Blitzfahndung in Dubai Hightech-Wächter im Wüstensand

Kameras auf Hotelfluren, Spitzel-Software, Pass-Scanner: Mit Hilfe moderner Technik konnte Dubais Polizei die mutmaßlichen Mossad-Killer eines Hamas-Führers schnell identifizieren. Das Emirat zählt zu den bestüberwachten Ländern der Erde - auch dank Gerätschaft made in Israel.

Dubais Polizeichef Dahi Khalfan Tamim: Multi-Media-Show der Verdächtigen
REUTERS

Dubais Polizeichef Dahi Khalfan Tamim: Multi-Media-Show der Verdächtigen

Von Ulrike Putz, Beirut


Der vergangene Sonntag muss für Dubais Polizeichef ein schöner Tag gewesen sein: Voller Stolz konnte Dhahi Khalfan Tamim den zur Pressekonferenz versammelten Nahost-Korrespondenten vorführen, was seine Leute zu leisten in der Lage sind. In nur 24 Stunden hätte die Polizei des Emirates den Mord an Hamas-Führer Mahmud al-Mabhuh aufgeklärt. Bereits am 20. Januar, nur einen Tag nach seinem gewaltsamen Tod, hätten die Ermittler eine heiße Spur gehabt.

Die ausführliche Präsentation des Polizeigenerals glich einer Multimedia-Show: Tamim konnte jedes Mitglied des Killerkommandos mit Namen und Foto identifizieren. Bei der Jagd auf die Mörder kam Technik vom Feinsten zum Einsatz: Überwachungskameras, Abhörgeräte für Mobiltelefone, Software zur Gesichtserkennung, Computeranalysen von Kreditkarten-Daten und, und, und.

Die Freude war Dubais Polizeichef anzusehen, als er den versammelten Journalisten die zahlreichen Hightech-Gerätschaften erläuterte, die bei der Ermittlung zum Einsatz gekommen waren.

Der Mord an Mabhuh, für den Israels Auslandsgeheimdienst Mossad verantwortlich sein soll, rückt damit ein Thema ins Zentrum des Interesses, über das viel gemunkelt, aber selten offen geredet wird: Dubai ist auf dem besten Weg, ein Orwellscher Überwachungsstaat zu werden. Öffentliche Gebäude, Bürotürme und Hotels werden per Kamera überwacht, gleiches gilt für Schulhöfe, Freizeitanlagen und natürlich den Flughafen, auf dem jährlich 40 Millionen Passagiere abgefertigt werden. Die allgegenwärtige Kontrolle mag ein Alptraum für Datenschützer sein, doch sie beschert den Vereinigten Arabischen Emiraten eine "äußerst niedrige Kriminalitätsrate" wie das deutsche Auswärtige Amt auf seiner Website mit Reisewarnungen schreibt.

Dass die Emiratis ihr im Überfluss gesammeltes Spitzel-Material auch auszuwerten verstehen, rang in den vergangenen Tagen selbst israelischen Journalisten ein Lob ab. Die Ermittler hätten es geschafft, Fotos, Video- und Handydaten einander zuzuordnen, schrieb Ronen Bergmann in der "Yeditoh Achronoth". Das bedürfe hoher Computer-Kapazitäten und sehr moderner Software zur Analyse der Daten, so der Geheimdienst-Experte. "Wie hat es die Dubaier Polizei geschafft, in den Besitz solch fortschrittlicher Methoden zu kommen?"

Haben israelische Sicherheitsfirmen den eigenen Geheimdienst bloßgestellt?

Die Antwort auf diese Frage könnte für Israel unangenehm ausfallen: Denn israelische Firmen gehören zu den Marktführern, wenn es um Sicherheitstechnik geht. Insider gehen davon aus, dass ein guter Teil der in Dubai verwendeten Hard- und Software "Made in Israel" ist. Damit könnten private israelische Sicherheitsfirmen unbewusst dazu beigetragen haben, den eigenen Geheimdienst bloßzustellen. Genaueres wollte keiner der kontaktierten Sprecher von in Dubai ansässigen internationalen Security-Firmen preisgeben: "Ein extrem sensibles Thema", "Kein Kommentar, schon gar nicht am Telefon", so die Absagen auf Anfragen von SPIEGEL ONLINE.

