US-Wahlkampf: New Yorks Bürgermeister empfiehlt Obama

In fünf Tagen entscheiden die Amerikaner, wer ihr Land in den nächsten Jahren führt. New Yorks Bürgermeister hat sich festgelegt, er gab jetzt eine Wahlempfehlung für Barack Obama ab. Als Grund führt er auch Wirbelsturm "Sandy" an - und verweist auf die Klimapolitik des US-Präsidenten.

Washington - Wenige Tage nach dem verheerenden Sturm "Sandy" hat der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg die Wiederwahl von Präsident Barack Obama empfohlen. Obama habe die Führerschaft beim Thema Klimawandel inne, schrieb das Stadtoberhaupt auf Bloomberg.com.

"Unser Klima ändert sich. Und während die Zunahme extremer Wetterlagen, die wir in New York und in der Welt erlebt haben, eine Folge davon sind oder nicht sein mögen, das Risiko, dass es so sein könnte - angesichts der Zerstörung in dieser Woche - sollte alle gewählten Führer dazu zwingen, sofort zu handeln", so der frühere Republikaner Bloomberg.

Die Metropole und die einzelnen US-Staaten könnten solche Katastrophen nicht allein stemmen: "Wir brauchen Führung vom Weißen Haus", schrieb der Bürgermeister. Obama habe in den vergangenen Jahren wichtige Schritte für den Umweltschutz eingeleitet. Romney habe dagegen in allen wichtigen Bereichen einschließlich dem Umweltschutz den Kurs gewechselt.

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Wirbelsturm "Sandy": Die Katastrophe an der Ostküste
New York und die gesamte US-Ostküste sind von der Sturmkatastrophe schwer getroffen worden. Bis Donnerstag zählten die Behörden 56 Tote. In US-Medien ist von über 80 Opfern die Rede. Experten befürchten, dass sich der Schaden, den "Sandy" an der US-Ostküste angerichtet hat, auf bis zu 50 Milliarden Dollar summieren könnte. Ob es tatsächlich einen Zusammenhang mit dem Klimawandel gibt, ist umstritten.

Bloombergs Empfehlung für Obama erfolgt unmittelbar vor dem Urnengang. Am kommenden Dienstag entscheiden die US-Wähler, ob erneut Obama oder sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney ins Weiße Haus einzieht.

Das Krisenmanagement im Nachgang von "Sandy" könnte Obama nun vielleicht genau jenen Vorsprung im Präsidentschaftsrennen bringen, den er braucht, um am 6. November zu siegen. Die Wahlempfehlung des beliebten Bloomberg folgt just einen Tag, nachdem der seinerseits beliebte Republikaner und Gouverneur Chris Christie den Präsidenten in seinem Staat New Jersey empfangen, ihn wieder und wieder für seinen Umgang mit der Katastrophe gelobt hat: Außerordentlich, exzellent, wunderbar - das waren die Worte Christies, der eigentlich als einer der entschiedensten Unterstützer von Mitt Romney galt.

Dass nun ausgerechnet Regierungschef und Bürgermeister der vom Sturm am schwersten getroffenen Gebiete - New Jersey und New York City - so einhellig die Führungsqualitäten Obamas in der Krise loben, wird Eindruck machen auf viele unabhängige, unentschiedene Wähler. Die zeigten sich in ihrer Mehrheit zunehmend genervt von der polarisierten Auseinandersetzung zwischen Demokraten und Republikanern. Bloomberg selbst wurde zwischenzeitlich gehandelt als aussichtsreicher Dritte-Partei-Kandidat, der sowohl Romney als auch Obama Stimmen hätte nehmen können. Doch er verzichtete. Fortan bemühten sich beide Lager um seine Wahlempfehlung. Obama hat gewonnen.

Bloomberg selbst gewann 2001 erstmals die Bürgermeisterwahl und wurde 2005 mit klarem Vorsprung im Amt bestätigt, beide Male als Kandidat der Republikaner. Bei der Wahl 2009 trat er als parteiloser Bewerber an und gewann nur noch knapp vor dem Kandidaten der Demokraten. Zwei Jahre zuvor hatte er seinen Austritt aus der Grand Old Party erklärt, nachdem er diese mitsamt dem damaligen Präsidenten George W. Bush kritisiert hatte.

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Obama im Katastrophengebiet: Kümmerer-in-Chief
Obama selbst hat die Hilfsbereitschaft für die Opfer des Hurrikans "Sandy" gelobt. Die Nachbarschaftshilfe sei ebenso überragend gewesen wie die Hilfe über die Parteigrenzen hinweg, sagte Obama am Donnerstag bei einem Wahlkampfauftritt in Green Bay im Bundesstaat Wisconsin. "Während eines Sturms gibt es keine Demokraten und keine Republikaner", erklärte der Präsident. Er appellierte an die US-Bürger, die Sturmopfer weiter zu unterstützen. "Wir sind sprachlos und demütig angesichts der zerstörerischen Kraft der Natur", sagte Obama bei seinem ersten Wahlkampfauftritt nach einer hurrikanbedingten Zwangspause.

Obama setzt erneut auf "Change"-Slogan

Unterdessen belebt Obama im Wahlkampf-Endspurt einen seiner erfolgreichen Slogans von 2008 wieder: "Change". "Ich weiß wie Wandel aussieht, denn ich habe dafür gekämpft", sagte er vor etwa 2600 Zuhörern im Bundesstaat Wisconsin. Sein Herausforderer Mitt Romney wolle die Wirtschaftskrise mit Mitteln lösen, die Ursache der ökonomischen Probleme seien, die er bei seinem Amtsantritt vorgefunden habe, sagte Obama.

"Romney hat alle seine Talente als Verkäufer genutzt, um genau die Politik aufzuhübschen, die unserem Land so sehr geschadet hat. Es ist dieselbe Politik, hinter der wir in den vergangenen vier Jahren hergeputzt haben - und das bietet er an als Wandel." So aber sehe Wandel - "change" - nicht aus.

"Change" war neben "Hope" - Hoffnung - einer der Schlüsselbegriffe, mit denen Obama 2008 das Weiße Haus eroberte. Doch im laufenden Wahlkampf verzichtete er bislang weitgehend darauf, an diese griffigen Slogans anzuknüpfen - wohl auch, weil ihm viele Wähler vorwerfen, zu wenig in Washington bewegt und viele seiner Ankündigungen von vor vier Jahren nicht umgesetzt zu haben.

Statt dessen zog Romney mit dem Versprechen durchs Land, für "wahren Wandel" - "real change" zu sorgen, sollte er am kommenden Dienstag zum Präsidenten gewählt werden. Fünf Tage vor der Wahl schien Obama nun entschlossen, den Begriff für sich zurückzuerobern. "Wisconsin, ich sage Euch: Wir wissen, wie Wandel aussieht. Und was Romney anbietet, ist sicher kein Wandel."

Wisconsin ist einer jener Handvoll Staaten, die die Wahl mitentscheiden könnten, denn hier ist noch nicht klar, wer von den beiden Bewerbern am Ende die Nase vorn haben wird. Auch Nevada, Colorado und Ohio zählen zu den "battleground states", die zum Zünglein an der Waage werden könnten. Auch sie standen auf dem Reiseplan des Präsidenten am Donnerstag. Romney wird am Freitag in Wisconsin und Ohio erwartet.

lei/sef/dpa/dapd

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1.
shakyamuni 01.11.2012
Liebe Spon Redaktion, ihr habt heute über das kleine Mädchen berichtet, dass genervt weint weil es bronco bamma und mitt romney satt hat. So geht es uns auch, und wir leben nichtmal in den USA!
2.
adal_ 01.11.2012
Zitat von shakyamuniLiebe Spon Redaktion, ihr habt heute über das kleine Mädchen berichtet, dass genervt weint weil es bronco bamma und mitt romney satt hat. So geht es uns auch, und wir leben nichtmal in den USA!
Heul doch! (und stell das Video ins Internet)
3.
Hafenschiff 01.11.2012
Zitat von shakyamuniLiebe Spon Redaktion, ihr habt heute über das kleine Mädchen berichtet, dass genervt weint weil es bronco bamma und mitt romney satt hat. So geht es uns auch, und wir leben nichtmal in den USA!
Ist doch nur noch eine Woche. Dann haben wir's überstanden. Abgesehen davon könnte man aber auch davon ausgehen, dass ein vernunftbegabter Mensch in der Lage ist, ihn nicht interessierende Meldungen einfach zu ignorieren und nicht zu lesen, statt dann sogar ein Kommentar im Forum zu schreiben, das besagt, man interessiere sich gar nicht für das Thema und will nun nichts mehr davon hören ... nur um dann im Thread zum nächsten US-Wahlkampfartikel dann wieder dasselbe zu schreiben.
4. Klimapolitik? Schulden und Geldpolitik!
RalfWagner 01.11.2012
Obama ist der Garant für hohe Staatsschulden (bei den Banken) und ungebremste Geldemission (zugunsten der Banken). Das ist es kein Wunder, dass Blooberg ihne "empfiehlt". Hoffentlich sind die Amerikaner schlauer.
5. Fühlt sich fast an als hätten himmlische Kräfte ihre Hand im Spiel
schandmaul1000 01.11.2012
Mehr Beweis das es den Mormonen an Einfluss im Himmel mangelt dürfte kaum möglich sein.Schade nur das es dieser vielen Toten bedurfte.
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Das Rezept des Supersturms

Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.