Bin Ladens Leben in Pakistan Was die junge Witwe aussagt

Drei Ehefrauen Osama Bin Ladens sind im Gewahrsam des pakistanischen Geheimdienstes. Die Jüngste schlief neben dem Terrorchef, als US-Soldaten ihr Haus stürmten. Jetzt spricht sie über die tödliche Nacht und das Leben des Qaida-Führers in Pakistan.

Aus Abbottabad berichtet

DPA

Amal Ahmed al-Sadah, 29, hat viel zu erzählen. Pakistanische Geheimdienstleute verhören sie in einem Militärkrankenhaus, vermutlich in Abbottabad. Die Ärzte behandeln ihre Schussverletzung am Bein. Al-Sadah, eine Jemenitin, die seit 2000 mit Osama Bin Laden verheiratet war, ist die jüngste Witwe des einst meistgesuchten Terroristen der Welt. Sie hielt sich mit ihrem Mann im Schlafzimmer auf, als ein US-Kommando in der Nacht von Sonntag auf Montag das Gebäude stürmte und ihren Mann erschoss.

Nach Angaben eines Ermittlers gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte die Frau aus, sie hätten schon im Bett gelegen und geschlafen, als sie durch Schüsse wach wurden. Von Hubschrauberlärm soll sie nichts gesagt haben. Noch bevor Bin Laden zu einer Waffe greifen konnte, stürmten Mitglieder des Navy-Seals-Teams in das Haus und schossen. Diese Informationen bestätigen amerikanische Angaben, wonach Bin Laden zum Zeitpunkt des Zugriffs nicht bewaffnet war. Al-Sadah selbst wurde von einer Kugel am Bein getroffen.

Der pakistanische Geheimdienst ISI rekonstruiert derzeit mit Hilfe ihrer Aussagen den Weg Bin Ladens seit seiner Flucht aus dem afghanischen Tora Bora, nachdem alliierte Truppen unter US-Führung infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert waren. Ein Beteiligter sagte, man wolle ein "umfassendes Bild" gewinnen und es erst dann den Amerikanern übergeben. Dies sei zwar "keine Wiedergutmachung" des Versagens des pakistanischen Geheimdienstes, der nach eigenen Angaben nichts von Bin Ladens Aufenthaltsort gewusst haben will, aber doch "ein Zeichen des guten Willens".

Derzeit hätten US-Ermittler noch keinen Zugang zur Witwe oder zu den anderen Gefangenen, darunter zwei weitere Witwen Bin Ladens, zwei Söhne, eine Tochter, vier Enkelkinder, deren Mutter - ebenfalls eine Tochter Bin Ladens - bei einer US-Drohnenattacke im pakistanischen Waziristan ums Leben gekommen war. Insgesamt hatten pakistanische Sicherheitskräfte 17 Menschen auf dem Anwesen vorgefunden, die das US-Kommando mit Plastikbändern an den Händen gefesselt zurückgelassen hatte.

Den Angaben der Ermittler zufolge war Bin Laden mit seiner Familie zunächst in die Stammesgebiete im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan geflohen, wo keine staatlichen Kräfte, sondern Stammesälteste - und zum Teil Extremisten - das Sagen haben. Pakistanische und amerikanische Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass der Chef des Terrornetzwerks al-Qaida in dieser Zeit seinen Aufenthaltsort alle paar Tage wechselte.

Vorliebe für Wassermelonen

Im Jahr 2003 sei Bin Laden dann in das Dorf Chak Shah Mohammad umgesiedelt, im Distrikt Haripur, etwa eineinhalb Autostunden von der pakistanischen Hauptstadt Islamabad entfernt und auf halber Strecke bis nach Abbottabad.

Ende 2005 sei die Familie in das Haus in Abbottabad gezogen, in dem Bin Laden jetzt bei der Operation "Geronimo" getötet wurde. Die Hausbauer, die dem US-Geheimdienst CIA als Kuriere Bin Ladens auffielen, waren nach Informationen der Zeitung "Dawn" mit Bin Laden verwandt: Einer von seinen Söhnen - der ebenfalls bei dem Zuschlag getötet wurde - war mit der Schwester dieser Männer verheiratet.

Die Aussagen der Witwe widerlegen auch die Annahme, Bin Laden sei schwer nierenkrank gewesen. "Er war weder schwach noch gebrechlich", soll sie einem Ermittler zufolge gesagt haben, berichtet "Dawn" weiter. In früheren Jahren war mehrfach berichtet worden, Bin Laden sei schon an einer Nierenerkrankung gestorben.

Al-Sadah sagte dagegen, ihr Mann habe sich noch während der Taliban-Herrschaft, also vor 2001, in der südafghanischen Stadt Kandahar zweimal operieren lassen. Seither habe er sich gut erholt und hätte außer Hausmitteln wie Wassermelonen kaum Medikamente eingenommen. "Er glaubte an seine eigene Medikation", soll die Witwe den Ermittlern gesagt haben.