Exporte von Waffen- und Sicherheitssystemen bedürfen in Israel der Genehmigung des Verteidigungsministeriums. "Die Regierung will so sicherstellen, dass die andere Seite immer nur die vorletzten Modelle geliefert bekommt und Israel nicht mit seinen eigenen Waffen schlagen kann", sagt Yossi Melman, Geheimdienstexperte der israelischen Tageszeitung "Haartez".

Doch die an Geschäftsabschlüssen interessierten Firmen drängten ihrerseits ständig darauf, auch die neueste Technologie verkaufen zu dürfen - unter anderem an die Länder am Persischen Golf. "Es ist bekannt, dass die Golf-Araber israelische Technik benutzen, um ihre Ölfelder zu schützen", so Melman. Es wäre keine Überraschung, wenn auch die Software, die im Mabhuh-Fall zum Einsatz kam, auch aus Israel stamme.

Dass Dubai in den vergangenen Jahren massiv in Sicherheitstechnik investiert hat, hat politische Gründe. Das Emirat, in dem Alkoholkonsum und Prostitution geduldet werden, gilt strenggläubigen Muslimen als Sündenpfuhl. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass Dubai über kurz oder lang zum Ziel radikalislamischen Terrors werden könnte. Im Sommer 2008 hatte das britische Außenministerium seine Einschätzung der Terrorgefahr für die Vereinigten Arabischen Emirate auf von "generell" auf "hoch" gestuft.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
medienquadrat, 19.02.2010
1. ...
existieren eigentlich noch Beleuchtungsproben? Oder Bänder vom Casting? Was uns da für ein Bär asufgebunden wird, das stinkt doch zum Himmel! Aber warum, das Ganze? Das sollte Gegenstand der Ermittlungen sein.
vgo 19.02.2010
2. Das kommt davon ...
Wie der Fall zeigt, scheint das notwendig zu sein. Mindestens so bedenklich ist die Tatsache, dass Geheimdienste - gleichgültig welcher Nationalität - vorbei an der Justiz Menschen ermorden können gerade wie sie wollen - und das noch mit gefälschten Pässen von Personen "befreundeter" Staaten. Das ist doch alles ziemlich abenteuerlich - doch das scheint kaum jemanden zu interessieren. Ich möchte einmal wissen, was passieren würde, wenn der deutsche Geheimdienst eine politisch unerwünschte Person umbringen würde --- das hatten wir schon einmal vor ca. 70 Jahren. Hier kann man nur noch Naom Chomsky zitieren: "Den Opfern des Holocaust ist nicht damit gedient, wenn man die zentrale Doktrin ihrer Mörder übernimmt."
colalto, 19.02.2010
3. Interessant zu sehen wie der Mossad arbeitet.
Zitat von sysopKameras auf Hotel-Fluren, Spitzel-Software, Pass-Scanner: Mit Hilfe moderner Technik konnte Dubais Polizei die mutmaßlichen Mossad-Killer eines Hamas-Führers schnell identifizieren. Das Emirat zählt zu den best-überwachten Ländern der Erde - auch dank Gerätschaft made in Israel. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,679062,00.html
Wenn man wissen will wie der Mossad vorgeht sei auch ein buch von John le Carre empfohlen. Mir fällt nur augenblicklich der Titel nicht ein. Aber es dreht sich alles um Operationen im Ausland, bei denen der Mossad fremde Pässe benutzt und in anderen Ländern arabische Terroristen aufspürt und sie liquidiert. Normalerweise sind deshalb arabische Politiker äußerst vorsichtig wenn sie ins Ausland reisen. Und zeichenen sich durch seltsame Verhaltensweisen aus. Vielleicht fühlte sich der Hamasführer in Dubai zu sicher.
Gerdd 19.02.2010
4. Ja, ganz nett, aber ...
das Opfer ist tot und die wohldokumentierten Täter sind weg - ihre falschen Identitäten sind zwar aufgeflogen, aber die sollten vermutlich sowieso kein zweites Mal benutzt werden. Für die wahren Eigentümer dieser Identitäten war das ganze wohl etwas unangenehm, aber darum werden sich die Täter vermutlich nicht weiter grämen. Wer die aber wirklich sind oder wo man sie normalerweise antrifft, das ist anscheinend noch völlig unbekannt. Aufgeklärt ist dieser Fall jedenfalls erst, wenn die Täter festgenommen und verurteilt sind. Ob es dazu kommt, darauf können wir jetzt Wetten abschließen.
zompel 19.02.2010
5. Demokratie
Welcher Art von Demokratie hat dieses Land, das Mörderbanden durch die Welt schickt ?
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