Berichte über Bin-Laden-Tötung US-Navy untersucht möglichen Geheimnisverrat

Er erklärte sich zum Mann, der Osama Bin Laden tötete. Nun untersucht die Navy, ob Elitekämpfer Rob O'Neill Geheimnisse verraten hat. Über seine Rolle bei der Kommandoaktion gibt es widersprüchliche Aussagen.

Pakistanische Zeitung vom 3. Mai 2011: Osama Bin Laden ist tot
REUTERS

Pakistanische Zeitung vom 3. Mai 2011: Osama Bin Laden ist tot


Washington - Die Navy Seals haben klare Regeln: "Weder gehe ich mit meiner Arbeit hausieren, noch suche ich Anerkennung für meine Taten", so steht es in dem Ehrenkodex der US-Elitekämpfer. Doch im November brach Rob O'Neill das Schweigegelübde. Der 38-jährige Ex-Kämpfer erklärte, er sei es gewesen, der am 2. Mai 2011 bei der Kommandoaktion in Pakistan die tödlichen Schüsse auf Terror-Chef Osama Bin Laden abgegeben habe.

Die US-Marine, zu der die Navy Seals gehören, untersucht nun, ob Rob O'Neill womöglich Geheimnisse verraten hat. O'Neill hat inzwischen mehrere Interviews gegeben und dabei auch erklärt, er habe sich sehr anstrengen müssen, weder klassifizierte Informationen noch Details zur Seal-Taktik auszuplaudern.

Beim Naval Criminal Investigative Service ist nach Angaben des Sprechers Ryan Perry eine Anzeige gegen O'Neill eingegangen. Der Ex-Soldat wird darin beschuldigt, klassifizierte Informationen an Personen weitergegeben zu haben, die diese nicht hätten bekommen dürfen. "Als Reaktion darauf haben wir eine Untersuchung eingeleitet", sagte Perry.

Rob O'Neill war seit 1995 bei der US-Marine und bekam während seiner Dienstzeit zweimal den Silver Star und fünfmal den Stern in Bronze. Er hatte vor eineinhalb Jahren bereits dem US-Magazin "Esquire" sehr ausführlich Rede und Antwort gestanden, allerdings ohne seine Identität zu offenbaren. Er wurde stets nur als "der Schütze" bezeichnet. O'Neill hatte erklärt, die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, mehr Details über die Operation in Abbottabad (Pakistan) zu erfahren.

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Tödliche US-Operation: Die Jagd auf Bin Laden

Bin Laden wohnte ab dem Jahr 2006 in einem Gebäude nahe Abbottabad in Pakistan. Dort wähnte er sich in Sicherheit vor den US-Soldaten, die nach ihm in Afghanistan fahndeten. Doch über einen Kurier Bin Ladens kam die CIA schließlich auf die Spur des damals meistgesuchten Mannes der Welt. Am 2. Mai 2011 wurde das Versteck gestürmt und Bin Laden erschossen.

Ob O'Neill tatsächlich der Todesschütze war, ist allerdings umstritten. Beamte aus dem Pentagon hatten erklärt, es stehe nicht fest, wer Bin Laden getötet habe. Laut den Schilderungen eines anderen Navy Seals, Matt Bissonnette, könnte O'Neill nur zur Sicherheit auf den bereits tödlich getroffenen Bin Laden gefeuert haben. Der Terrorchef soll demnach vom sogenannten Point Man des Seal-Trupps erschossen worden sein, der zuerst auf Bin Laden getroffen war.