Die Frau sagte den Ermittlern auch, ihr Mann sei nur sehr selten besucht worden. Ihr Mann habe Gelder für al-Qaida erhalten, habe aber sonst nicht mehr viel mit dem Terrornetzwerk zu tun gehabt.

Der US-Sender Fox berichtete, Al-Sadah könnte an die USA ausgeliefert werden. Aus pakistanischen Ermittlerkreisen war zu hören, dass dies "eine Möglichkeit" sei, über die aber noch nicht entschieden wurde. Wahrscheinlicher sei, dass alle Gefangenen in ihre Heimatländer abgeschoben würden, im Falle Al-Sadahs also in den Jemen.

Terroristenhort Abbottabad

Die Amerikaner pochen dagegen darauf, die Festgenommenen auch selbst zu vernehmen. Weshalb sie sie nach dem nächtlichen Einsatz zurückließen, ist unklar. Womöglich liege es daran, dass es keine Transportkapazitäten mehr gab, nachdem ein Hubschrauber nicht mehr starten konnte und zurückgelassen werden musste. Die US-Einsatzkräfte zerstörten ihn, später stellte sich heraus, dass es sich um einen neuartigen Stealth-Helikopter handelt, der relativ leise und nur schwer per Radar zu orten ist. Amerikanischen Medienberichten zufolge hat das Pentagon Pakistan gebeten, die Trümmer zurückzugeben.

Die Aussagen von Amal Ahmed al-Sadah passen in das Bild vom Terroristenhort Abbottabad. In den vergangenen Tagen haben Militär, Militärpolizei, Geheimdienst und Polizei mehr als 60 Männer in diesem Distrikt verhaftet, darunter drei Ausländer, zwei Ägypter und einen Jemeniten. "Wir überprüfen, inwiefern sie terroristisch aktiv waren", sagte ein Polizeioffizier. Auch der indonesische Top-Terrorist Umar Patek, der in den Bombenanschlag auf Bali vor neun Jahren verwickelt ist, bei dem 202 Menschen ums Leben kamen, wurde vor einigen Wochen im Distrikt Abbottabad verhaftet. Indonesische Regierungsvertreter verlangen seine Auslieferung. Sie behaupten, er sei auf dem Weg zu Osama Bin Laden gewesen.

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insgesamt 122 Beiträge
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Seite 1
unclevanya 07.05.2011
1. Fact Or Fiction?
Zitat von sysopDrei Ehefrauen Osama Bin Ladens sind in Gewahrsam des pakistanischen Geheimdienstes. Die Jüngste schlief neben dem Terrorchef, als US-Soldaten ihr Haus stürmten. Jetzt*spricht sie über die tödliche Nacht und das Leben*des Qaida-Führers*in Pakistan. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,761229,00.html
Fact Or Fiction? Pakistan Knew About Bin Laden Raid In Advance By Rick Ungar Evidence is now emerging that the Pakistani government and military not only knew of America's plans to launch an attack on Osama bin Laden's compound far in advance, but assisted the United States in the effort. http://www.informationclearinghouse.info/article28032.htm
Rodelkönig 07.05.2011
2.
Erst unangemeldet mit Militärtruppen in ein souveränes Land eindringen, um Hinrichtungen vorzunehmen, dabei so dämlich sein und einen neuartigen Tarnkappen-Helikopter abstürzen lassen und dann auch noch darum bitten, das Wrack zurückzubekommen. An Pakistans Stelle würde ich das Wrack oder die daraus gewonnenen Erkenntnisse meistbietend verkaufen. China beispielsweise hätte daran sicherlich auch großes Interesse. Dann ist der geheime Helikopter eben nicht mehr geheim. Das ist halt der Preis dafür, wenn man sich dämlich verhält.
Helmut Pirkl 07.05.2011
3. Druck
Es ist langsam an der Zeit, dass die Mythen um Osama ein Ende finden. Es ist kaum noch zu ertragen, was uns aus den Unterschiedlichkeiten Kreisen und Vernetzungen an Firlefanz vorgeführt wird. Dass O(sa)ma als Märchentante wirklich glaubt, dass seine Mitteilungen überhaupt noch außerhalb des Mainstreams Interesse finden, kann bezweifelt werden. Entweder ist er zu bedauern ob seiner Gutgläubigkeit, oder er steht unter gewaltigem Druck der Oligarchen, die in ihm den nächsten Präsidenten sehen. Er selber wird wohl kaum noch Einfluss darauf haben.
halsbeißer 07.05.2011
4. Vorbild?
"vier Enkelkinder, deren Mutter - ebenfalls eine Tochter Bin Ladens" - was bedeutet, dass mit seiner Tochter vier Kinder gezeugt hat?
bluemetal 07.05.2011
5. Nachhilfeunterricht
Osama-> Tocher+Ehemann = 4 ENKELkinder Was gibt´s da nicht zu verstehen ???
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