Al-Qaida BKA fürchtet gezielte Jagd auf Ausländer im Jemen

Im Jemen herrscht nach dem Tod zweier Deutscher Alarmstimmung. Das Bundeskriminalamt prüft nach SPIEGEL-Informationen, ob ein Qaida-Kommando gezielt Ausländer verfolgt. Ein Indiz dafür könnte eine vermutlich mehrfach verwendete Tatwaffe sein.

Verteidigungsministerium am 5. Dezember: Dutzende Tote bei Anschlag
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Verteidigungsministerium am 5. Dezember: Dutzende Tote bei Anschlag

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Berlin - Die Gefährdung im Jemen ist aus Sicht der deutschen Behörden so akut wie nie zuvor. Seit einigen Tagen ermittelt das Bundeskriminalamt (BKA), ob ein Qaida-Kommando in dem Krisenstaat möglicherweise gezielt Jagd auf Ausländer macht. Hintergrund sind nach SPIEGEL-Informationen Verbindungen zwischen mehreren Morden und Entführungsversuchen von Ausländern im Jemen.

Bei einem solchen Kidnapping-Versuch starb Anfang Oktober der deutsche Personenschützer Mirko K., der im Schutzteam der Bundespolizei für die deutsche Botschaft tätig war. Inzwischen gehen die Fahnder davon aus, dass der 39-Jährige entführt werden sollte und versuchte zu fliehen. Auf dem Parkplatz vor dem Geschäft traf ihn eine Kugel von hinten in den Kopf.

Mittlerweile prüfen die Ermittler des BKA Hinweise, denen zufolge es zwischen dem kaltblütigen Mord an dem Bundespolizisten und einem weiteren Fall eines Angriffs auf Ausländer in Sanaa einen Zusammenhang geben könnte. So wurde die bei dem Angriff verwendete Waffe möglicherweise auch bei einem Anschlag auf zwei Militärexperten aus Weißrussland eingesetzt. Ein Schütze auf einem Motorrad erschoss einen der Männer vor deren Hotel in Sanaa, der zweite wurde verletzt.

Es gebe Indizien, dass es sich in beiden Fällen um dieselbe Tatwaffe handle, erklärte ein hochrangiger Ermittler. Das BKA prüft zudem, ob zwei Entführungsversuche von saudi-arabischen und katarischen Diplomaten auf das Konto derselben Angreifer gehen könnten, die Mirko K. erschossen. Vor dem Supermarkt hatte ein Zeuge zwar das Kennzeichen ihres Wagens notiert, dieses erwies sich jedoch später als gefälscht.

Mindestens 52 Tote bei Anschlag auf Ministerium

Die Ermittlungen des BKA zeigen die extrem unsichere Lage für alle Ausländer im Jemen. Schon seit Jahren gilt das Land als Rückzugszone für Terroristen vieler Gruppen, mittlerweile aber scheint der lokale Ableger des weltweiten Terror-Netzwerks al-Qaida in der vormals halbwegs sicheren Hauptstadt Sanaa zuschlagen zu können.

Vergangene Woche hatte ein Kommando von Terroristen mit einem komplex geplanten und konzentriert durchgeführten Plot das jemenitische Verteidigungsministerium attackiert. Zunächst hatte sich einer der Täter mit einem sprengstoffbeladenen Wagen vor einem der Tore in die Luft gejagt, ein anderes, mit Armeeuniformen getarntes Kommando stürmte von einer anderen Seite auf das gesicherte Gelände.

Bei der Attacke gingen die Täter brutal vor, sie stürmten ein Militärkrankenhaus in dem Komplex. Dort gingen sie von Zimmer zu Zimmer, erschossen Patienten, Ärzte und Pfleger. Insgesamt gab es mindestens 52 Tote. Bei der Attacke wurden auch zwei deutsche Mitarbeiter der Entwicklungshilfeagentur GIZ getötet.

