Washington - Wenige Tage nach dem verheerenden Sturm "Sandy" hat der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg die Wiederwahl von Präsident Barack Obama empfohlen. Obama habe die Führerschaft beim Thema Klimawandel inne, schrieb das Stadtoberhaupt auf Bloomberg.com.
"Unser Klima ändert sich. Und während die Zunahme extremer Wetterlagen, die wir in New York und in der Welt erlebt haben, eine Folge davon sind oder nicht sein mögen, das Risiko, dass es so sein könnte - angesichts der Zerstörung in dieser Woche - sollte alle gewählten Führer dazu zwingen, sofort zu handeln", so der frühere Republikaner Bloomberg.
Die Metropole und die einzelnen US-Staaten könnten solche Katastrophen nicht allein stemmen: "Wir brauchen Führung vom Weißen Haus", schrieb der Bürgermeister. Obama habe in den vergangenen Jahren wichtige Schritte für den Umweltschutz eingeleitet. Romney habe dagegen in allen wichtigen Bereichen einschließlich dem Umweltschutz den Kurs gewechselt.
Bloombergs Empfehlung für Obama erfolgt unmittelbar vor dem Urnengang. Am kommenden Dienstag entscheiden die US-Wähler, ob erneut Obama oder sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney ins Weiße Haus einzieht.
Das Krisenmanagement im Nachgang von "Sandy" könnte Obama nun vielleicht genau jenen Vorsprung im Präsidentschaftsrennen bringen, den er braucht, um am 6. November zu siegen. Die Wahlempfehlung des beliebten Bloomberg folgt just einen Tag, nachdem der seinerseits beliebte Republikaner und Gouverneur Chris Christie den Präsidenten in seinem Staat New Jersey empfangen, ihn wieder und wieder für seinen Umgang mit der Katastrophe gelobt hat: Außerordentlich, exzellent, wunderbar - das waren die Worte Christies, der eigentlich als einer der entschiedensten Unterstützer von Mitt Romney galt.
Dass nun ausgerechnet Regierungschef und Bürgermeister der vom Sturm am schwersten getroffenen Gebiete - New Jersey und New York City - so einhellig die Führungsqualitäten Obamas in der Krise loben, wird Eindruck machen auf viele unabhängige, unentschiedene Wähler. Die zeigten sich in ihrer Mehrheit zunehmend genervt von der polarisierten Auseinandersetzung zwischen Demokraten und Republikanern. Bloomberg selbst wurde zwischenzeitlich gehandelt als aussichtsreicher Dritte-Partei-Kandidat, der sowohl Romney als auch Obama Stimmen hätte nehmen können. Doch er verzichtete. Fortan bemühten sich beide Lager um seine Wahlempfehlung. Obama hat gewonnen.
Bloomberg selbst gewann 2001 erstmals die Bürgermeisterwahl und wurde 2005 mit klarem Vorsprung im Amt bestätigt, beide Male als Kandidat der Republikaner. Bei der Wahl 2009 trat er als parteiloser Bewerber an und gewann nur noch knapp vor dem Kandidaten der Demokraten. Zwei Jahre zuvor hatte er seinen Austritt aus der Grand Old Party erklärt, nachdem er diese mitsamt dem damaligen Präsidenten George W. Bush kritisiert hatte.
Obama setzt erneut auf "Change"-Slogan
Unterdessen belebt Obama im Wahlkampf-Endspurt einen seiner erfolgreichen Slogans von 2008 wieder: "Change". "Ich weiß wie Wandel aussieht, denn ich habe dafür gekämpft", sagte er vor etwa 2600 Zuhörern im Bundesstaat Wisconsin. Sein Herausforderer Mitt Romney wolle die Wirtschaftskrise mit Mitteln lösen, die Ursache der ökonomischen Probleme seien, die er bei seinem Amtsantritt vorgefunden habe, sagte Obama.
"Romney hat alle seine Talente als Verkäufer genutzt, um genau die Politik aufzuhübschen, die unserem Land so sehr geschadet hat. Es ist dieselbe Politik, hinter der wir in den vergangenen vier Jahren hergeputzt haben - und das bietet er an als Wandel." So aber sehe Wandel - "change" - nicht aus.
"Change" war neben "Hope" - Hoffnung - einer der Schlüsselbegriffe, mit denen Obama 2008 das Weiße Haus eroberte. Doch im laufenden Wahlkampf verzichtete er bislang weitgehend darauf, an diese griffigen Slogans anzuknüpfen - wohl auch, weil ihm viele Wähler vorwerfen, zu wenig in Washington bewegt und viele seiner Ankündigungen von vor vier Jahren nicht umgesetzt zu haben.
Statt dessen zog Romney mit dem Versprechen durchs Land, für "wahren Wandel" - "real change" zu sorgen, sollte er am kommenden Dienstag zum Präsidenten gewählt werden. Fünf Tage vor der Wahl schien Obama nun entschlossen, den Begriff für sich zurückzuerobern. "Wisconsin, ich sage Euch: Wir wissen, wie Wandel aussieht. Und was Romney anbietet, ist sicher kein Wandel."
Wisconsin ist einer jener Handvoll Staaten, die die Wahl mitentscheiden könnten, denn hier ist noch nicht klar, wer von den beiden Bewerbern am Ende die Nase vorn haben wird. Auch Nevada, Colorado und Ohio zählen zu den "battleground states", die zum Zünglein an der Waage werden könnten. Auch sie standen auf dem Reiseplan des Präsidenten am Donnerstag. Romney wird am Freitag in Wisconsin und Ohio erwartet.
lei/sef/dpa/dapd
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