Blitzbesuch in Afghanistan Obama fordert von Karzai Kampf gegen Korruption

Der afghanische Präsident Karzai hat überraschend Besuch vom Amtskollegen aus Washington bekommen. Barack Obama verlangte in Kabul ein energisches Durchgreifen gegen Korruption und Drogenhandel. Den US-Truppen versprach ihr Oberbefehlshaber Erfolg: "Wir werden den Job erledigen".

AP

Kabul - Mehr Anstrengungen sind gefordert: Barack Obama hat bei seinem Staatsbesuch in Afghanistan eine klare politische Botschaft mitgebracht. Am Sonntagabend besuchte der US-Präsident zum ersten Mal in seiner Amtszeit Afghanistan. Präsidenten Hamid Karzai und wichtige Regierungspolitiker rief er zu einem entschlossenem Kampf gegen die im Land grassierende Korruption auf. Außerdem müsse das Justizsystem weiter ausgebaut und der Handel mit Drogen bekämpft werden. "All das führt dazu, dass es in Afghanistan mehr Wohlstand und mehr Sicherheit gibt", sagte Obama.

Nach einem kurzen Treffen mit Karzai im Präsidentenpalast in Kabul lobte Obama die jüngsten Schritte im militärischen Kampf gegen Aufständische. Gleichzeitig betonte er aber, dass sich die Situation auch aus Sicht der afghanischen Bevölkerung verbessern müsse.

Karzai bedankte sich bei Obama für den Militäreinsatz in seinem Land und sagte, dass sein Land weiter Fortschritte machen werde. Nach seinem Amtsantritt hatte Obama eine erhebliche Aufstockung der US-Truppen für den Krieg gegen al-Qaida und die radikal-islamischen Taliban angeordnet. Bis zum Sommer sollen 100.000 US-Soldaten in dem Land stationiert sein.

"Wir werden den Job erledigen"

Bei dem nächtliche Blitzbesuch stand auch ein Besuch bei US-Truppen auf dem Programm. Obama zeigte sich zuversichtlich, dass der Einsatz der Amerikaner und ihrer Verbündeten in Afghanistan zum Erfolg führen wird. Es werde Rückschläge geben, "aber wir werden unseren Job erledigen", sagte Obama am Sonntag während eines Besuches auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram vor rund 2000 Soldaten. Dorthin war er schon wenige Stunden zuvor mit der Air Force One gelandet und in einem Hubschrauber in die Hauptstadt Kabul geflogen.

Karzai war über den Besuch Obamas kurzfristig informiert worden, erklärte das Weiße Haus. Obama lud seinen Kollegen, der nach einer umstrittenen Wahl im November für eine zweite Amtszeit vereidigt worden war, für den 12. Mai in die USA ein. Karzai habe schon zugesagt, hieß es aus dem Weißen Haus.

Obamas Blitzbesuch erfolgt nur zwei Tage, nachdem eine neue Audio-Botschaft mit Drohungen von Qaida-Führer Osama Bin Laden aufgetaucht ist. Bin Laden soll sich in der bergigen Region entlang der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan verstecken.

Hunderttausend US-Soldaten im Afghanistan-Einsatz

Im Dezember hatte Obama 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan beordert, um die radikal-islamischen Taliban unter Kontrolle zu bringen. Die zusätzlichen Truppen sollen im Sommer vollständig stationiert sein, dann werden sich rund hunderttausend amerikanische Soldaten in Afghanistan aufhalten. Zu Beginn von Obamas Amtszeit waren es 34.000. Hinzu kommen insgesamt mehr als 40 000 Soldaten aus anderen Ländern, darunter auch Deutschland.

"Wir haben diesen Krieg nicht gewählt", sagte Obama bei seinem Besuch. "Wir wollten unseren Einfluss nicht ausdehnen oder uns in ausländische Angelegenheiten einmischen. Wir wurden am 11. September 2001 angegriffen."

Die aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheimgehaltene Reise markiert das Ende einer ereignisreichen Woche in Obamas Präsidentschaft. Zunächst hatte er mit der Gesundheitsreform die ehrgeizigste innenpolitische Initiative seit Jahrzehnten durchgesetzt. Einen außenpolitischen Erfolg erzielte er mit einem neuen Abkommen mit Russland zur Rüstungskontrolle.

Nach Angaben des Weißen Hauses sei es bereits länger Obamas Wunsch gewesen, das Land zu besuchen. Das Wetter und andere logistische Hindernisse hätten die Reise aber immer wieder verzögert. Mitreisende Beamte und Journalisten waren zur Geheimhaltung verpflichtet worden. Vor rund einem Jahr hatte Obama den Irak besucht.

Es ist seine zweite Reise nach Afghanistan, als Präsidentschaftskandidat und US-Senator war er mit einer offiziellen Kongress-Delegation 2008 in dem Land. Sein Amtsvorgänger George W. Bush hatte Afghanistan nie besucht.

ore/AP/AFP/dpa

insgesamt 5467 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
SaT 08.11.2009
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
Ökopit 08.11.2009
2. Westlich und Islam ...
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
ewspapst 08.11.2009
3. Nur Siegen?
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden „Sie “ diesen Krieg auch gewinnen, „wir “ Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
mark anton, 08.11.2009
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
Stahlengel77, 08.11.2009
5.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.