Blitzanalyse zur Wahl in Griechenland: Große Gewinne für Radikale, Sparprogramm in Gefahr

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Die Volksparteien werden abgestraft, linker wie rechter Rand erstarken, der Sparkurs ist in Gefahr: Die Wahl in Griechenland bringt laut ersten Prognosen dramatische Änderungen. Fünf wichtige Entwicklungen im Überblick.

"Heute wird der Kurs des Landes für die nächsten Jahre definiert", sagte Griechenlands Übergangspremier Loukas Papademos, nachdem er am Sonntag seine Stimme abgegeben hatte. Falls sich die ersten Zahlen bestätigen, so dürfte es ein ziemlich unruhiger Kurs werden, auch die griechischen Sparprogramme könnten in Frage stehen. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Ohrfeige für die Volksparteien: Die ersten Prognosen zeigen einen dramatischen Stimmenverlust für die großen Parteien an. Die konservative Nea Dimokratia (ND) und die sozialistische Pasok kommen demnach zusammen auf weniger als 40 Prozent. Bei der letzten Wahl im Jahr 2009 erreichten sie zusammen noch 77 Prozent.
  • Kein eindeutiger Sieger: Falls sich die Prognosen bestätigen, so wird die ND zwar stärkste Kraft, allerdings mit geringem Abstand zu anderen Parteien. Damit könnte strittig sein, ob ND-Chef Antonis Samaras neuer Premier wird. Alternativ könnten sich die Parteien erneut auf einen unabhängigen Premier wie den scheidenden Papademos einigen.
  • Die Ränder werden stärker: Laut Prognosen dürften es mehrere Splitterparteien rechts und links der Mitte ins Parlament geschafft haben. Dazu gehört auch die neofaschistische "Goldene Morgenröte" (Chrysi Avgi), die offen gegen Ausländer hetzt.
  • Dritter Partner nötig: Der Erfolg der Kleinparteien dürfte die Bildung einer stabilen Koalition deutlich erschweren. Zwar bekommt die ND als stärkste Partei laut griechischem Wahlgesetz einen Bonus von 50 Sitzen. Für eine komfortable Mehrheit bräuchten die beiden Großen jedoch einen Stimmenanteil von 49 Prozent. Ein dritter Koalitionspartner wird damit wahrscheinlich.
  • Sparkurs in Gefahr: Rechte wie linke Kleinparteien lehnen die mit der EU vereinbarten Sparprogramme ab. Das gilt auch für die Koalition der Radikalen Linken, kurz Syriza, die laut ersten Prognosen sogar noch knapp vor der Pasok liegt. Sie will zwar im Euro bleiben, lehnt eine Begleichung der griechischen Schulden aber ab. Sollte Syriza Teil einer Regierung werden, könnte diese für neue Sorgen um die Zukunft Griechenlands sorgen.

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Forum - Wahl in Griechenland - kann das Land dem politischen Chaos entkommen?
insgesamt 38 Beiträge
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1. grosse gewinne für radikale
hartmutthomas 06.05.2012
ich kann die menschen in griechenland gut verstehen. denken wir einmal an die ns-zeit ,die radikale ideene propagierte. das grieschiche volk hatte bisher wirklich keine chance, ihre situation , die verfahren ist zu verbessern. die reichen sitzen schon im ausland, und die vielen blinden hat man auch schon kassiert. was, ausser wahlen hat dad volk noch für einen einfluss? radikale ideen scheinen immer noch balsam für die seele der erniedrigten griechen zu sein. hoffen wir auch ein gutes ende....
2. da ist nix in Gefahr
sxyxs 06.05.2012
Wie uns der sehr glaubwürdige Schäuble schon bei der ersten Geldüberweisung nach Griechenland sagte,dass Griechenland aus dem gröbsten raus ist hat er bestimmt nicht gelogen. Nachdem er die zweite Tranche überwiesen hat müsste das Land schon längst über den Berg sein. Der Typ im Rollstuhl wird doch nicht lügen-und wenn doch.Die Anti EU Parteien sind bestimmt schuld(und nicht das unbezahlbare Zinseszinssystem das darauf basiert dass immer weniger Geld da ist als zurückgezahlt werden kann)
3. keinen einzigen euro mehr nach griechenland!
iffel1 06.05.2012
Die griechen sind offenbar zu dumm, den nutzen des rettungsschirmes fuer sich zu erkennen. Eine schuldentilgung abzulehnen, heisst auch, keine neuen geldgeschenke mehr zu erhalten und natuerlich auch keine neuen kredite. Ich setze keinen fuss mehr auf griechischen boden und kaufe nichts mehr made in greece. Das bisher ueberwiesene geld waere in afrikanischen entwicklungslaendern wenigstens dankbar angenommen worden. Die griechen halten nur die hand auf und beschimpfen dann die geber. Raus aus der eu mit den griechen !
4. 49 komfortabel
werbe58 06.05.2012
Da circa 16% (Stand 20:33) rausfallen, sollten 35% für ND und PASOK reichen, eine Mehrheit zu erringen. Was komfortabel ist, ist dann eine andere Frage.
5. Wie bitte?
tomex030 06.05.2012
@ iffel1 Bei einer aufmerksamen Wahrnehmung der politischen Tatsachen der vergangenen 3 Jahren dürfte, bzw. müsste ihnen eigentlich aufgefallen sein, dass der rettungsschirm nicht für Griechenland aufgespannt wurde sondern für die Banken, die das Risiko bei der Kreditvergabe völlig falsch eingeschätzt haben. Was wundert es sie, dass das Volk, dass man für Schulden heranziehen will, die es nicht gemacht hat sich politisch umorientiert?
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