Prozess gegen Blackwater-Söldner Lebenslang für Massaker in Bagdad 

Sie eröffneten mitten in Bagdad das Feuer, 17 unbewaffnete Zivilisten starben. Nun sind vier Blackwater-Söldner in den USA wegen Mordes und fahrlässiger Tötung zu langen Haftstrafen verurteilt worden.


Sieben Jahre nach dem Vorfall gibt es schwere Strafen: Am Montag sind in Washington vier Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Blackwater, heute heißt sie Academi, zu langen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Sie hatten im September 2007 auf dem Nisur-Platz mitten in Bagdad in die Menge geschossen. Bei dem Vorfall starben 17 unbewaffnete irakische Zivilisten, darunter Frauen und Kinder.

Einer von ihnen, Nicholas Slatten, wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, drei weitere, Paul Slough, Evan Liberty und Dustin Heard müssen für 30 Jahre ins Gefängnis. "Betrachtet man die Schwere der Verbrechen, halte ich die Strafe nicht für zu hoch", erklärte Richter Royce Lamberth.

Die Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma hätten eigentlich einen Konvoi mit US-Diplomaten schützen sollen, stattdessen richteten sie auf dem belebten Platz ein Blutbad an. Der Vorfall sorgte für internationale Diskussionen darüber, inwieweit Sicherheitsleute von privaten Firmen in Kriegsgebieten eingesetzt werden sollten.

Verurteilte beteuerten immer ihre Unschuld

Slatten, der am 16. September 2007 die ersten Schüsse abgegeben hatte, war bereits im Oktober wegen Mordes schuldig gesprochen worden, die drei anderen Angeklagten wurden für Totschlag im Affekt und wegen des Waffengebrauchs während eines Verbrechens verurteilt.

Für die USA hat das Urteil auch eine diplomatische Bedeutung: Lange hatte man im Irak und bei den Opfern um Geduld geworben und um Vertrauen in das Rechtssystem der USA. Nun konnte gezeigt werden, dass die Gerechtigkeit an erster Stelle steht, auch wenn US-Bürger die Täter sind.

Die Söldner, alle um die 30 Jahre alt, hatten stets ihre Unschuld beteuert, sie seien von Rebellen angegriffen worden und hätten sich lediglich verteidigt. Ein vierter ehemaliger Sicherheitsmann, Jeremy P. Ridgeway aus Kalifornien, bekannte sich des Totschlags schuldig und sagte gegen seine Kollegen aus. Er wurde nicht verurteilt. Weitere Mitarbeiter, die bei dem Vorfall dabei waren, sagten ebenfalls aus. Zeugen aus dem Irak hatten angegeben, dass die Mitarbeiter von Blackwater grundlos auf unbewaffnete Zivilisten geschossen hätten.

Insgesamt 138 Milliarden Dollar haben externe Dienstleister wie Blackwater im Irakkrieg damit verdient, das US-Militär in Sachen Sicherheit, Logistik und Wiederaufbau zu unterstützen.

mia/AP/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.