Bin Ladens Seebestattung "Sein Körper glitt ins Wasser"

Die letzte Reise eines Terrorfürsten: Osama Bin Ladens Leiche hat nach US-Angaben eine Zeremonie "im Einklang mit muslimischen Praktiken" bekommen - dann wurde sie von einem Flugzeugträger aus im arabischen Meer versenkt. Islamexperten kritisieren die Entscheidung für ein Seegrab scharf.

Flugzeugträger "Carl Vinson" (im Januar 2011): "Der Körper glitt ins Wasser"
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Flugzeugträger "Carl Vinson" (im Januar 2011): "Der Körper glitt ins Wasser"


Hamburg - Über zehn Jahre war der Aufenthaltsort von Osama Bin Laden ein streng gehütetes Geheimnis - gleiches gilt nun für seine letzte Ruhestätte. Irgendwo im nördlichen Teil des arabischen Meers hat das US-Militär die Überreste des Top-Terroristen der See übergeben.

Wie der Kommandoeinsatz, der zur Erschießung Bin Ladens in der Stadt Abbottabad führte, war auch die Entsorgung des Leichnams straff durchgeplant. Nach der Identifizierung in Afghanistan wurde der Leichnam auf die "USS Carl Vinson" gebracht, einen nuklear betriebenen Flugzeugträger. An Bord des mehr als 300 Meter langen Kriegsschiffs begann die letzte Reise für Osama Bin Laden.

Auf dem Flugdeck des Schiffs erhielt Bin Laden nach Angaben des Militärs ein Begräbnis, das "im Einklang mit den muslimischen Praktiken und Traditionen" durchgeführt wurde. Nach den Vorschriften des Islam muss eine Bestattung möglichst innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod geschehen.

Der britische "Telegraph" zitiert ein hochrangiges Mitglied der Streitkräfte, das den Ablauf der Riten an Bord der "USS Carl Vinson" beschreibt: "Der Körper des Verstorbenen wurde gewaschen und danach in ein weißes Laken gewickelt. Dann wurde er in einen beschwerten Sack gesteckt."

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Tödliche US-Operation: Jagd auf Bin Laden
Während dieses Rituals habe ein Militär-Offizieller religiöse Schriften gelesen, die dann von einem Muttersprachler ins Arabische übersetzt wurden. "Nachdem die Lesung vorbei war, wurde der Körper auf ein vorbereitetes flaches Brett gelegt. Dieses Brett wurde dann gekippt - und der Körper glitt ins Wasser", zitiert der "Telegraph" den Militär.

Deutliche Kritik von Islamwissenschaftlern

Obwohl sie das Gegenteil beteuern, haben sich die USA bei dem Seebegräbnis nach Expertenansicht über islamische Traditionen hinweggesetzt. "Die Tradition sieht eine Erdbestattung vor, bei der der Körper auf der rechten Seite liegt und das Gesicht in Richtung Mekka zeigt", sagte der Islamwissenschaftler Thomas Bauer von der Universität Münster der Nachrichtenagentur dpa.

"Seebestattungen sieht das islamische Recht nur als Notlösung vor, wenn der Tod auf hoher See eintritt." Obwohl es "eine große Seefahrertradition" von Muslimen im Indischen Ozean gebe, sei ein Fall wie das Seegrab für Bin Laden bisher nicht bekannt, erläuterte der Islamwissenschaftler. "Dass jemand auf dem Land stirbt und dann auf See bestattet wird, ist kaum mit dem islamischen Recht in Deckung zu bringen."

Mahmud Asab, Berater des ägyptischen Religionsführers Ahmed el Tajeb, teilt diese Einschätzung. Der Islam sei "ganz und gar gegen" eine solche Form der Beisetzung, sagte er am Montag in Kairo.

Praktische Gründe führten zur Entscheidung für eine Seebestattung. Ein US-Regierungsbeamter, der nicht genannt werden wollte, sagte, es wäre schwierig geworden, ein Land zu finden, das zur Aufnahme der sterblichen Überreste des weltweit meistgesuchten Terroristen bereit gewesen wäre. Die USA hätten sich daher für eine Zeremonie auf See entschieden.

Der Islamwissenschaftler Bauer geht nicht davon aus, dass ein Bin-Laden-Grab an Land zu einer Wallfahrtsstätte geworden wäre. "Das ist nicht realistisch. Bin Laden gehörte innerhalb des Islams zur Sekte der Wahhabiten." Für sie sei die anonyme Bestattung die Regel. "Sie lehnen eine Heiligen- oder Gräberverehrung vehement ab." Bauer hat seine eigene Theorie für das schnelle Begräbnis: "Einiges spricht dafür, dass die USA den Leichnam einfach schnellstmöglich verschwinden lassen wollten."

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Osama Bin Laden: Ein Leben, um zu töten
Ohnehin sei weiterhin denkbar, dass der Terroristenführer in den Augen von Fanatikern zum Märtyrer verklärt werde. "So oder so kann es Leute geben, die ihn als Märtyrer bewundern." Dazu sei kein Grab nötig.

jok/dpa/dapd/AFP

Forum - Der Tod Bin Ladens - ein nachhaltiger Schlag gegen den Terror?
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HansOch 02.05.2011
1. Bin Laden
na, da müsste die Welt ja friedlicher werden H.
woener 02.05.2011
2. Profile
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Es ist ein Name, was hinter diesem Namen alles verborgen ist, das wird verborgen bleiben. Der einzig authentische Zeuge ist tot. Selbst die SPD hat über Herrn Wiefelspütz schon vermelden lassen, dass die Gefahr noch nicht beseitigt ist und die "Terrorschutz - Notstandsgesetze" erhalten bleiben. Ob man in der CDU dann gleich zur umfassenden Einführung aller Notstandsgesetze greift? Die Bespitzelungsgesetze werden nun aber zur Bewährungsprobe für die FDP werden können, eine neue Chance zur Profilierung?
Greg84 02.05.2011
3.
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
endbenutzer 02.05.2011
4. Mission beendet
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission „Krieg gegen Terror“ zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
G_Schwurbel 02.05.2011
5. weder noch
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Die Welt wird durch seinen Tod weder sicherer noch unsicherer. Al Quaida ist ein Netzwerk, es würde mich wundern, gäbe es für Bin Laden keinen Nachfolger (seinen Tod hat er schließlich einkalkuliert). Vielleicht hat er auch vorher als Rache für seine Tötung den Auftrag erteilt, direkt danach Attentate zu verüben? Alles denkbar...
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