Bin Ladens Hinterlassenschaften Terror-Analysten hoffen auf fette Beute

Festplatten, Papiere und Memory-Sticks: Die Daten und Dokumente, die nach der Erschießung Bin Ladens sichergestellt wurden, könnten für Terror-Analysten von unschätzbarem Wert sein. Erstmals dürfen die Auswerter auf Antworten auf ihre drängendsten Fragen über das Terrornetzwerk hoffen. Ein Überblick.

Von Yassin Musharbash


Pornobildchen, ausgerechnet: Unter Auswertern bei Geheimdiensten und Polizeibehörden weltweit ist es fast schon ein running gag, wie häufig sie in den Asservaten von Terroristen und Terrorverdächtigen auf erotisches Bildmaterial stoßen. Auf seriösen Fachkonferenzen diskutieren Experten gelegentlich sogar darüber, ob man diesen Umstand nicht offensiv bekanntmachen sollte: Vielleicht, so das Kalkül, kann diese offenkundige Doppelmoral al-Qaidas "große Erzählung" vom Kampf der Guten gegen das Böse unterminieren.

Nach ihrer Erstürmung des Verstecks haben die US-Navy-Seals große Mengen Daten und Dokumente in Bin Ladens Haus sichergestellt. In amerikanischen Medien ist von fünf Computern die Rede, darüber hinaus von zehn Festplatten und rund hundert Datenträgern, also vermutlich CDs oder Memory Sticks. Noch ist unklar, ob Bin Laden persönlich diese Utensilien nutzte, ob überhaupt relevante Inhalte darauf zu finden sind und ob ein Teil der Daten verschlüsselt oder codiert ist. Aber zumindest die Hoffnung besteht, dass der Fund neue, tiefe Einblicke in die bisher nicht ausgeleuchteten Ecken des Qaida-Universums ermöglicht. An einem geheimen Ort, heißt es aus Washington, scannen Analysten der CIA und anderer Behörden bereits Material, um möglichst rasch einen Überblick zu erlangen - einige Hinweise könnten dringend sein.

Al-Qaida hat für Geheimdienste in aller Welt seit Jahren Top-Priorität. Trotzdem sind viele Fragen ungeklärt, die Analysten und jene, die auf Grundlage ihrer Empfehlungen Entscheidungen treffen müssen, daher oft auf Mutmaßungen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen angewiesen. Ein Überblick über die drängendsten Fragen.

insgesamt 7411 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
HansOch 02.05.2011
1. Bin Laden
na, da müsste die Welt ja friedlicher werden H.
woener 02.05.2011
2. Profile
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Es ist ein Name, was hinter diesem Namen alles verborgen ist, das wird verborgen bleiben. Der einzig authentische Zeuge ist tot. Selbst die SPD hat über Herrn Wiefelspütz schon vermelden lassen, dass die Gefahr noch nicht beseitigt ist und die "Terrorschutz - Notstandsgesetze" erhalten bleiben. Ob man in der CDU dann gleich zur umfassenden Einführung aller Notstandsgesetze greift? Die Bespitzelungsgesetze werden nun aber zur Bewährungsprobe für die FDP werden können, eine neue Chance zur Profilierung?
Greg84 02.05.2011
3.
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
endbenutzer 02.05.2011
4. Mission beendet
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission „Krieg gegen Terror“ zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
G_Schwurbel 02.05.2011
5. weder noch
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Die Welt wird durch seinen Tod weder sicherer noch unsicherer. Al Quaida ist ein Netzwerk, es würde mich wundern, gäbe es für Bin Laden keinen Nachfolger (seinen Tod hat er schließlich einkalkuliert). Vielleicht hat er auch vorher als Rache für seine Tötung den Auftrag erteilt, direkt danach Attentate zu verüben? Alles denkbar...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.