Hamburg - Es war acht Tage vor dem Einmarsch in den Irak, als Rupert Murdoch zum Telefon griff. Der damalige britische Premierminister Tony Blair hatte eine entscheidende Abstimmung im Unterhaus des Parlaments vor sich, die Entscheidung, ob das Land an der Seite der USA in den Irak einmarschiert.
Murdoch rief Blair an, so erinnert es Blairs damaliger Kommunikationschef Alastair Campbell in seinen Tagebüchern, um aufs Tempo zu drücken. Großbritannien müsse den Krieg unterstützen. Rein in den Irak, an der Seite der USA. Murdoch soll außerdem erklärt haben, Blair könne auf Unterstützung seitens seines Konzerns News International rechnen. Murdoch offerierte offenbar mediale Schützenhilfe.
Der "Guardian" veröffentlichte Auszüge aus dem neuesten Teil der Autobiografie.
Dreimal haben Murdoch und Blair unmittelbar vor dem Irakkrieg miteinander telefoniert, das bestätigte der Ex-Premier im Zuge der Aufarbeitung des Abhör- und Korruptionsskandals um Murdochs "Sun". Murdoch erklärte, er könne sich nicht an die Inhalte der Gespräche erinnern, dass sein Unternehmen schon vorher einen Einmarsch in den Irak befürwortet habe und dass er noch nie irgendeinen Premier um irgendetwas gebeten habe.
Blair und er selbst, schreibt Campbell in dem Eintrag zum 11. März 2003, hätten die US-Regierung hinter dem Anruf vermutet und darin ein weiteres Beispiel für die plumpe Diplomatie Washingstons gesehen. Blair hätte den Anruf seltsam und nicht besonders clever gefunden. Die Abstimmung im Unterhaus gewann Blair dann, er überzeugte selbst Kritiker.
Gegenüber dem "Guardian" wies Murdochs Unternehmen die Darstellung zurück. Es sei total Quatsch zu behaupten, Murdoch habe Blair im Auftrag der Republikaner in den USA zum Irakkrieg gedrängt.
Campbell war ab 1994 der engste Berater Blairs. Nach dem Einmarsch in den Irak 2003 trat er von seinem Posten zurück, wohl auch, weil er an einem umstrittenen Dossier mitgearbeitet hatte, mit dem der Einmarsch zwingend dargestellt werden sollte. Während seiner Zeit an der Seite von Blair schrieb er nach eigenen Angaben ausführlich Tagebuch. Nach dem Ende von dessen Amtszeit 2007 erschien der erste Band seiner Aufzeichnungen, weitere Veröffentlichungen folgten.
ore
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Alastair Campbell | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH