Blackwater-Nachfolger Söldnerfirma erschleicht Aufträge über Strohfirmen

Mit einem Netz aus Strohfirmen hat sich die umstrittene US-Sicherheitsfirma Xe Services staatliche Aufträge gesichert. Über 30 Tochterfirmen habe das früher Blackwater genannte Unternehmen gegründet, berichtet die "New York Times". Mehrere davon waren in Steueroasen angesiedelt.

Blackwater-Mitarbeiter (2008): Netz von Tochterunternehmen aufgedeckt
AP

Blackwater-Mitarbeiter (2008): Netz von Tochterunternehmen aufgedeckt


Washington - Blackwater. Dieser Name steht seit einem blutigen Zwischenfall im Irak 2007 wie kein anderer für schießwütige Söldnertruppen. Im vergangenen Jahr benannte sich die umstrittene Sicherheitsfirma in Xe Services um - es sollte nicht der einzige Versuch bleiben, unter neuem Namen weiter an staatliche Aufträge zu kommen.

Nach Informationen der "New York Times" hat Blackwater 31 Stroh- und Tochterfirmen gegründet, um Aufträge der US-Streitkräfte und -Geheimdienste zu erhalten. Das habe der Streitkräfteausschuss des Senats ermittelt. Mindestens drei Blackwater-Töchter hätten von der CIA Aufträge erhalten, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Ermittler und frühere Mitarbeiter der Sicherheitsfirma.

Mehrere der Tochterunternehmen seien in Steueroasen angesiedelt, etwa in Barbados. Auf diese Weise habe Blackwater seine Arbeit für die Regierung vor der Öffentlichkeit geheimhalten können, berichteten die ehemaligen Mitarbeiter.

Anscheinend wussten selbst die Auftraggeber nicht immer, mit wem sie es zu tun hatten - das zeigt der Fall Paravant. Die Blackwater-Tochter hatte den Auftrag erhalten, afghanische Soldaten zu trainieren. Sie hätten keine Ahnung gehabt, dass Paravant zu Blackwater gehört, sagten Militärs in diesem Jahr in einer Anhörung vor dem Senat. Die Ermittlungen waren nötig geworden, weil Mitarbeiter der Firma zwei Afghanen erschossen hatten.

Der Vorsitzende des Senatsausschusses, Demokrat Carl Levin, forderte nun vom Justizministerium eine Untersuchung, ob Blackwater die US-Behörden getäuscht habe. Es sei angebracht zu erforschen, "warum Blackwater es nötig hatte, Dutzende andere Namen zu erschaffen", sagte Levin.

Die Sicherheitsfirma ist seit Jahren umstritten. Sie leistet Personenschutz für US-Bürger im Irak und in Afghanistan. Besonders unter ihrem alten Namen Blackwater gab es Vorwürfe wegen Korruption und auch wegen Massakern an Zivilisten.

In die Schlagzeilen geriet Blackwater vor allem durch einen Vorfall im Irak im September 2007. Sicherheitskräfte der Firma waren damals in Bagdad an einer Schießerei auf einem belebten Platz beteiligt, bei der 17 Menschen getötet wurden. Das US-Außenministerium hatte Blackwater anschließend Aufträge zum Schutz von Mitarbeitern und Konvois im Irak entzogen.

Zu Beginn dieses Jahres wurden 250 ehemalige und noch beschäftigte Blackwater-Mitarbeiter aus dem Irak ausgewiesen. Hintergrund war offenbar die schleppende Aufklärung des Massakers in Bagdad. Im April ist der ehemalige Blackwater-Chef Gary Jackson wegen Verstoßes gegen das Waffenrecht und Falschaussage angeklagt worden. Wegen Verstoßes gegen die Regeln für Waffenausfuhren wurde Xe Services im August zu einer Millionenstrafe verurteilt.

Das Netzwerk aus Stroh- und Tochterfirmen wurde nun im Zuge einer Untersuchung von Staatsverträgen aufgedeckt. Es ist nicht klar, wie viele Aufträge die Unternehmen insgesamt erhalten haben. Erst im Juni hatte Blackwater von der CIA einen Vertrag über 100 Millionen Dollar für Einsätze in Afghanistan bekommen - was von US-Abgeordneten scharf kritisiert wurde.

Zur Zusammenarbeit mit Xe Services und seinen Tochterunternehmen sagte ein CIA-Sprecher nun: "Sie machen die Arbeit, die wir verlangen, unter strenger Befolgung der Gesetze; sie werden von der CIA überwacht. Xe hilft dabei, Sicherheit in schwieriger Umgebung zu gewährleisten. Eine Aufgabe, bei der sie Können und Mut bewiesen haben."

hut/dpa

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