Michael N., Leiter des Jemen-Programms der GIZ, war erst am Vortag wegen Verdachts auf einen Schlaganfall aufgenommen worden, er wurde im Krankenzimmer niedergestreckt. Sein deutscher Kollege und ein einheimischer Fahrer wurden erschossen, als sie auf dem Weg zu einem Krankenbesuch waren. Eine weitere GIZ-Kollegin konnte sich verstecken und rettete sich später in die deutsche Botschaft.

Bundespolizei will Beamte abziehen

Nach der Attacke zog die Bundesregierung gravierende Konsequenzen und erhöhte die Krisenlage für den Jemen auf Stufe drei, dieser Schritt ist äußerst selten. Als Folge werden alle Entwicklungshelfer aus dem Jemen abgezogen, zur Zeit des Anschlags befanden sich noch rund 30 Helfer im Jemen. Die Botschaft in Sanaa, schon seit Jahren gesichert wie in Militär-Camp, operiert seit Freitag nur noch im Notbetrieb, nur noch eine Hand voll Diplomaten sind dort auf Posten.

Die für den Schutz der Botschaft zuständige Bundespolizei will nach SPIEGEL-Informationen ihre Beamten ebenfalls aus dem Jemen zurückholen, doch das Auswärtige Amt lehnt die bei einem Abzug unvermeidliche Schließung der Deutschen Botschaft bislang ab.

Der Anschlag auf das jemenitische Verteidigungsministerium wurde ersten Ermittlungen zufolge überwiegend von Extremisten aus dem Nachbarland Saudi-Arabien verübt. Die Angreifer hätten Militäruniformen getragen, teilte die zuständige Ermittlungskommission am Samstag in einem vorläufigen Bericht mit.

Der Jemen ist ein instabiler Staat, die Regierung hat die Kontrolle über ganze Landstriche verloren. Der Südjemen etwa ist seit Jahren Schauplatz blutiger Gefechte zwischen der staatlichen Armee und militanten Islamisten sowie Stammeskämpfern.

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klugscheißer2011 08.12.2013
1. Dort auch?
Zitat von sysopDPAIm Jemen herrscht nach dem Tod von zwei Deutschen Alarmstimmung. Das Bundeskriminalamt prüft nach SPIEGEL-Informationen, ob ein Qaida-Kommando gezielt Ausländer verfolgt. Ein Indiz dafür könnte eine vermutlich mehrfach verwendete Tatwaffe sein. BKA fürchtet gezielte Jagd auf Ausländer im Jemen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/bka-fuerchtet-gezielte-jagd-auf-auslaender-im-jemen-a-937823.html)
Warum denn das nun? Hat Seehofer im Jemen die Macht übernommen?
caedus 08.12.2013
2. Optionale Botschaft
Mich wundert es sowieso, warum es im Jemen überhaupt eine deutsche Botschaft gibt. Deutsche, die im Jemen tätig sind oder leben gibt es sowieso nur als Entwicklungshelfer und da diese jetzt abgezogen sind, ist doch der Weg frei für eine Schließung der Botschaft, wenn auch nur vorübergehend...
höngg 08.12.2013
3. optional
Was machen die deutschen "Entwicklungshelfer" dort wohl tatsächlich, was hat es mit dem Jemen auf sich? Das wüßte ich gerne einmal!
kwifte 08.12.2013
4. Die deutschen "Entwicklungshelfer"
Zitat von hönggWas machen die deutschen "Entwicklungshelfer" dort wohl tatsächlich, was hat es mit dem Jemen auf sich? Das wüßte ich gerne einmal!
halten sich vorrangig im jemenitischen Verteidigungsministerium auf, weil dort die Entwicklungshilfe am wirtschaftlichsten für Deutschland ist
Beat Adler 08.12.2013
5. Hinweise? Belege? Beweise?
Zitat von kwiftehalten sich vorrangig im jemenitischen Verteidigungsministerium auf, weil dort die Entwicklungshilfe am wirtschaftlichsten für Deutschland ist
Hinweise? Belege? Beweise? Gibt es die? mfG Beat
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