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Bin Ladens Notizen: Streit über Angriffsziele spaltete al-Qaida

Das US-Sonderkommando Navy Seals hat Millionen Seiten geheimer Qaida-Dokumente und ein Tagebuch Osama Bin Ladens sichergestellt. Demnach tobte unter den Dschihadisten ein Streit über künftige Angriffsziele: Der Terrorchef hatte seine eigenen Pläne für neue Attacken - die auf bizarren Todeskalkulationen basierten.

Geheimdokumente: Bin Ladens Angriffspläne Fotos
AFP

Hamburg - Unerkannt lebte Osama Bin Laden jahrelang in seinem Versteck im pakistanischen Abbottabad. Von dort steuerte er die Aktionen der Qaida - entfachte aber auch einen massiven Streit über die zukünftigen Angriffsziele der Terrororganisation. Dies haben erste Auswertungen der sichergestellten Datenträger - und eines persönlichen Tagebuchs - aus dem Versteck des Terrorfürsten ergeben.

"Bin Laden bestand darauf, die USA und den Westen zu attackieren", sagte ein Mitarbeiter des US-Geheimdienstes, der an der Sichtung des beschlagnahmten Materials beteiligt ist, der "Washington Post". Andere Qaida-Mitglieder hätten dagegen die zu erwartende Reaktion der USA nach einem solchen Angriff gefürchtet und sich für andere Ziele ausgesprochen.

Von einem Vorhaben sei Bin Laden dabei geradezu besessen gewesen: einen Anschlag von der Größe des Angriffs auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 zu wiederholen - am liebsten zum zehnten Jahrestag der Katastrophe.

Zu diesem Zweck habe er seine Untergebenen angewiesen, ganz gezielt Personen zu suchen, die "sich in den USA unterdrückt fühlen", heißt es laut "Washington Post" in den Aufzeichnungen Bin Ladens. Dabei sollte man sich nicht auf Muslime, sondern auf Afroamerikaner und Latinos konzentrieren.

"Mafia-Pate, der von seiner Gefängniszelle aus die Fäden zieht"

Doch warum bestand Bin Laden auf einem solch massiven Attentat, während andere Qaida-Mitglieder die Nadelstich-Taktik vieler kleiner Angriffe vorzogen? Laut dem britischen "Guardian" finden sich in den persönlichen Aufzeichnungen des Terroristen bizarre Rechenbeispiele, die eine Erklärung liefern könnten. Mit seinen Kalkulationen habe Bin Laden ermitteln wollen, wie viele Todesopfer nötig wären, um einen Abzug der US-Truppen aus dem Nahen Osten zu erzwingen. Das Ergebnis: Nur mit einem Blutbad vom Ausmaß der 9/11-Anschläge sei ein ausreichender "Schockeffekt" zu erzielen, so der "Guardian" mit Verweis auf die Tagebücher.

Dabei hebt der "Guardian" ein Detail besonders hervor: Bin Laden hatte seine Untergebenen angewiesen, von New York als erneutes Anschlagsziel abzusehen. Stattdessen sollte man sich auf Städte wie Los Angeles konzentrieren. Ein weiteres Szenario sah mehrere parallele Angriffe in kleineren Städten vor. Neben Flugzeugen hätten die Terroristen auch Personenzüge als mögliche Ziele fokussieren sollen.

Klar wird, dass Bin Laden auch in seinem Versteck laut US-Regierung deutlich mehr Einfluss auf die Geschicke der Qaida gehabt hat als bisher vermutet. Die "Post" vergleicht ihn mit einem "Mafia-Paten, der von seiner Gefängniszelle aus die Fäden zieht". So habe Bin Laden seinen engsten Untergebenen regelmäßig Anweisungen zukommen lassen, bis hin zu Qaida-Zellen im Jemen habe sein direkter Einfluss gereicht.

Dabei habe es sich jedoch um allgemeine Ausrichtungen und keine konkreten Handlungsanweisungen gehandelt, so die Geheimdienstquelle, die Bin Laden mit einem Generaldirektor vergleicht.

Millionen Seiten müssen ausgewertet werden

Noch immer sind die Experten der CIA mit der Sichtung des Materials beschäftigt. Vor ihnen liegt eine gewaltige Aufgabe: Mehr als hundert Datenspeicher, Computer und Flash Drives sollen bei der Erstürmung des Anwesens sichergestellt worden sein. Die Datenmenge entspricht laut "Washington Post" mehreren Millionen gedruckten Seiten, die alle aus der arabischen Sprache übersetzt werden müssen.

Zunächst scanne man das Material jedoch vor allem auf zwei Faktoren hin: die Namen US-amerikanischer Städte, die mögliche Angriffsziele werden könnten. Und auf die Namen anderer mutmaßlicher Qaida-Mitarbeiter.

Zu hohe Erwartungen solle man dabei jedoch nicht hegen, so der Geheimdienstmitarbeiter: "Wir werden keine Excel-Tabellen mit Namen oder konkrete Anschlagsanleitungen finden." Stattdessen erhoffe man sich einen generellen Überblick über die Organisationsstrukturen des Netzwerks.

Verbindungen Bin Ladens zur Regierung oder dem Geheimdienst Pakistans habe man bisher nicht feststellen können. Die Tatsache, dass der meistgesuchte Mann der Welt mehr als sechs Jahre unerkannt in einer pakistanischen Kleinstadt leben konnte, hatte Spekulationen über eine solche Verbindung laut werden lassen.

"Bin Laden ist faul und selbstzufrieden geworden"

Eines habe der Ablauf der geheimen Kommandoaktion in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai und die erste Durchschau der Dokumente bereits ergeben: Der Terrorfürst hatte offenbar nicht mit einem Angriff auf sein Versteck in Abbottabad gerechnet. "Ich glaube nicht, dass er erwartet hat, in diesem Haus zu sterben", sagte ein hochrangiges Mitglied der US-Regierung der "Washington Post".

Es habe keine Vorkehrungen gegeben, den Informationsschatz vor dem Zugriff durch westliche Mächte zu schützen, ebenso wenig wie konkrete Fluchtpläne für die Bewohner des Hauses. "Bin Laden ist faul und selbstzufrieden geworden", so der Regierungsvertreter.

jok

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insgesamt 222 Beiträge
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1. Bin Laden -Tagebücher...
fritzehü 12.05.2011
und Konrad Kujau, lebt der noch?
2. ...
Passivist 12.05.2011
Also ich bin ja froh, dass dieser Mann nicht mehr unter uns weilt.
3. Terrorfürst?
finderin 12.05.2011
Terrorfürst ist ein Unwort, finde ich.
4. propaganda, propaganda der Amis
nagota 12.05.2011
wer glaubt denn so einen Mist der uns hier mal wieder aufgetischt wird...
5. Faul und selbstzufrieden
Braunschweiger77, 12.05.2011
"Bin Laden ist faul und selbstzufrieden geworden" Aber gleichzeitig soll er auf "Millionen Seiten" Anschlagspläne ausgeheckt haben. Naja, die USA sind immer wieder für einen Lacher gut.
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Video-Spezial
Osama Bin Laden: Neuigkeiten und Hintergründe zum Tod des Top-Terroristen
Osama Bin Laden über...
 
Den 11. September
"Wir berechneten im Voraus, wie viele Verluste der Feind erleiden würde. Wir nahmen als Grundlage die Position des Turms und errechneten, wie viele getötet werden würden. Wir schätzten, dass ungefähr drei bis vier Stockwerke getroffen werden würden. Ich war besonders optimistisch ..., weil ich auf diesem Gebiet bereits Erfahrung habe. Ich vermutete, das brennende Benzin würde die Eisenträger des Gebäudes schmelzen. Aber ich dachte nur, dass die Einschlagstelle und die Stockwerke darüber einstürzen würden. Mehr wagten wir nicht zu hoffen."

November 2001, zitiert nach: Abou-Taam/Bigalke: "Die Reden des Osama Bin Laden"
Den Irak-Krieg
"Ich jubele darüber, dass Amerika in den Schlammlöchern des Tigris und Euphrat steckengeblieben ist... Bush glaubt, der Irak und sein Öl seien leichte Beute, und nun steckt er durch die Gnade Gottes fest und kann weder vor noch zurück. Amerika schreit aus voller Kehle, während es vor den Augen der Welt auseinanderbricht."

Oktober 2003, zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"
Amerika
Im September 2007 wandte sich Osama Bin Laden "an die Amerikaner": "So wie ihr euch zuvor aus der Sklaverei der Mönche, Könige und Feudalherren befreit habt, so solltet ihr euch jetzt von den Irreführungen ... des kapitalistischen Systems befreien."

Politische, geschichtliche und moralische Erörterungen vermischend, zeichnet Bin Laden das Bild einer Nation, die auf der Verliererstraße ist. Obwohl militärisch übermächtig, könnten die Amerikaner im Irak nicht gewinnen - weil sie zwar moralisch argumentierten, in Wahrheit aber nur den Interessen internationaler Konzerne folgten.

Das Ansehen der USA sei deswegen ruiniert. Um "den Krieg zwischen uns" zu stoppen, gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder die Mudschahidin stellten die Kampfhandlungen ein, was aber nicht gehe, weil sie eine Pflicht erfüllten. Oder die USA sähen endlich ein, dass sie die Verlierer im Irak seien. Es sehe aber so aus, als würden sie die eigenen Fehler aus dem Vietnam-Krieg und die der Sowjets aus dem Afghanistan-Feldzug wiederholen und sich vor der besseren Einsicht drücken.

Es gebe allerdings einen Ausweg, sagte Bin Laden weiter: Die Amerikaner sollten "nach einem alternativen, aufrechten Weg suchen", in dem es nicht darum gehe, andere zum eigenen Nutzen zu unterdrücken. Natürlich hat dieser Weg auch einen Namen: Die Amerikaner sollen zum Islam konvertieren.
Die Europäer
"Unsere Aktionen sind nur eine Antwort auf eure Aktionen - eure Zerstörung und und euren Mord an unseren Leuten, ob in Afghanistan, im Irak oder Palästina... Nach welchem Glauben sind eure Toten wertvoll und unsere wertlos? Nach welcher Logik zählt euer Blut als echt und unseres als Wasser? Vergeltung ist Teil von Gerechtigkeit, und der, der feindliche Akte zuerst begeht, ist der, der unrecht handelt. Ich rufe alle Männer, insbesondere Gelehrte, die Medien und Geschäfstleute dazu auf, eine permanente Kommission einzuberufen, um in Europa das Bewusstsein für unsere gerechten Gründe zu stärken... Ich mache einen Friedensvorschlag, der im Kern die Verpflichtung darstellt, alle Operationen gegen jeden Staat einzustellen, der sich verpflichtet, keine Muslime oder islamischen Staaten anzugreifen. "

April 2004, zitiert nach: Lawrence: "Messages to the World. The Statements of Osama Bin Laden"
Den "Kampf der Kulturen"
"Ohne jeden Zweifel (glaube ich an den Kampf der Kulturen). Das heilige Buch erwähnt ihn klar. Die Juden und Amerikaner haben das Lügenmärchen vom Frieden auf Erden erfunden. Das ist nur ein Märchen für Kinder."

Nach dem 11. September 2001 auf al-Dschasira. Zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"


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