Blasphemiefall in Pakistan Polizei erklärt junge Christin für unschuldig

Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen: In Pakistan wurde eine 14-jährige Christin angeklagt, weil sie einen Koran verbrannt haben soll. Jetzt haben die Behörden sie entlastet. Ein Imam soll Beweise gefälscht haben, um die Polizei zu täuschen.


Islamabad - Im Fall einer wegen Gotteslästerung angeklagten jungen pakistanischen Christin hat die Polizei das Mädchen entlastet. Die mutmaßlich 14-jährige Rimsha sei unschuldig, sagte der Ermittler Munir Jafri der Nachrichtenagentur AFP. Stattdessen gebe es "Beweise", dass ein Imam die Vorwürfe gegen das vermutlich geistig behinderte Mädchen lanciert habe. Das sei dem Gericht mitgeteilt worden. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Rimsha soll ein Buch mit Koranversen verbrannt haben.

Anfang des Monats hatte die pakistanische Polizei den islamischen Geistlichen Hafiz Mohammed Khalid Chishti festgenommen, der das Verfahren ins Rollen gebracht hatte. Der Imam wird verdächtigt, gefälschte Beweisstücke vorgelegt zu haben. Mitarbeiter des Geistlichen sagten den Ermittlern, dass dieser selbst den von Rimsha verbrannten Papieren Seiten aus dem Koran hinzugefügt habe.

Rimsha war Mitte August festgenommen worden und saß bis zur ihrer Freilassung gegen eine Kaution Anfang September im Gefängnis. Das Alter der Christin aus einem ärmlichen Vorort Islamabads ist ebenso umstritten wie ihr geistiger Zustand. Die Staatsanwaltschaft widerspricht einem Gutachten, demzufolge das Mädchen 14 Jahre alt sein und einen niedrigen Intelligenzquotienten haben soll. Einigen Berichten zufolge soll Rimsha am Downsyndrom leiden. Sie war vor einigen Tagen an einen sicheren Ort gebracht worden.

In Pakistan kann Beleidigung des Propheten Mohammed mit dem Tod bestraft werden. Die Verbrennung von Koranversen kann mit lebenslanger Haft geahndet werden. Eine Freilassung auf Kaution in einem Blasphemiefall gab es in Pakistan noch nie. Etwa 97 Prozent der rund 180 Millionen Pakistaner sind Muslime. Fälle von Gotteslästerung lösen in dem Land häufig große öffentliche Empörung aus. Das zeigte sich in den vergangenen Tagen auch bei den heftigen Protesten gegen ein geschmackloses Mohammed-Video, bei denen mehrere Menschen getötet wurden.

sto/AFP



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