hda/AP

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doubletrouble2 24.12.2014
1. Das Schweigen der Lämmer
Navy-Seals sind hochqualifizierte Schlachtlämmer und es ist fast unmöglich, sie im Kampf zu töten. Der Grund liegt in der extrem harten Vorauswahl der Bewerber und dem rigorosen Training dieser Elite. Letztlich entscheidet der Verstand und die Psyche über eine erfolgreiche SEAL-Karriere und dazu gehört unbedingt das Schweigegebot dieser Kriegerkaste. Wer es bricht, begeht Verrat und dieser Soldat ist im moralischen Sinne schuldig, vielleicht nicht im juristischen Sinne. Allerdings sollte die US-Navy allen Ex-SEALS ein Auskommen sichern, so wie es die Römer bereits mit ihren Legionären nach 25 Jahren Dienstzeit taten. Nur dadurch sicherten sie sich letztlich deren Loyalität.
rot 24.12.2014
2. Gerechtigkeit, Rache, Heldentat oder Gegenterror?
Ich bin keineswegs ein Sympathisant von Bin Laden. Aber die Ermordung eines Menschen mit erheblicher Überzahl der noch dazu aus dem Schlaf heraus überrascht wird, ist mE alles andere als eine Heldentat. Noch dazu konnte damals niemand sicher sein ob die erfasste "Zielperson" wirklich Bin Laden ist. Die Tatsachen sind eher so, dass mehrere Personen bei ziemlich schlechter Sicht auf einen Menschen geschossen haben und hinterher festgestellt wurde, dass es Bin Laden war. Was wenn nicht? War den "Helden" wohl auch egal? Ich würde eher die große "Heldenklappe" halten, weil man sich damit so ziemlich auf das gleich Niveau wie die Terroristen begibt.
speedy 24.12.2014
3. Nennen sie das Ehrhaft und redlich???
Dies ist wieder ein Beweis das die angeblichen Verschwöhrungen von den USA oder auch anderen Geheimdiensten durchführbar sind.Alleine die Tatsache das sie dies unter Verschwiegenheit Töten dürfen,ist Menschenünwürdig.Denn diese Seals würden jederzeit jeden töten wenn sie den Befehl dazu bekommen.wenn der Kapitalismus in Form der USA und des Dollarsystem Angst haben müssten ihre Stellung zu verlieren,würde ein US-Präsident der dem Kapital untersteht alles tun um dies zu verhindern.Egal was ihr tut ein großer Teil der Bevölkerung von sog. Demokratien haben das Vertrauen in euch und eurer Ideologie verloren.Die Menschen lassen sich nicht mehr so leicht von euch vernebeln.Was auch wieder mit diesem Artikel geschen soll!!!
politik-nein-danke 24.12.2014
4. @doubletrouble
Im Kampf sterben die Navy Seals wie alle anderen Soldaten auch. Der Trick bei Ihren Einsätzen ist, es garnicht auf einen Kampf ankommen zu lassen bzw. nur auf begrenzte Feuergefechte wo die Seals die Feuerüberlegenheit und das Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben, so dass es nicht zu einem Kampf sondern nur zu einer kurzen, recht einseitigen Angelegenheit kommt.
die_bittere_wahrheit 24.12.2014
5. zu #1
20 Jahre active duty, honorably discharged = 50% base pay der letzten erhaltenen Besoldungsstufe PLUS unentgeldliche militaeraerztliche Versorgung durch VA wuerde ich nicht als NICHTS bezeichnen. Das ist vermutlich mehr als der deutsche Rentner mit 67 erhaelt; mehr als der normale US Arbeiter in Rente sowieso ... und das bekommen in den Staaten Ex Soldaten mit ende 30 (im Idealfall also 37 Jahre). Weiterhin ist ein Hinzuverdienst ohne Einbussen in unbegrenzter Hoehe moeglich. ab 30 Jahren active duty maximaler Rentenanspruch =75% (jedes Jahr ueber 20 = +2,5% "Rentenanspruch" ) Quelle: mein Nachbar. LtCol US Army ret. , 57 Jahre alt, seit 3 Jahren 'pensioniert' und in freiwilliger Reserve, ein Mann in der Bluete seines Lebens. Der geht Arbeiten weil es ihm Spass macht ...
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