission.

Cheney hatte in einem Interview mit dem Sender CNBC nicht ausgeschlossen, dass der Irak beim Angriff der al-Qaida auf New York und Washington seine Finger im Spiel hatte. "Wir wissen es nicht", hatte er auf eine entsprechende Frage geantwortet. Und auf die Frage, ob er über Informationen verfüge, die der Untersuchungskommission unbekannt seien, sagte Cheney damals "möglicherweise". Daraufhin hatte die Kommission den Vertreter von US-Präsident George W. Bush aufgefordert, seine Informationsquellen zu nennen. Doch das geschah nicht, berichtet der US-Sender CNN.

Auch bei einer anderen Cheney-Äußerung wagte sich der US-Vize offenbar zu weit vor: Die Regierung habe seinerzeit einen Bericht des tschechischen Geheimdienstes über ein Treffen zwischen einem irakischen Agenten und dem Chef-Attentäter Mohammed Atta in Prag kurz vor dem 11. September gehabt. Dieser Bericht habe bislang "weder verifiziert noch auseinandergenommen" werden können, sagte Cheney damals. Die Kommission hat dazu andere Erkenntnisse: Sie glaubt nicht, dass es ein solches Treffen in Prag jemals gegeben habe.



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