Blasphemievorwurf Todesurteil gegen afghanischen Journalisten ausgesetzt

Ein afghanisches Berufungsgericht hat einen Journalismusstudenten wegen Gotteslästerung zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Damit wurde das Todesurteil der ersten Instanz gekippt.


Kabul - 20 Jahre Haft statt Tod: Ein afghanisches Berufungsgericht in Kabul hat das Urteil gegen den 23-jährigen Journalisten Sajid Perwis Kambachsch geändert. Das Provinzgericht von Balch im Norden des Landes hatte ihn im Januar zum Tode verurteilt, ohne dass der Anwalt des Mannes an dem Prozess teilnehmen oder sich der Journalist selbst verteidigen konnte. Ihm wurde vorgeworfen, in einem Artikel den Islam "beleidigt" und Koranverse "falsch ausgelegt" zu haben. Das Urteil hatte international Empörung und Proteste hervorgerufen.

Kambachsch und sein Anwalt kritisierten das Berufungsurteil als "ungerecht" und kündigten Einspruch an. Zu Beginn des Berufungsprozesses im Mai hatte sich der aus der schiitischen Minderheit des Landes stammende Kambachsch für unschuldig erklärt. "Ich bin Muslim und würde es mir niemals erlauben, meine Religion zu beleidigen." Er sei gefoltert worden und habe die Anschuldigungen unter Zwang unterzeichnet, sagte der 23-Jährige, der neben dem Studium für eine Lokalzeitung gearbeitet hatte.

Kambachsch war am 27. Oktober festgenommen worden, nachdem er einen Text an Kommilitonen an der Universität von Balch verteilt hatte. Der Text, der sich mit Koranversen zu den Rechten der Frau beschäftigt, stammte aus einem iranischen Internet-Blog. Bei dem Berufungsprozess am Dienstag sagten frühere Mitstudenten aus, Kambachsch habe "antiislamische und beleidigende Fragen" gestellt. Ein Kommilitone sagte jedoch vor Gericht, seine im ersten Prozess gemachte Aussage sei unter Zwang entstanden.

als/AP/AFP/Reuters



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